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Gemälde von harmonischer Perfektion

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In einer beeindruckenden Ausstellung mit dem Titel »Bilder meines Lebens« sind bis zum 18. Mai 60 ausgewählte Exponate des Priener Kunstmalers Paul Paulus aus seinem, mehr als vier Jahrzehnte langen, künstlerischen Schaffen im Heimatmuseum in Prien zu sehen. Sie geben einen sehr guten Einblick in sein umfangreiches Oeuvre.


Als Maler in der Nachfolge der traditionellen »Münchner Schule« verfolgte er damit einen Weg abseits der zeitgenössischen Kunst. Er malte keine imaginären Szenen, sondern hielt das fest, was ihm vertraut war, also seine Umwelt und seine Heimat. Der Chiemsee und dessen Umgebung waren für Paul Paulus eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. So zeigt sich sein Lebenswerk in zwei signifikanten Werkgruppen; in der Landschaftsmalerei und in den Stillleben.

Paulus hatte keine rigorose akademische Schulung durchlaufen, aber gerade dies verhalf ihm zu der Freiheit, die er für sein Malen brauchte. Er erkannte früh die wahre Ausrichtung seines Talents. Paul Paulus wurde am 1. August 1915 in Prien geboren. Während seiner Schulzeit von 1922 bis 1930 unternahm er bereits seine ersten Malversuche und erhielt Anleitung von der Künstlerin Lisbeth Lommel. Von 1930 bis 1935 besuchte er die Oberrealschule in Rosenheim und bildete sich dort künstlerisch weiter durch den Kunsterzieher und Maler Leonhard Baumgartner. 1938 begann er sein Jurastudium und war von 1939 bis 1945 Soldat im 2. Weltkrieg.

Nach dem Krieg absolvierte er ein privates Malstudium beim Zügel-Schüler Georg Schlech (1899 bis 1952). Im Jahre 1947 setzte er sein Jurastudium fort und arbeitete ab 1950 bis zu seiner Pensionierung 1978 in der Rechtsabteilung einer Münchener Bank. Parallel zu seinem Hauptberuf widmete er sich unentwegt der Malerei. Von 1955 bis 1958 erfolgte eine sehr intensive und produktive, gemeinsame, künstlerische Arbeit mit dem Maler Max Weihrauch, die in eine lebenslange Freundschaft mündete.

Im Jahr 1970 nahm er erstmals an einer Ausstellung der Königlich Privilegierten Künstlergenossenschaft in München teil und wurde 1971 ordentliches Mitglied und ab 1975 Jurymitglied. In den Folgejahren stellte er dann oftmals nur wenige Exponate bei den jährlichen Ausstellungen auf Frauenchiemsee und Prien aus. 1990 waren seine Werke zusammen mit Arbeiten von Hermann Eller (1925-2009) zu sehen und anlässlich seines 90. Geburtstages konnte man 2005 in der Galerie im Alten Rathaus in einer groß ausgerichteten Ausstellung seine Gemälde besichtigen. Am 31. Januar 2013 ist Paul Paulus ist im hohen Alter von 97 Jahren in Prien verstorben.

Das Talent von Paul Paulus lag nicht nur im Herausarbeiten des »Wesens« des Dargestellten, sondern vor allem in einem guten Gespür für Farbtöne. Paulus' Werk schwelgt in der Vielseitigkeit von Farben und derer Eigenschaften. Manche Arbeiten beschränken sich auf nur wenige Farbtöne. Andererseits hatte er eine Vorliebe für leuchtende Farben. Er wählte Gegenstände aufgrund ihrer formalen Qualitäten, ihrer Form, ihrer Beschaffenheit und ihrer Farbe aus. Paul Paulus malte seine Stillleben, um ganz einfach zu zeigen, welch visuelle Freude er an ihnen empfand.

Auch versuchte er niemals, das angestrebte Gleichgewicht seiner Gemälde durch die Darstellung von Bewegung zu zerstören. Er legte in seinen Kompositionen Wert auf Ausgewogenheit, viele seiner Werke sind voll von harmonischer Perfektion. Im Laufe seines Kunstschaffens bevorzugte er kleine Formate, etwa 60 mal 40 Zentimeter. Auf seinen Leinwänden entstanden Arbeiten voll unwiderstehlicher Kraft, voller Stille, innerer Harmonie und unaufdringlicher Selbstsicherheit.

Der Maler Paulus zeigt sich als Meister der feinen Nuancen und bewies eine sichere Hand beim Umgang mit der Farbpalette. Er malte langsam und penibel. Paul Paulus begeistert besonders durch die schier unendliche Farbenvielfalt der Blumen. Die vielen Stillleben, die Blumenstücke und Früchtestillleben bilden einen Höhepunkt in seinem Oeuvre. Die Stillleben und Blumenbilder zeigen häufig einen flachen Hintergrund, vielfach auf nur zwei Farbtönen basierend angelegt, oftmals bar jeder Räumlichkeit und die Farbtöne kräftig aufgetragen. Die Hintergrundfarbe läuft in den Vordergrund hinein oder umgekehrt und schafft Harmonie. Die kräftigen Farbtöne der Früchte oder Blumen leuchten aus einem, oftmals in satten Farben aufgetragenen, dunklen Hintergrund hervor und lassen die Szene greifbar real erscheinen. Das Dargestellte wirkt weich, als könnte es sich auflösen, ist in ein warmes, schimmerndes Licht getaucht.

In seinen Landschaftsdarstellungen spürte Paulus dem wahren Charakter der Landschaft nach. Er fing Wälder, Wiesen, Bäume, Seen, alte Bauernhäuser mit ihren Bauerngärten, Wasser, Wolken und das Licht ein und bannte einen emotionalen empfundenen Naturausschnitt auf die Leinwand. Er bevorzugte Motive und Naturausschnitte, die er gut kannte, beschauliche ländliche »Szenen«. Der malerische Reiz liegt in den häufig unbeachteten Motiven. Mit präziser Pinselführung und in ungewöhnlich knappen Ausschnitten charakterisiert Paulus einfache Motive, die Einfachheit der Bauweise der alten Häuser, das Mauerwerk, Hauswände, die Blumenranken oder die Gärten.

Die Ausstellung im Heimatmuseum in Prien, Valdagnoplatz 2/Am Marktplatz, ist bis zum 18. Mai zu sehen und jeweils von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth