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Geschafft und geschafft – »Biolectra 24h-Trophy« auf Watzmann und Untersberg

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Schnipp, schnapp und ab: »Startbahn« frei durch Bürgermeister Franz Rasp (M.). (Fotos: Tessnow)
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Führte durch das Programm: Moderator Bernd Cernin.
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Er kann einem professionell »den Schuh aufblasen«.

Berchtesgaden – »Auf die Socken! Fertig! Los!« So ungefähr lautete das Motto am Samstagmorgen zum 9. Mal bei der »Biolectra 24h-Trophy« für alle Extrem-Wander-Freaks. Ein zeremoniell durchschnittenes Startband erlöste die erwartungsfreudigen Teilnehmer zu panoramareichen Exkursionen über Stock und Stein.


Vom Weihnachtsschützenplatz ging es auf den Watzmann oder Untersberg und wieder retour. 25 bis 63 Streckenkilometer sowie 1400 bis 3500 Höhenmeter wollten erkraxelt sein. Der »Berchtesgadener Anzeiger« gesellte sich bei den Starts sowie Zieleinläufen unter die »Wanderlustigen« und fing Impressionen ein.

Pünktlich zu Beginn hatte der Regen aufgehört. Von »oben« war nun erst einmal nix zu erwarten. Von »unten« allerdings schon. Sportlich stiefelten so die Härtesten der Harten vom Markt aus ihre Touren ab. Ein bunter Mix aus Naturenthusiasten und Gipfelstürmern wollte ihren Adrenalinspiegel und die Belastungskapazitäten checken. Hieß auch: Mit Schlaf war da nix. Die Veranstaltung lehnte jedoch den Charakter eines Wettbewerbs strikt ab. Denn im Vordergrund stand das gemeinsame Wandern.

Einsteigervarianten und Ortserkundungstouren

Organisator Toni Grassl und sein Team von »Event & Promotion Service GmbH« hatten viel zu tun, aber alles im Griff. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr, heuer unter anderem neu im Programm: eine ZwölfStunden-Variante für Einsteiger bis zum Watzmannhaus. Begleitpersonen und Publikum wurden währenddessen zu einer der drei Gratis-Wanderungen um Berchtesgaden eingeladen. In knapp zwei Stunden führte ein ortskundiger Guide, wie man heute neudeutsch sagt, also Wanderführer, zu den Highlights rund um den Austragungsort und vermittelte Wissenswertes.

Die Veranstaltung schloss erneut das bewährte »Rundum-Sorglos-Paket« mit ein. Neben der Begleitung ortskundigem Führungspersonals standen an ausgewählten Punkten auch Notfall-Shuttles bereit, um erschöpfte Wanderer im Falle eines Falles wieder zurück in die »Falle«, nein, zum Ausgangspunkt zu bringen. Getränke und Verpflegung, »Finisher-Urkunde« und eine große Feier im Organisationsverbund mit dem Gasthaus »Goldener Bär« gehörten zum Package dazu. Die Teilnehmer kamen verstreut aus ganz Deutschland sowie Österreich, Schweiz und sogar Finnland. Auch »Wiederholungstäter« waren zu finden. Geschätzte 10 Prozent Einheimische schnürten ebenfalls die Senkel.

So richtig den »Schuh aufgeblasen«

Apropos schnüren und anpassen: Wie man richtig »den Schuh aufgeblasen« bekommt, demonstrierten die Spezialfirma »Tecnica«. Mit 80 Grad Erwärmung ihrer Schuhmodelle und speziellem Druckverfahren gewährleistet ein System individuelle und anatomische Passform für optimalen Tragekomfort. »Ja, so etwas gibt es auch. Ist doch eine heiße Idee, oder?«, sagte der Schuhprofi. Klar, denn wenn der Schuh drückt, ist nicht gut wandern – und schon gar nicht so lange.

Lange die Laune bei Stimmung zu halten, galt es auch für DJ Hannes Rottenspacher und Moderator Bernd Cernin. Beide führten souverän durch die Veranstaltungsabschnitte. Cernin läutete die Countdowns ein und führte charmante sowie informative Kurzinterviews. Für Rottenspacher galt es den »Spagat« aus Lautstärke und Titelauswahl der entsprechenden Tageszeit sensibel anzupassen. Ein »Wake up! It's a Beautiful Morning« und »Highway to Hell«, konnte er sich am Samstagmorgen als Opener für die Starts jedoch nicht verkneifen.

Dunkle Wolken über dem Watzmannreich

Ein Gewitter am späten Samstagnachmittag hielt die Zwölf-Stunden-Tourer nicht davon ab, wieder pünktlich die Basis auf dem Weihnachtsschützenplatz unversehrt zu erreichen. Dort dominierten jetzt »Selfie- und Umarmungsalarm«, »Golden Bär«-Chef Peppi Haslinger zapfte Fassbier. Dazu dampfte warme Schmankerlküche und als Grande Finale hieß es, zur umjubelten »Finisher«-Urkundenübergabe nochmals auf die Bühne zu klettern.

Die Kollegen der 24-Stunden-Routen mussten dem Regen jedoch Tribut zollen. Dazu Chef-Organisator Toni Grassl: »Wegen der Gewitterentwicklung musste die Watzmann-Extrem-Tour am Hochstieg als Sicherheitsmaßnahme abgebrochen werden. Die Wanderung erfüllte dennoch ihre 24 Stunden. Nur vier Wanderer haben das Mammutunternehmen aufgegeben. Ansonsten gab es keine Komplikationen. Insgesamt resümierte Grassl die 9. Auflage als gelungene Generalprobe für die Jubiläumsausgabe im nächsten Jahr vom 26. bis 28. Juni.

Und was sagten die Extrem-Wanderer? Die sagten im Zieleinlauf eigentlich gar nicht so viel, da die Puste keine große »Talkshow« zuließ. Eindeutig jedoch zufriedene aber auch gezeichnete Gesichter. Worte wie »Suuper«, »Waaahnsinn«, »geil« oder »mega« hörte man oft aus einer Gruppe schallen. Dann ging es aber auch schnell zum Bierfass und an den Weißwurstkessel. Und noch einmal griff DJ-Rottenspacher in die Hitkiste während der Urkundenverleihung: »So a scheena Dog. La la la la la.« Jörg Tessnow