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Hans Brüderl und Cecilio Perera begeistern mit klassischen Werken auf Kopien historischer Gitarren

Gitarrenspiel in vollendeter Perfektion

Anfang des 19. Jahrhunderts sollen sich Anhänger der Gitarristen Francesco Molino und Fernando Carulli über die richtige Anschlagtechnik – Fingernagel oder Fingerkuppen – ereifert haben. Cecilio Perera und Hans Brüderl vereinen beides und das auf technisch höchstem Niveau. Was die beiden den Zuhörern bei einem Konzert im Studio des k1 in Traunreut auf die Ohren schickten, schien über das musikalisch Machbare hinauszugehen. Ein klangerfülltes Feuerwerk auf Kopien historischer Gitarren.

Gitarrenspiel in vollendeter Perfektion: Cecilio Perera (links) und Hans Brüderl begeisterten bei einem Konzert mit ihrem Programm »La Guitaromanie« im Studio des k1. (Foto: Rasch)

Das k1-Studio war bis auf wenige Plätze ausverkauft. Das kunstverständige Publikum mucksmäuschenstill. Der Konzertabend »La Guitaromanie« vereinte drei der zentralen Personen der Gitarrenmusik Anfang des 19. Jahrhunderts: Fernando Carulli (1779 bis 1841), Mauro Giuliani (1781 bis 1829) und Fernando Sor ( 1778 bis 1839). Durch die drei Komponisten und konzertierenden Virtuosen erlebte die Gitarrenkunst, in Italien und Spanien im späten 18. und beginnenden 19. Jahrhundert gerade im Niedergang begriffen, in Wien, London oder Paris einen regelrechten Boom. Auch das Instrument entwickelte sich weiter. Aus der fünfsaitigen Barockgitarre entstand der Typus der heutigen – mit sechs in Quarten gestimmten Saiten – bespannten Gitarre.

Auf solchen historischen Nachbauten spielten auch Brüderl und Perera. Die beiden, die sich seit längerer Zeit kennen, überzeugten durch ein souveränes Zusammenspiel. Mit einwandfreier Technik, Musikalität, Virtuosität und Leidenschaft verstanden sie es, den anspruchsvollen Werken der seinerzeit größten italienischen und spanischen Gitarren-Komponisten gerecht zu werden. »Gitarrenspiel in vollendeter Perfektion«, schwärmten die Zuhörer. Für Hans Brüderl, Professor für Gitarre und Alte Musik an der Universität Mozarteum in Salzburg, hat sich mit diesem Konzertprogramm ein großer Wunsch erfüllt. Im Duo die Musik der zentralen Personen der Gitarrenmusik des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts zu vereinen, sei ein lang gehegter Wunsch gewesen, sagte Brüderl.

Der aus Anning stammende Musiker gründete 1994 und leitete das Salzburger Gitarrenquartett, das auf internationalen Gitarrenfestivals und Konzertreihen in Deutschland und Österreich aufgetreten ist. Vor zehn Jahren formierte sich aus der Zusammenarbeit des Canadian Guitar Quartetts und des Salzburger Gitarrenquartetts das Okett Guitar 8, mit dem Brüderl durch Deutschland, Österreich und Kanada tourte.

An der Seite von Cecilio Perera begeistern die beiden jetzt als Carulli Duo. Der gebürtige Mexikaner studierte bereits mit 16 Jahren an der Universität in Xalapa und später am Mozarteum in Salzburg bei Eliot Fisk, dem er seit sieben Jahren in der Gitarrenklasse assistiert. Perera gibt weltweit Solokonzerte oder tritt als Solist mit Orchester auf. Zahlreiche Auszeichnungen und Erste Preise bei Internationalen Gitarrenwettbewerben, zeugen von einem genialen Gitarrenspiel.

Mit dem Duo op. 34 Nr. 3 von Fernando Carulli eröffneten sie den kurzweiligen Konzertabend, gespickt mit bekannten Arrangements ganzer Opern-Ouvertüren, die sich die drei Komponisten zur Grundlage für Variationen genommen haben. Etwa aus Rossinis Elisabetta, der »Diebischen Elster« oder Mozarts »Titus«. Einen besonderen Glanzpunkt setzte das Duo mit der Sinfonia nell´ opera La Gazza Ladra del Maestro Rossini. Mauro Giuliani Themen komponierte als das wohl bekannteste Beispiel sechs »Rossiniane«, in denen er Themen aus insgesamt 16 verschiedenen Opern Rossinis verarbeitete.

Die beliebte Variationsform fand sich auch in den Werken von Fernando Sors, dem »L´ encouragement op. 34 und in seiner Fantasia E-Dur op.54. Aus dem immensen Werk von Fernando Carulli , der 350 Gitarrenstücke komponierte, war auch die viersätzige Serenada A-Dur op. 96 zu hören. Den triumphalen Schlusspunkt nach begeisterten Beifallsstürmen setzte das Duo mit einer spanischen Zugabe. Gabi Rasch