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Gitarrenabend mit dem Feuer Brasiliens

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Sorgten mit hoher Virtuosität und lässigem Groove für einen genussreichen Gitarrenabend in Traunstein: (von links) Peter Finger, Ahmed El-Salamouny und Percussionist Gilson de Assis. (Foto: Effner)

Wenn zwei echte Vollblutmusiker und Meister ihres Fachs zusammen mit einem Top-Percussionisten im Rahmen der Traunsteiner Gitarrentage die Bühne betreten, dann ist die Erwartungshaltung hoch. Sowohl im Einzelvortrag wie im Zusammenspiel verstanden Peter Finger, Ahmed El-Salamouny und Gilson de Assis es, die Zuhörer der Guitar Groove Night im Traunsteiner Rathaussaal zu begeistern.


Peter Finger ist von der internationalen Fachpresse längst ins Pantheon der weltbesten Gitarristen er-hoben worden. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter zeitgenössischer Fingerstyle-Gitarristen und Komponisten für Gitarrenmusik. Als Sohn eines Diri-genten mit Geige und Klavierunterricht groß geworden, entdeckte er mit 13 die Akkustikgitarre. Heute betreibt der vielfach ausgezeichnete Musiker das Label »Acoustic Music Records«, gibt das Fachmagazin »Akkustik Gitarre« heraus, veranstaltet das »Open Strings Gitarrenfestival« in seinem Wohnort Osnabrück und baut mit Leidenschaft Gitarren.

Überraschend bescheiden im Auftritt, gab Finger beim Konzert in Traunstein Einblick in sein reiches Klangrepertoire, seine stilistische Vielfalt und technische Virtuosität. Schnelle Fingerläufe mit polyphonen Momenten und südamerikanischem Feuer wechselten mit melancholisch nachklingenden und vom Barock inspirierten Melodieläufen mit sattem Vibrato in der Ballade »We’ll meet again«. Nicht weniger fasziniert lauschten die Zuhörer seiner Klangminiatur einer Gemäldeinterpretation (»Blue Horizon«) oder den beiden Hommage-Stücken an Claude Debussy und Frédéric Chopin, mit dem seine Frau weitläufig verwandt ist.

Die gegenseitige Inspiration und Spielfreude im Austausch mit anderen Gitarrengrößen auf Festivals demonstrierte Finger in einem weiteren Stück. Von reichen Melodie- und Rhythmenwechseln sowie atemberaubend schnellen Fingerläufen begleitet, folgten Paraphrasen auf afrikanisches Liedgut und kurze Intermezzi in fröhlich-heiteren Passagen, die entspannt die Freude am Dasein erklingen lassen. Nicht fehlen durfte am Ende eine kleine Reminiszenz an pubertäre Aufbrüche im »Blues vom Baggersee«.

Zu einer emotional bewegenden und aufregenden Klangreise durch Lateinamerika lud Ahmed El-Salamouny die Zuhörer zusammen mit Percussionist Gilson de Assis im zweiten Teil des Abends ein. Der in München aufgewachsene Deutsch-Ägypter ist nicht nur seit Jahrzehnten ein ausgewiesener Spezialist und Komponist für brasilianische Musik, sondern auch vielgefragter Festivalgitarrist, Autor von Fachartikeln und Lehrbüchern, Musik-Coach und Leiter des internationalen Seminars für brasilianische Musik in Salvador/Brasilien. Unterlegt von Bossa Nova und Samba-Rhythmen stimmte El-Salamouny die Zuhörer auf die ausgelassene Stimmung und Lebensfreude im »Carnaval de Recife« ein, weckte mit leichten, perlenden Läufen in der »Meeresbrise« Fernweh oder erwies Gitarren-Großmeister Baden Powell seine Referenz. Letzterer hat in ihm die Liebe zur brasilianischen Musik geweckt, wie er im Gespräch erklärt.

Perfekt ergänzte sich der Wahlbrasilianer dabei mit dem echten Brasilianer und Percussionisten Gilson de Assis, mit dem er seit Jahrzehnten immer wieder zusammenspielt. In seinem von viel Humor begleiteten Rhythmusspiel verstand es Assis virtuos, Stimmungsgeräusche wie Gewitterdonner und Meeresrauschen mit einer Spezialfolie erklingen zu lassen und mit sanften Akzenten von Moringa, Tan Tan oder Agogo den Stücken Drive zu geben. Dass er auch als Solist Format besitzt, zeigte er in einem Solo auf dem Saiteninstrument des Berimbau.

Mit dem Ohrwurm »Sunny« aus dem Jahr 1966 und einer weiteren Zugabe verabschiedeten sich die drei Top-Musiker heiter-beschwingt vom Publikum. Axel Effner