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Geothermie-Projekt »der Schlüssel zur Wärmewende in der Region«

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In der Gemeinde Sauerlach südlich von München wird bereits Geothermie für Nutzwärme und Strom genutzt.

Kirchanschöring – Ob »Regionalwerk« oder »Geothermie« – beides sind ineinander verwobene Schlag- wörter, die derzeit immer wieder landkreisübergreifend die Gemüter erregen. Diskutiert wird mal überhitzt wie in den sozialen Netzwerken, mal fundiert und reflektiert in Info-Veranstaltungen mit Experten oder eben ganz privat Zuhause und am Stammtisch. Fakt ist, das Projekt Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel wird umgesetzt – mit bis dato 15 Kommunen aus den Landkreisen Traun- stein, Altötting und dem Berchtesgadener Land.


Welche Ziele das Regionalwerk verfolgen wird, was sich der Bürger genau darunter vorzustellen hat und wie die Idee dazu entstand, darüber hat das Traunsteiner Tagblatt mit dem Initiator und Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner gesprochen.

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In seiner Heimatgemeinde ist die Geothermie – also die Nutzung von Erdwärme zur Energiegewinnung – laut Birner schon knapp zehn Jahre ein Thema. »Für mich ist die Geothermie der Schlüssel zur Wärmewende in der Region«, sagt er deutlich. Vor drei Jahren etwa habe man wieder angefangen, die Möglichkeiten intensiver zu verfolgen. »Es stellte sich die Frage: Was machen wir mit der Wärme? Damals wurde aber schnell klar, dass das Thema für Kirchanschöring und Laufen ein zu großes ist.«

Interkommunale Zusammenarbeit angestrebt

Es keimte die Überlegung, die interkommunale Zusammenarbeit im Bereich der Energie auf eine nie da gewesene Ebene zu hieven. Beim Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel geht es laut Birner nicht darum, energetisch autark zu werden, sich abzuspalten und nur das eigene Süppchen zu kochen – im Gegenteil. »Der Ansatz war zunächst, darüber nachzudenken, was aus den Versprechungen geworden ist, Leistungen der öffentlichen Hand zu privatisieren. Gerade in den Bereichen der Energie und Telekommunikation«, so Birner. Seiner Meinung nach ist es sinnvoll zu versuchen, die Wertschöpfung und das Know-how vermehrt in die Region zu bringen, die regenerativen Energien aus der Heimat stärker zu nutzen, auszubauen und diese besser zu steuern.

Das Werkzeug dafür nennt sich »Virtuelles Kraftwerk«. Damit könnten Energien vor Ort intelligenter genutzt, verteilt und nach Möglichkeit und Bedarf reguliert werden. Oder wie es Birner nennt: »Die Energie vor Ort harmonisieren.« Das Regionalwerk solle auch keine Konkurrenz zu bestehenden Stadt- oder Gemeindewerken sein, sondern möchte diese als Kooperationspartner für die regionale Versorgung mit ins Boot holen, sagt Birner.

Die Idee wurde an Kommunen aus vier Landkreisen – Rosenheim, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land – herangetragen. 23 Gemeinden wurden hellhörig und bekundeten ein erstes Interesse: Halsbach, Kirchweidach, Tyrlaching, Feichten, Fridolfing, Kirchanschöring, Palling, Petting, Taching, Tittmoning, Waging, Wonneberg, Ainring, Laufen, Saaldorf-Surheim, Teisendorf, Kienberg, Obing, Pittenhart und Schnaitsee sowie Marquartstein und Siegsdorf.

So viele Rückmeldungen kamen nicht zuletzt auch deshalb, weil sich immer mehr Landwirte mit Biogas-Erzeugung und PV-Anlagen-Betreiber an die Gemeinden gewandt haben – aus Sorge vor dem 2021 beginnenden Ende der EEG-Förderung. Diese hat einige Zeit Anlagen für erneuerbare Energien subventioniert und damit Anreize geschaffen, zu investieren. Nun fällt die Förderung sukzessive weg, dann wird eine jede Photovoltaikanlage im Grunde behandelt wie ein Kraftwerk.

Das Ergebnis einer Potenzialanalyse überzeugte

Auf Basis des »überraschend großen Interesses« seitens der Kommunen wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. »Wir mussten herausfinden, ob so ein Konstrukt überhaupt funktionieren kann, ob es umsetzbar ist und ob der Markt für sowas da ist«, blickt Birner zurück. Die Studie kostete rund 80.000 Euro und konnte über das Leader-Programm mit 60 Prozent bezuschusst werden. In der Studie wurden die Potenziale analysiert und nach technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Kriterien bewertet. Das Ergebnis überzeugte – zumindest ein Gros der Interessierten.

Nachdem in jedem Gemeinde- und Stadtrat daraufhin über die endgültige Teilnahme abgestimmt werden sollte, gaben immer mehr Kommunen grünes Licht. Mit bis dato 15 Teilnehmern geht das Projekt jetzt an den Start. Namentlich sind das Halsbach, Kirchweidach, Tyrlaching, Feichten, Fridolfing, Kirchanschöring, Tittmoning, Laufen, Teisendorf, Breitbrunn, Obing, Pittenhart, Schnaitsee, Kienberg und Marquartstein.

Fünf Kommunen haben eine Absage erteilt, in Ainring; Saaldorf/Surheim und Siegsdorf steht die Entscheidung noch aus. In allen dreien steht die Beschlussfassung auf dem Tableau der Gemeinderatssitzungen im Februar. enz