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Gilt "Anlieger frei" auch für Besucher?

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Anlieger frei
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Wer das "Anlieger-Frei"-Schild missachtet, wird zur Kasse gebeten. Autofahrer müssen ein berechtigtes Interesse haben – mehr als nur eine Durchfahrt. Doch die Regeln sind kompliziert. (Foto: Christophe Gateau/dpa)

"Anlieger frei" steht auf dem Zusatzschild neben einer Seitenstraße, in die man doch gerade einbiegen wollte. Und wer darf jetzt dort einfahren? Was ist mit Radfahrern?


Kurz vor dem Abbiegen in eine Seitenstraße fällt der Blick noch auf das am Straßenrand befestigte Zusatzschild. Das Befahren ist laut Straßenverkehrsordnung (StVO) nur den Anliegern gestattet. Für andere Verkehrsteilnehmer ist die Straße gesperrt – außer sie wohnen oder arbeiten dort. Aber auch Besucher der Anwohner und Personen mit geschäftlichem Interesse dürfen die Straße passieren, erläutert der TÜV Nord.

Übrigens sind Fahrzeuge aller Art von dieser Regel betroffen, also auch Radfahrer.

Wer fällt alles unter Anlieger?

Als Anlieger sind auch alle Personen zu verstehen, die einen Grundstückseigentümer oder Bewohner der Straße besuchen wollen. Der Begriff Anlieger kommt zwar nicht wörtlich im Paragraf 45 der StVO vor, aber Gerichte haben entschieden, dass auch jeder unter diesen Personenkreis fällt, der mit den Anwohnern in Beziehung treten will. Wer also einen Verwandten, einen Freund oder Bekannten besucht oder ihn abholen möchte, der gilt als Anlieger und darf die Straße rechtmäßig nutzen.

Auch wer in die Straße fährt, weil er als Patient zum Arzt oder als Klient zum Anwalt möchte oder Gast eines Hotels in der Straße ist, darf dies tun. Genauso zählt zum Beispiel der Einkauf in einem Geschäft in der Straße als berechtigtes Interesse.

Als Abkürzung tabu

Wer die Straße aber nur als Abkürzung nutzt oder dort ohne guten Grund parkt, also eben nicht mit den Anliegern in einer Beziehung steht, der begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld rechnen, wenn er erwischt wird. Natürlich bietet die Durchfahrt den Autofahrern häufig einen Vorteil – aber gerade deshalb werden Durchgangsstraßen zum Schutz der Anwohner limitiert.

Welche Bußgelder drohen?

Wer eine Anliegerstraße als Abkürzung nutzt oder dort nach einem Parkplatz sucht, hat mit einer Geldstrafe zu rechnen. Wenn man erwischt wird, gelten generell folgende Sätze:

Art des Kfz Höhe des Bußgelds

Fahrrad
- mit Verkehrsbehinderung
- mit Gefährdung
- mit Unfall

15 Euro
20 Euro
25 Euro
30 Euro

Auto (Pkws unter 3,5 t) 20 Euro
Motorrad 15 Euro
Wohnmobil 20 Euro
Pkw bis 3,5 t mit Anhänger 25 Euro
Lkw (Pkw) über 3,5 t 75 Euro

Bei vorsätzlichem Handeln kann die Strafe verdoppelt werden.

Lassen Autofahrer sich beim Parken in und an derartigen Straßen erwischen, können höhere Beträge fällig werden. Das legen im Einzelfall die Städte und Gemeinden selbst fest.

Parken Bußgeld

mit Kfz

30 Euro

andere durchs Parken behindert 35 Euro
länger als 3 Stunden 35 Euro


Was können Anwohner tun? Was sollte man nicht tun?

Im besten Fall dokumentiert man die unberechtigte Fahrt mit einem Foto oder besser mit einem Video. Lohnen und nachweisen lassen wird sich das wohl aber nur, wenn ein oder mehrere bestimmte Fahrer die Straße immer wieder unberechtigt nutzen. Auf keinen Fall sollte man die unerlaubten Durchfahrten stören, indem man zum Beispiel sein eigenes Fahrzeug als Blockade verwendet oder jemanden zuparkt – denn das wäre Nötigung und damit eine echte Straftat, die mit weit mehr als 20 Euro geahndet wird.

Sogar das Abschleppen des unrechtmäßig geparkten Fahrzeugs ist denkbar. Allerdings müssen hierfür weitere Voraussetzungen wie das Blockieren einer Zufahrt oder eines privaten Parkplatzes vorliegen. Anders ist es beim Parken auf Gehwegen, denn das kann womöglich schon als ausreichender Grund angesehen werden.

Eine inoffizielle Übersicht über Bußgelder bei Verstößen gegen Verkehrszeichen findest Du auf bussgeldkatalog-mpu.de. Eine Liste aller StVO-Verstöße mit Strafen gibt es hier.

red mit Informationen von bussgeldkatalog.net und der dpa