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Gepflegte musikalische Freundschaft

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Ein stimmungsvolles Kirchenkonzert fand mit der Chorgemeinschaft Rauris und dem Kirchenchor und -orchester Traunwalchen statt. (Foto: Benekam)

Traunreut – Wie eine gepflegte musikalische Freundschaft klingt, das konnten die Besucher eines festlichen Kirchenkonzerts in der Pfarrkirche Traunwalchen erleben. Zwei Chöre, so hatte man den Eindruck, waren sich einig, dass musikalischer Austausch ein wirksames und sich gegenseitig bereicherndes Mittel zum doppelten Vergnügen sein kann. Diese Freundschaft besteht nun schon seit Anfang der 1980er Jahre.


Die gegenseitigen Besuche zwischen Rauris und Traunwalchen sind jeweils von einem gemeinsamen Konzert gekrönt. Der Kirchenchor Traunwalchen (unter der Leitung von Manfred Hausotter) und die Chorgemeinschaft Rauris (unter der Leitung von Erwin Wieser) aus dem Salzburger Land waren auch heuer wieder musikalisch so ganz ein Herz und eine Seele.

Und weil die Chemie gar so gut stimmte und sich zum fruchtbaren Miteinander das Traunwalchner Kirchenorchester mit vielen musizierfreudigen Solisten dazugesellte, gelang unter der Gesamtleitung von Manfred Hausotter ein stimmungsvolles Konzert in der voll besetzten Traunwalchner Kirche.

Auf dem Programm standen Werke großer Meister, denen sich, so fühlte es sich an, beide Chöre sehr verbunden fühlten. So spürte man diesen besonderen Geist des Miteinanders und Füreinanders in der Musik, die in der schönen Traunwalchner Kirche ihre beseelende und vitalisierende Wirkung tat: »Jesus bleibet meine Freude« von Johann Sebastian Bach hätte kein schönerer Auftakt sein können. In das Gefühl von Frieden und Eintracht ließen sich die Zuhörer allzu gern fallen und versanken in andächtigem Lauschen.

Die kräftigen und wohl geführten Chorstimmen bekamen Widerhall und Kraft von den einsetzenden Bläserstimmen – ein echtes Hörvergnügen. Manfred Hausotter dirigierte mit ruhiger und kraftvoller Prägnanz, führte die Musiker sicher, auch in der folgenden Choralkantate »Verleih uns Frieden« von Felix Mendelssohn-Bartholdy zur bestmöglichen Entfaltung.

Weiter ging es mit einer Kirchensonate von Mozart, der Sonate Nr. 12, die das Orchester schwungvoll und mit ausgewogener Dynamik interpretierte. Bekannt wie beliebt, ja fast schon ein »Hit«, ist Mendelssohn-Bartholdys »Denn er hat seinen Engeln befohlen«, den der Chor a capella zum Besten gab.

Aber da war noch Luft nach oben: »Inter natos mulierum« von Mozart, in harmonischem Zusammenklang mit den Streichern, sorgte für anhaltend gute Laune – sowohl seitens der Musiker als auch in den Reihen der Kirchenbänke. Wo man mit Manfred Berger und Andi Hausotter zwei virtuose Trompeter zur Verfügung hatte, bot sich in abwechslungsreicher Programmfolge ein Konzert für zwei Trompeten und Streicher des italienischen Komponisten Francesco Manfredini an – ein echter musikalischer Appetithappen.

Danach hieß es noch einmal für alle Musiker Kräfte bündeln und Konzentration halten. Denn als eigentlicher Höhepunkt des Konzerts war Joseph Haydns Missa Cellensis in C-Dur, auch Mariazeller Messe genannt, angekündigt. In Haydns achter Messkomposition, die er 1782 als Auftragswerk komponierte und dem Wallfahrtsort Mariazell widmete, gelang es ihm, eine spezifische Synthese herzustellen zwischen den hohen Ansprüchen »autonomer« Kunstmusik einerseits und der ästhetischen Forderung der Zeit nach »Verständlichkeit« andererseits.

Mit großem Vergnügen genossen die Konzertbesucher das hingebungsvoll interpretierte Werk, das mit sehr rhythmisch und stark synkopierten Fugen und vielen theatralischen Solopassagen besticht. Solistisch zeigten Tissi Fernandez (Sopran) und Katharina Lauber (Sopran), Magdalena Lauber (Alt), Bernhard Kesy (Tenor) und Günther Datz (Bass) in Hochform.

Mit dem Halleluja aus dem Messias von Georg Friedrich Händel, das wahrer Freude am gemeinsamen Singen der befreundeten Chöre entsprang, verabschiedeten sich Chöre und Orchester, ließen sich aber nach einem lang anhaltenden Applaus noch zu einer Zugabe überreden, dem Abendlied von Josef Rheinberger. bene