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Geistliche Gustostückerl

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Sopranistin Eva Schinwald überzeugte mit ihrem intonationssicheren, raumfüllenden Sopran. Rechts André Gold und im Hintergrund der »euregio oratorienchor Altötting e. V.« und der »euregiochor Mattigtal«. (Foto: Gärtner)

Wer wird selig? »Wer bis an das Ende beharrt«. So steht‘s bei Mendelssohn. Die Chor- Nr. 32 aus seinem Oratorium »Elias« wählte Dirigent André Gold im Namen seines »euregio oratorienchors Altötting e. V.« und des »euregiochor Mattigtal« in Kooperation mit dem »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« zum Eingang seines Konzerts in der Stiftskirche Altötting.


Aus aktuellem Anlass? Wohl weniger deshalb, weil der »Elias« heuer 170 Jahre alt ist, eher deshalb, weil Gold und seine Singgemeinschaften von dies- und jenseits des Inns den »Elias« drauf haben. Sicher aber, weil diese Worte auf Geschädigte und Hinterbliebene der sieben Toten der großen Unwetterkatastrophe wenige Kilometer weiter östlich gemünzt sein sollten. Chorvorstand Wolfgang Schneider rief zum stehenden Gedenken auf, und die zahlreichen Anwesenden folgten ihm, wie sie auch zu den 1000 Euro Vereins-Hilfe weitere 1500 Euro spendeten, sodass insgesamt 2500 Euro nach Simbach gehen konnten.

Kunstvoll gefädelte Kette geistlicher Chorwerke

Um den »Elias« (Arie Nr. 21; Quartett und Chor aus Nr. 35) konnte André Gold keinen Bogen machen, wenn er sich diesmal statt für ein einzelnes abendfüllendes Werk für eine kunstvoll gefädelte Kette geistlicher Chorwerke entschied, so stark ist sein Affekt für das Propheten-Oratorium, das er in der Altöttinger Basilika im vergangenen Oktober glanzvoll aufführte, nein: für den Urheber überhaupt. Dessen beschwingt-festlichen »Hochzeitsmarsch« fügte er, ähnlich der »Pavane« op. 40 von Gabriel Fauré, quasi als Chor-Ausruh-Einlage, wie zwei auffällig baumelnde »Anhänger« in die Kette ein – schon um auch die keineswegs nur zur Gesangsbegleitung fähige, tapfere Philharmonie Bad Reichenhall zum Einsatz zu bringen.

Neben Zugstücken – von Beethovens »Die Himmel rühmen« über César Francks doch für ein erquickliches Bad im Erzkatholischen sorgendes »Panis angelicus« bis hin zu Händels »Messias«-Ohrwurm »Halleluja« – wählte Gold sakrale Gustostückerl weithin unbekannter Komponisten. Damit waren ihm alle Sympathien selbst der Connaisseurs sicher, die neben der trefflichen Auswahl die durch die hochgestimmten Chöre und die sie krönende Solistin gemeisterte, werkdienliche Interpretation respektieren mussten. Es war ja, selbst für den Dirigenten, den man noch nie ohne schweißtreibende Kräfteverausgabung am Pult erleben konnte, kein Leichtes, sich von Haydns »Schöpfung« über Mozarts c-Moll-Messe in Bachs Kantate »Jesus bleibet meine Freude« und Brahms‘ Deutsches Requiem einzufühlen, am Ende gar noch zu zwei ätherisch gelungenen Stücken aus Michael Porrs 2013 entstandenem, engelhaft kontemplativem »Requiem« und dem zarten »Et misericordia« aus John Rutters ergreifendem »Magnificat« von 1990 aufzuschwingen. Dies alles ging, es sei beklagt, auf Kosten von Ruhe und Gelassenheit. Unsicheres Zwischen-Klatschen – es hätte durch eine Ansage vermieden werden können – erhöhte diese Befindlichkeit noch.

Eva Schinwald zeigt hohe Musikalität

Ruhm und Ehre – starker Beifall und hohe Spendenfreudigkeit des Publikums am Ende des anderthalbstündigen Konzerts sind Indiz genug – gebührt neben den toughen Laiensängern und den tadellos untermalenden Instrumentalisten der Geschmack und hohe Musikalität vereinigenden Solistin Eva Schinwald. Ihren intonationssicheren, raumfüllenden, Chor und Orchester mühelos überströmenden, in Salzburg geschulten Sopran setzte sie je zweimal für Haydn (zwei »Schöpfung«-Arien) und Mozart (»Laudamus te« aus der c-Moll-Messe und das »Laudate Dominum«) sowie effektvoll in den beiden zeitgenössischen Werken ein.

Sollte André Gold sich einmal für das ganze Porr-Requiem von 2013 (Michael Porr ist Dortmunder des Jahrgangs 1967) oder/und das ganze Rutter-Magnificat entscheiden – so etwas ginge durchaus auch in Altötting – dann gern wieder mit Eva Schinwald. Die beiden verdienstvollen Chorgemeinschaften aus Südostbayern und Oberösterreich wären, wohl auch die Bad Reichenhaller Philharmoniker, eh wieder dabei – welche Freude! Hans Gärtner