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Gemeinsamkeit verleiht Stärke

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Bei der 400. Generalversammlung des Holzknechtvereins wurden Valentin Hechenbichler, Georg Windisch und Matthäus Schmid (links) zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Ruhpolding – Der Holzknecht-Vinzenzi-Verein Ruhpolding wurde im Jahre 1619 gegründet und feiert heuer sein 400-Jahr-Jubiläum. Und so stand die Generalversammlung des zweitältesten Ruhpoldinger Vereins im Hotel zur Post zum Auftakt des Festjahrs ganz im Zeichen des stolzen Jubiläums.


Anlässlich des Vinzenzitags, den die Mitglieder des Vereins zusammen mit dem Forstbetrieb Ruhpolding feiern, standen neben dem Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden Georg Bichler auch Ehrungen auf der Tagesordnung. Dabei wurden Valentin Hechenbichler, Georg Windisch, Matthäus Schmid und Hans Gallinger zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Zunächst fand in der Pfarrkirche St. Georg der festliche Gedenkgottesdienst statt, den Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger, der Sohn eines Ruhpoldinger Holzknechts, zusammen mit Ortspfarrer Otto Stangl zelebrierte. Musikalisch gestaltet wurde die Messe von der Rauschberger Musikkapelle, dem »Kirabiche-Viergsang« und Richard Krekel an der Orgel. In seiner Predigt ging der Weihbischof auf die Gründung des damaligen Vinzenzivereins ein, der sich als Schutzpatron Vinzenz von Saragossa wegen seiner Standhaftigkeit auserwählt hatte. Er betonte, dass Gemeinsamkeit Stärke verleihe, was sich im Holzknechtverein aufgrund der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung zeige. Bereits während des Kirchenzugs wurde am Holzknechtdenkmal ein Latschengesteck zu Ehren der verunglückten und verstorbenen Holzknechte niedergelegt. Mit dabei waren neben den Ortsvereinen auch der Köhlerverein Neukirchen, der gute und freundschaftliche Verbindungen zu den Ruhpoldinger Holzknechten pflegt.

In seinem Rechenschaftsbericht hob der Vorsitzende des aus derzeit 253 Mitgliedern bestehenden Vereins, Georg Bichler, hervor, dass Dank der politischen Unterstützung Ruhpolding als Standort eines Forstbetriebs seit 14 Jahren gesichert sei. »Der heilige Vinzenz hat Ruhpolding beschützt«. Es freue ihn, dass auch seit 2017 hier wieder Forstwirte ausgebildet werden. Im Hinblick auf den Borkenkäfer sagte Bichler, »bei uns gab es wenig Schäden durch Sturm«. Wenn man sich Tschechien mit der Borkenkäferplage aufgrund der Trockenheit und die katastrophalen Sturmschäden in Norditalien betrachte, sei man noch gut weggekommen. Zum Ende seines Berichts kündigte er aber auch an, dass er zum Vinzenzitag 2020 nach 22 Jahren sein Amt als Vorsitzender niederlegen werde.

Der zweite Vorsitzende Richard Kecht ging anschließend auf das Programm des Jubiläumsfestes am 18. Mai ein, das als Aktionstag im Holzknechtmuseum stattfinden soll. Dabei informierte er auch über die Möglichkeit, die angeschafften Westen mit dem aufgestickten Logo zum 400-Jahr-Jubiläum anzuprobieren.

Bürgermeister Claus Pichler erinnerte in seinem Grußwort an die Gründungszeit vor 400 Jahren. Eine Besiedelung des Ruhpoldinger Talkessels wäre ohne Holzknechtarbeit gar nicht möglich gewesen, meinte er. Viele Orts- und Flurnamen würden heute noch darauf hindeuten. »Solidarität war notwendig und darum war der Verein ein Vorläufer der heutigen Sozialversicherung«.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner hob die Bedeutung der Waldwirtschaft hervor. »Nutzen und schützen, beides gehört zusammen«, sagte er. So habe auch der Einsatz des Holzknechtvereins die Unterstützung der Politik gefunden. »Der Holzknechtverein steht für Tradition und Zusammenhalt«, betonte der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser. Die Holzwirtschaft sei in Ruhpolding der wichtigste Teil des wirtschaftlichen Handelns gewesen und werde auch weiterhin ihre Bedeutung behalten.

Der Vorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Reinhardt Neft, hob hervor, dass es in den 400 Jahren seit der Vereinsgründung viele Änderungen gegeben habe. Allein in den vergangenen 30 Jahren habe sich in der Organisation der Forstverwaltung einiges getan. Auch in die Ausbildung investieren die Bayerischen Staatsforsten und so würden nicht nur mehr Ausbildungsplätze angeboten, sondern diese könnten auch problemlos besetzt werden. »Die Forstverwaltung garantiert zudem nach erfolgreicher Abschlussprüfung die Übernahme«, sagte Neft. Auch Ministerialrat Hermann Hübner meinte, dass die Ausbildung ein »großes Gewicht« habe. Nicht nur die Ausbildung von Forstwirten, sondern auch die von Förstern priorisierte er. Die dramatische Borkenkäfersituation in Tschechien zeige, wie »wichtig gut geschultes Personal ist«.

Abschließend lobte auch der Leiter des Forstbetriebs Ruhpolding, Paul Höglmüller, die großen Verdienste von Georg Bichler. Der Forstbetrieb Ruhpolding genieße aufgrund des Engagements der Holzknechte und Förster Ansehen. Höglmüller resümierte, dass im vergangenen Jahr der Forstbetrieb erfreulicher Weise von schweren Unfällen verschont geblieben sei und keine großen Schäden durch Naturereignisse zu verzeichnen waren. Allerdings würden sich die Schäden in Tschechien und Norditalien auswirken, »wenngleich bisher die Holzkunden alles Holz bei uns abgenommen haben«. Er prognostizierte: »In normalen Jahren können wir mit dem jetzigen Personalstand die Arbeiten bewältigen, aber es kann jetzt schon gesagt werden, dass damit die auf uns zukommenden Probleme nicht zu meistern sind«.

Bei den darauffolgenden Ehrungen wurden Valentin Hechenbichler, Georg Windisch, Matthäus Schmid und in Abwesenheit Hans Gallinger zu Ehrenmitgliedern ernannt. Den Vinzenzitag 2019 beschlossen ein gemütliches Beisammensein, zu dem die »Hirschanger-Musi«, der »Kirabiche-Viergsang« und der »Dreiklang Schneider Lenz« für die musikalische Unterhaltung sorgten. hab