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Geistliche und weltliche Lieder »Im Abendrot«

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Der Geiger Vladimir Lakatos, Sängerin Eva Leitner und Organist Adrian Suciu boten ein wunderbares Konzert mit Liedern aus verschiedenen Epochen der Musikgeschichte, die zum Thema »Abendrot« passten. (Foto: Janoschka)

Besinnlich ging das letzte Konzert der Ruhpoldinger Konzerttage 2016 in der Kirche St. Valentin im Ruhpoldinger Ortsteil Zell zu Ende. Unter dem Motto »Im Abendrot« sang die Sopranistin Eva Leitner geistliche und weltliche Lieder von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) bis César Franck (1822 bis 1890) und Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921).


Einfühlsam begleitet wurde sie von Adrian Suciu auf der Orgel. Vladimir Lakatos vom Münchener Rundfunkorchester spielte bei den Duetten die zweite Gesangsstimme auf der Violine und in den zwei Gesängen op. 91 von Johannes Brahms (1833 bis 1897) die im Original vorgesehene Bratschenstimme, was eine reizvolle Klangzusammenstellung von Singstimme, Bratsche und Orgel ergab.

»So wie der Abend den Tag beschließt, so enden auch mit der heutigen Soirée 'Im Abendrot' die Konzerttage 2016,« sagte Monika Nagl-E von der Kulturinitiative Ruhpolding. Das Abendrot sei Symbol für Vergehen und neues Werden. Franz Schubert (1797 bis 1828) hat es in einem Lied thematisiert, das für das Konzert titelgebend war. Auch in den anderen Liedern des Konzertprogramms konnte der Zuhörer eine hoffnungsvolle Botschaft vernehmen – immer schienen komplementär die beiden Aspekte von Melancholie und Hoffnung, Sehnsucht und Freude auf. Immer war auch der Dank an Gott dabei, wie zum Beispiel im Nachtlied von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847), wo es hieß: »Gott loben wollen wir vereint, bis dass der lichte Morgen scheint.«

Eva Leitners Sopranstimme erfüllte kraftvoll den sakralen Raum des alten Kirchleins aus dem Jahr 1200, das um 1450 mit einem gotischen Chor erweitert wurde. Sowohl in den solistischen Liedern – wie »Der lieben Sonnen Licht und Pracht« oder »Der Tag mit seiner Lichte« aus dem Gesangbuch des Komponisten Georg Christian Schemelli (1676/1678/1680 bis 1762) und von Johann Sebastian Bach bearbeitet, bei »Im Haine« von Franz Schubert, im »Abendlied« von Alexander Winterberger (1834 bis 1914), und im »Ave Maria« von Jehan Alain (1911 bis 1940) – als auch in den Duetten mit der Violine – wie »Panis angelicus« von César Franck, »Laudamus te« aus dem »Gloria« von Antonio Vivaldi (1678 bis 1641), »Totus in corde langueo« von Franz Schubert, Ave Maria von Camille Saint-Saëns und in den beiden Gesängen für Gesang und Bratsche »Gestillte Sehnsucht« und »Geistliches Wiegenlied« – kam ihre voluminöse Sopranstimme sehr gut zur Geltung.

Auch in Momenten, als die Sopranistin die Lautstärke ein wenig zurücknahm, zum Beispiel bei den Schubert-Liedern, war immer noch genügend Wohlklang da. Die Lieder und Gesänge aus den verschiedenen musikgeschichtlichen Epochen verlangten eine unterschiedliche Interpretationsweise, was die Sängerin hervorragend zum Ausdruck brachte – so etwa die barocken Koloraturen über dem »Glorificamus« oder über dem »Amen« in Vivaldis »Gloria« oder die romantische Stimmung bei Alexander Winterberger oder Franz Schubert, dessen »Totus in corde langueo« sonatenhaft beginnt und später an eine Opernarie erinnert.

Das geistliche Wiegenlied von Brahms wurde auf der Bratsche durch die bekannte Melodie des Weihnachtsliedes »Joseph, lieber Joseph mein« eingeleitet und beendet, die auf den Weihnachtshymnus »Resonet in laudibus« zurückgeht. Dazwischen besang die Sopranistin in der Ich-Form die Situation von Maria, die ihr Kind trotz Windesbrausen in den Schlaf wiegen will. Schuberts Lied »Im Abendrot« ist ein Gebet von Gottlieb Lappe (1773 bis 1843) mit einem sehr spirituellen Inhalt und metaphorischer Sprache: »Ich will im Busen tragen deinen Himmel schon all hier. Und dies Herz, eh es zusammenbricht, trinkt noch Glut und schlürft noch Licht.«

Es geht also immer um das Ende des Tages, aber auch um das Ende des Lebens. Und so trafen die nachdenklichen Texte gemeinsam mit der musikalischen Gestaltung der drei Musiker mitten ins Herz, wo sie die hoffnungsvolle Botschaft aus einer geistigen Welt weiterwirken ließen. Brigitte Janoschka