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Gewagte Gewänder und hochtoupierte Haare

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Chiemgauer »Cosplay«-Fans: (von links) Anna Thim, Vinzenz Klauser, Raphael Seifried, Sophia Engl und Michael Eibl beim Posieren auf der »Cosplay-Convention« in Fürstenfeldbruck.
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Die Traunsteinerin Carmen Honig hat sich schon mehrere Kostüme selbst genäht. (Foto: Klauser)

Traunstein – Aufwändig frisierte Perücken, bunte Augen, übergroße Spielzeugwaffen und schrille Kleider: Was aussieht wie ein Faschingsumzug, ist in Wahrheit etwas ganz anderes, nämlich eine »Cosplay-Convention«. Bei diesem aus Japan stammenden Verkleidungstrend versuchen Fans ihre Lieblingscharaktere aus Comics – vor allem aus den japanischen, den sogenannten »Mangas« und »Animes« – zu imitieren. Und das möglichst bis ins kleinste Detail. Doch nicht nur die Kleidung wird kopiert, auch das Verhalten des Vorbilds.


Bereits seit den 1990er Jahren gibt es diesen Trend in Deutschland. Und im Laufe der Zeit hat er immer mehr Anhänger gewonnen. Wer denkt, so etwas gibt es nur in Großstädten und nicht bei uns, der irrt. Den selbst im Chiemgau findet man inzwischen »Cosplayer«.

So auch die Schülerin Carmen Honig aus Traunstein. Seit etwa einem Jahr geht sie diesem Hobby nach. Darauf gekommen ist sie durch die japanischen Trickfilme »Animes«. Das Aussehen der Charaktere hatte es ihr angetan: So wollte sie unbedingt auch mal aussehen. Doch was genau fasziniert die junge »Cosplayerin« so sehr? »Dass es ein so kreatives Hobby ist. Man kann sich richtig austoben«, gibt sie als Grund an.

Für Carmen kommt es übrigens nicht in Frage, dass sie sich ein »Cosplay« kauft. Sie fertigt ihre Kostüme lieber selbst an. »Das ist so persönlicher. Und ich kann meine eigene Note einbringen!« Drei bis vier Monate arbeitet sie an einem Kostüm, natürlich nicht durchgehend. Gerade näht sie sich ein »Cosplay« zu der Figur »Touka« aus der japanischen Zeichentrickserie »Tokyo Ghoul«. »Das Schwerste hierbei ist der Kristallflügel. Da hab' ich mich noch nicht für ein Material entschieden«, klagt Carmen. Inzwischen besitzt sie, das unfertige »Cosplay« eingeschlossen, drei Kostüme. Preislich hat sich Carmen eine Grenze gesetzt. »Mehr als 100 Euro will ich nicht für ein 'Cosplay' ausgeben.«

Der Höhepunkt für jeden »Cosplayer« ist das präsentieren der Kostüme auf großen Treffen, den sogenannten »Conventions«. Carmen besucht die Veranstaltungen nicht alleine, sondern mit weiteren »Cosplay«-Fans aus Traunstein und Umgebung. Um die zehn Leute sind sie meistens. Zusammen diskutieren sie und geben sich Tipps bei ihren »Cosplays«. »Nächstes Jahr wollen wir alle zusammen Personen aus dem gleichen Anime cosplayen. Dadurch sehen andere gleich, dass wir eine Gemeinschaft sind«, erzählt sie.

Freunde und Bekannte reagieren ganz verschieden auf ihr verrücktes Hobby. »Manche finden es gut, andere interessiert es halt einfach nicht«, erklärt Carmen. Es passiert ihr auch immer mal wieder, dass sie sich von Fremden für ihr Aussehen den ein oder anderen Spruch anhören muss. »Oft höre ich, dass das unnormal ist. Aber meiner Meinung nach definiert normal sowieso jeder anders.« Ein Wort, das »Cosplay« perfekt beschreibt, hat Carmen auch. »Kunst. Das ist es, was Cosplay für mich ist.« Vinzenz Klauser