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Robin Ticciati, die Wiener Philharmoniker und Renaud Capuçon mit Elgar und Mozart bei der Mozartwoche

Geigerische Brillanz und Jupiterstimmung

Der aus London stammende Dirigent Robin Ticciati hat sich zum Pultstar gemausert. (Foto: Stiftung Mozarteum/Wolfgang Lienbacher)

Das erste Konzert der Wiener Philharmoniker der Salzburger Mozartwoche 2018 führte Edward Elgars Violinkonzert h-Moll op.61 und Mozarts Jupiter-Symphonie im Programm.


Elgars Violinkonzert ist eine Herausforderung für jeden Geiger. Der französische Violinist Renaud Capuçon meisterte die technischen wie musikalischen Bravouransprüche des fast einstündigen Werks mit Brillanz. »Gut! Schrecklich gefühlvoll. Zu gefühlvoll, aber ich liebe es!«, urteilte der Komponist selbst über sein Konzert. Der damals hochpopuläre Virtuose Fritz Kreisler regte Elgar, der selbst ein guter Geiger war, zur Komposition eines Violinwerks an. Kreisler hat es dann auch uraufgeführt und ihm hat es Elgar gewidmet.

Der erste Satz beginnt mit einer langen Orchestereinleitung verschiedener Themen. Der Solist setzt dann plötzlich mit dem ersten Thema ein und verflicht die vielfältige Themenfolge variantenreich ineinander, in exquisiter Tongebung klangedel ausgeformt und in exaktem Zusammenspiel mit dem Orchester. Robin Ticciati motiviert die Musiker, den Solopart einfühlsam zu umrahmen und dem Solisten das Primat zu gewähren. Die Zwischenpassagen werden zum orchestralen Blühen genützt. Das Andante gibt dem Solisten zu innigen Kantilenen Gelegenheit, die Capuçon mit sensibler Phrasierung in edlem Silberton nützt. So monströs wie effektvoll ist die Kadenz im letzten Satz, von fein zirpenden Streicher-Pizzikati begleitet. Solist und Orchester führen die mächtig auftrumpfenden Klangschichtungen in ihren höchst eigenwilligen Harmoniestrukturen zu beeindruckendem Hörgenuss.

Der gebürtige Londoner Dirigent Robin Ticciati ist ein großer Sympathieträger. Zunächst Geiger, Pianist und Schlagzeuger begann er seine Dirigententätigkeit als 15-Jähriger. Inzwischen ist der jugendlich wirkende 35-jährige Pultstar in der internationalen Orchester- und Opernlandschaft und ist Chefdirigent des Scottish Chamber Orchestra, Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera sowie Chef des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin.

Mozarts Jupiter-Symphonie dirigiert er mit Eleganz, sensibler Einfühlsamkeit ebenso wie mit dynamischer Energie. Er bringt die Symphonie in ihrer Ganzheit zum Strahlen. Er lässt die Musik atmen, setzt kleine Spannungszäsuren in die insgesamt zügige, aber nicht drängende Gangart. Ticciati setzt Akzentbetonungen, integriert sie aber in organisches musikalisches Fließen. Dirigent und Orchester geben der Symphonie den großen Bogen, der hier wie die Summe von Mozarts Schaffen in konzentrierter Form erscheint. Struktur und verspielte Eleganz, Ernsthaftigkeit und heitere Gelöstheit gehen Hand in Hand. Eine Mischung musikalischer Formen und thematischer Ideen verbindet sich zu einem größeren Ganzen, zu einer Einheit beglückender Klangsprache, die im strahlenden C-Dur den später verliehenen Namen Jupiter auf schönste Weise rechtfertigt. Mozart hat das komponiert, Ticciati und die Wiener Philharmoniker haben seine Inhalte auf beglückende Weise dem Auditorium bewusst werden lassen. Elisabeth Aumiller