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Gelungener Einstand bei den Sinfonischen Konzerten Traunstein

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Margriet Buchberger singt »O mio babbino caro«, im Hintergrund das Musikkollegium Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel. (Foto: Kaiser)

Einige Jahre war ja »Faschingskonzert« als Bezeichnung für das 1. Sinfonische Konzert einer Saison in Traunstein etwas »obsolet«, heuer jedenfalls bewies dieser Begriff mit einer griffigen Ouvertüre, einem feinen Instrumentalkonzert, einer souveränen Gesangssolistin, mit feschen Polkas und schmiegsamen Walzern seine rechte Gültigkeit für diese »Fünfte Jahreszeit«.


Der Operette »Pique Dame« von Franz von Suppé (1819 bis 1895) war zwar als Ganzes kein Erfolg beschieden, doch die Ouvertüre dazu erlangte, wie die meisten von Suppés Ouvertüren, große Beliebtheit. Verhalten-raffiniert leitete das Musikkollegium Traunstein unter Augustin Spiel das Werk ein, ein feines Bläser-Unisono mit Streicher-Untermalung entwickelte sich zu einem ersten Höhepunkt; ein flotter Galopp stimmte darauf in Wiener Art ausgelassen und fetzig auf den Fasching ein.

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Doch zuvor brillierte Anna Magdalene Ecker, eine gebürtige Siegsdorferin, die heuer gerade mal 20 Jahre alt wird, mit dem hochvirtuosen Concertino D-Dur op. 107 für Flöte und Orchester von Cecile Chaminade (1857 bis 1944), bis heute einem Standardwerk der Flötenliteratur. Eine verhaltene, sehnsüchtige Einleitung eröffnete der jungen Solistin das Tor zu hochvirtuosen Läufen und Arpeggien, die sie makellos darbot. Einer tief empfundenen Kadenz folgte ein geschmeidiges Adagio, das sich zu einer kapriziösen, kurzen Schlussstretta aufgipfelte. Mit diesem Concertino, in souveräner Sicherheit und überzeugender Musikalität aufgeführt, spielte sich die junge Solistin in die Herzen das Traunsteiner Publikums.

Quasi als »Werbepackung« für die »Fledermaus«, die Johann Strauß (1825 bis 1899) gerade in Arbeit hatte, brachte er für das neugierige Wiener Publikum eine »Fledermaus«-Polka (op. 362) heraus, die zwar sehr gefällig daherkommt, aber von den Hits der fertigen Operette noch nicht viel verrät.

Mit »O mio babbino caro«, der Arie, die Giacomo Puccinis (1858 bis 1924) Oper »Gianni Schicchi« so recht berühmt gemacht hat, stellte sich Margriet Buchberger dem Traunsteiner Publikum vor. Sie führt einen faszinierend dunkel eingefärbten Sopran, mit dem sie diese leider nur kurze Arie vollendet auslotete. Nach dem Walzer »Wo die Citronen blühn« op. 364 von Johann Strauß, der endlich das Motto des Abends »Tempo di Valse« schwelgerisch einlöste, erfreute Margriet Buchberger die Zuhörer mit einem Lied in ungarischem Kolorit. »Hör ich Zymbal-Klänge« aus der Operette »Zigeunerliebe« von Franz Lehár (1870 bis 1948) gelang ihr verführerisch-sehnsüchtig, temperamentvoll aber in Mimik und Gestik.

Nach der Pause schob das Musikkollegium »außer Programm« den eher unbekannten »Adria Walzer« von Franz Lehár ein, der in weitgespannten, einfallsreich untereinander verbundenen Walzermelodien Lebenslust und Fröhlichkeit mit einem Hauch des Südens vereint – eine bezaubernde Neuentdeckung! Auch zu diesem Walzer wusste Augustin Spiel, wie zu den anderen Werken, viel Hintergründiges und Amüsantes anzumerken. Die folgende Straußpolka »Freikugeln« op. 326 begann und endete auch mit einem kräftigen Schuss aus einem echten Gewehr, dessen Patronen aber – gottlob – frei von Kugeln waren.

Der unverwüstliche Ohrwurm »Meine Lippen, die küssen so heiß« aus Franz Lehárs Operette »Giuditta«, in Traunsteiner Faschingskonzerten unverzichtbar, war ein weiterer sängerischer und darstellerischer Erfolg für Margriet Buchberger in einer verführerischen Mischung aus Anmut und Laszivität. Präzis und mitreißend frech leitete die Straußpolka op. 365 »Tik Tak«, ein Mosaik aus »Fledermaus«-Motiven, zum Walzer op. 314 »An der schönen blauen Donau« über, der unverzichtbar zum Repertoire der Faschingskonzerte gehört. So auch die Zugabe, der »Radetzky-Marsch«, der den Abend eigentlich beenden sollte. Doch dann gab es noch eine etwas überzogene Fassung des »Schwipslieds« aus »Eine Nacht in Venedig«. Engelbert Kaiser

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