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Gemeinsam für Menschen mit Demenz

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Der »Demenzkopf« ist Teil der Wanderausstellung. Er zeigt einen Überblick zum Thema Demenz und erklärt auch Symptome und Stadien der Krankheit.

Ruhpolding – Wenn Menschen an Demenz leiden, gehen sie mit vielen Ereignissen im Leben anders um als zuvor. Ortsveränderungen etwa lösen oft Ängste aus. Muss ein an Demenz erkrankter Mensch wegen einer organischen Erkrankung oder eines Knochenbruchs in einem Krankenhaus versorgt werden, können ihn fremde Umgebung und nicht vertraute Menschen extrem verunsichern. Um künftig gezielter auf die Bedürfnisse ihrer Patienten mit einer Demenz als Begleiterkrankung eingehen zu können, entwickeln die Kliniken Südostbayern ein Konzept für den Umgang mit Menschen mit Demenz. Dazu gibt es im Rahmen einer Aktionswoche vom 5. bis 18. November eine Wanderausstellung im Foyer in der Kreisklinik Ruhpolding.


Wer sich für das Thema Demenz sensibilisieren und darüber informieren lassen möchte, dem bietet der Auftakt der Aktionswoche am kommenden Dienstag um 18.30 Uhr sehens- und hörenswerte Möglichkeiten. Das interdisziplinäre Geriatrie-Team der Kreisklinik steht für Fragen gerne zur Verfügung. Diese Veranstaltung richtet sich auch direkt an Menschen, die vorsorgen wollen – für sich oder für ihre Angehörigen, um einen Krankenhausaufenthalt für Menschen mit einer Demenzerkrankung einfacher zu gestalten.

Die Wanderausstellung des Bayerischen Gesundheitsministeriums will das Bewusstsein für die Situation und Gefühle von Patienten mit Demenz im Krankenhaus erweitern und gleichzeitig mehr gegenseitiges Verständnis und kon-struktives Miteinander von Klinikpersonal und pflegenden Angehörigen stärken. Die Ausstellung gibt dem akut erkrankten Menschen mit der Begleitdiagnose Demenz »ein Gesicht«.

Bei der Eröffnung der Wanderausstellung am Dienstag wird der Dokumentarfilm »Apfelsinen in Omas Kleiderschrank« gezeigt, anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion. »'Apfelsinen in Omas Kleiderschrank' schildert das familiäre Zusammenleben mit einer Demenzkranken im Alltag aus Sicht eines Jugendlichen«, so Pflegedirektorin Manuela Großauer. Diese generationenübergreifende Dokumentation zeige ebenso einfühlsam wie ergreifend: »Das Thema Demenz geht uns alle an.«

Im Rahmen der Wanderausstellung gibt es außerdem Samstag, 9. November, von 10 bis 16 Uhr einen Aktionstag »Jung und Oid beinand«, ferner werden am Mittwoch, 13. November, um 18.30 Uhr in der Cafeteria der Kreisklinik Ruhpolding Fachvorträge zum Thema Demenz angeboten. Zu diesen Veranstaltungen sind ebenfalls alle Interessierten willkommen.

An den Kliniken Südostbayern gibt es seit 2018 das Projekt »Demenzsensibles Krankenhaus« in Kooperation mit den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land, dem Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sowie der Gesundheitsregion Plus des Berchtesgadener Lands und des Landkreises Traunstein.

Projektverantwortliche ist Pflegedirektorin Manuela Großauer, ihr zur Seite steht Sabine Daum als organisatorische Projektleitung. Die beiden bringen das Projekt »Demenzsensibles Krankenhaus« aus der Überzeugung dafür voran, dass es eines auf die Bedürfnisse von Demenzkranken abgestimmten, immer wertschätzenden Umgangs mit den Menschen braucht. Nicht nur im Krankenhaus.

Eine Klinikeinweisung sei nicht nur für den demenziell erkrankten Menschen, sondern auch für seine Angehörigen und die Klinikmitarbeiter aus Pflege und Medizin eine große Herausforderung. Demenzkranke weisen nicht nur die für ihre Erkrankung typischen Verhaltensänderungen und kognitiven Einschränkungen auf, ihnen fehlen auch die Ressourcen für eine Anpassung an das System Krankenhaus. Weil sich aus diesem Grund die Kliniken auf ihre Patienten und deren Einschränkungen besser einstellen wollen, ist die Schulung der Mitarbeiter einer der wesentlichen Eckpunkte des Projekts.

Das Projekt »Demenzsensibles Krankenhaus« soll die Planung langfristiger Maßnahmen anstoßen, wie zum Beispiel Fallbesprechungen unter Einbeziehung der Geriater an allen Standorten, die eventuelle Etablierung eines Demenzkoordinators in der Klinik, oder die Idee von Patienten-Paten, die demenzkranke Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts begleiten. Hierbei sei ein großes Augenmerk auf das Ehrenamt gerichtet. »Wir werben für tatkräftige Unterstützung demenziell erkrankte Patienten in den Kliniken ehrenamtlich zu unterstützen«, so Großauer. Ein Pilotprojekt für ehrenamtliche Patientenbetreuung von Demenz-Patienten ist für das Jahr 2020 für das Klinikum Traunstein geplant. fb