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Gipfeltreffen DFB und DFL zu Sportdirektorensuche

Frankfurt/Main (dpa) - Erst setzte der Deutsche Fußball-Bund mit dem Rauswurf von U 21-Trainer Rainer Adrion ein knallhartes Zeichen, dann ging der Verband im Sportdirektor-Kompetenzgerangel mit der Deutschen Fußball Liga auf Kuschelkurs.

DFB-Präsident
Wolfgang Niersbach hat ein Gipfeltreffen zur Sportdirektorensuche angekündigt. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

Mit der Verpflichtung von Horst Hrubesch als neuem Nachwuchscoach und der Zusage für eine gemeinsame Sportdirektorensuche hat das DFB-Präsidium in Frankfurt zwei wichtige Zukunftsentscheidungen getroffen.

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«Es war nie daran gedacht, dass der DFB oder ich als Präsident den Sportdirektor im Alleingang verpflichtet. Das wäre grottenfalsch», stellte DFB-Boss Wolfgang Niersbach klar. Bundestrainer Joachim Löw pochte vor seiner Abreise vom Confederations Cup in Brasilien indes auf ein Mitspracherecht: Man habe «intern Lösungsmöglichkeiten dargelegt», verriet Löw der Nachrichtenagentur dpa: «Es gibt klare Vorstellungen von uns.»

Bereits in der kommenden Woche wollen die Spitzen von DFB und DFL bei einem Gipfel gemeinsam das Anforderungsprofil für den neuen Sportdirektor erstellen. An dem Treffen werden neben Niersbach noch DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert teilnehmen. «Das ist ein gemeinsames Thema. Wir können doch keinen Sportdirektor verpflichten, der von der Bundesliga nicht akzeptiert wird», sagte Niersbach.

In den vergangenen Tagen hatte es zum Teil heftige verbale Auseinandersetzungen zwischen dem Verband und der Liga gegeben, nachdem die Bundesligavereine mehr Kompetenzen für den künftigen Sportdirektor und ein Mitspracherecht bei der Suche gefordert hatten. «Das war ein Stück Sommertheater. Es gibt keinen Machtkampf und keine Spaltung», relativierte Niersbach. Auch Löw forderte, die heftigen öffentlichen Debatten einzustellen.

Zugleich räumte der DFB-Präsident ein, dass in der Vergangenheit «Fehler gemacht worden sein» könnten und man «dem Sportdirektor zu viel zugemutet hat». Über Kompetenzen und Kandidaten wolle man aber erst sprechen, wenn das Profil erstellt sei. «Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es ein Mann sein muss mit sportfachlichem Inhalt, also ein Fußballlehrer, der auch sportlich inhaltliche Vorgaben macht. Wenn wir das Profil klar haben, sprechen wir über Namen», kündigte Niersbach an.

Klarheit herrscht seit Freitag bei der U 21. Dort soll es nun Horst Hrubesch richten, der mit dem Team 2009 den EM-Titel gewann. In dem 62-Jährigen, der zuletzt für die U 18-Junioren verantwortlich war, setzt der DFB auf einen Erfolgstypen. «Die Betreuung der neuen U 21 ist eine hochinteressante Aufgabe, weil spektakuläre Ziele wie die EM 2015 in Tschechien oder die Olympischen Spiele 2016 in Rio anstehen. Daher habe ich ohne Zögern zugesagt», erklärte Hrubesch.

Der frühere Bundesligaprofi des Hamburger SV war am Donnerstag von DFB-Generalsekretär Sandrock kontaktiert worden und hatte sofort zugesagt. «Rainer Adrion hat in den vergangenen Jahren für den DFB engagierte Arbeit geleistet und dabei die Durchlässigkeit zur A-Mannschaft immer im Blick gehabt. Es ging uns deshalb nie darum, nach dem Aus bei der EM ein schnelles Bauernopfer zu suchen, sondern sachlich zu analysieren und uns gemeinsam die Frage zu stellen, wie es perspektivisch weitergehen kann», begründete Sandrock die Trainer-Rochade.

Löw begrüßte die neue Lösung. «Horst Hrubesch ist ein sehr erfahrener Trainer, was die U-Mannschaften des DFB betrifft. Wir haben schon in den letzten Jahren sehr gut zusammengearbeitet», sagte der Bundestrainer.

Dennoch fiel die Trennung von Adrion, dessen bis 2014 laufender Vertrag einvernehmlich aufgelöst wurde, nicht leicht. «Ich tue mich immer schwer mit Entscheidungen, die menschlich und fachlich schwer sind», gestand Niersbach. «Es ist das Ergebnis der Analyse nach der U 21-Europameisterschaft. Hansi Flick, der Co-Trainer der Nationalmannschaft, war ja in Israel, auch mit Joachim Löw und natürlich mit Rainer Adrion selbst wurde gesprochen», betonte der DFB-Boss. «Aus der EM in Israel kann man lernen, dass wir mit den Besten antreten müssen, wenn wir bei einem solchen Turnier etwas erreichen wollen», sagte Hrubesch kicker.de.

Die Übernahme und Bildung der neuen Mannschaft dürfte reibungslos laufen. Bereits am 13. August steht das erste Testspiel in Freiburg gegen Frankreich auf dem Programm, ehe sechs Qualifikationsspiele für die EM-Endrunde 2015 noch in diesem Jahr zu absolvieren sind. Dabei muss sich die DFB-Elf gegen Rumänien, Irland, Montenegro und die Färöer Inseln durchsetzen.