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Gefühl und Tiefe

Kann man allseits bekannten Weihnachtsliedern wie »Kommet, ihr Hirten« oder »Es wird scho glei dumpa«, die bereits in unzähligen Versionen im Umlauf sind, noch etwas Neues, Eigenes abgewinnen, ohne dabei Gefahr zu laufen, sie zu verfälschen, sie zugunsten kitschiger, vermeintlich zeitgemäßer Arrangements ihrer Aussage (und ihres Zaubers) zu berauben?

Gefühl und Tiefe boten die Münchner Saitentratzer mit (v. l.) Hugo Siegmeth, Susanne Riedl, Harald Scharf, Melanie Ebersberger und Irmi Haager im NUTS. (Foto: Heel).

Man kann! Vorausgesetzt, technisches Können auf höchstem Niveau paart sich mit der entsprechenden Sensibilität, wie dies bei den Münchner Saitentratzern der Fall ist. Und was noch schöner ist: Zu ihrem 20-jährigen Bühnenjubiläum haben sich die Saitentratzer etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Normalerweise als dreiköpfige Formation mit Melanie Ebersberger (Hackbrett), Susanne Riedl (Harfe) und Harald Scharf (Kontrabass und Arrangeur) unterwegs, haben sie zu ihrem Programm »Zauber der Weihnacht« die aus dem Chiemgau stammende Sängerin Irmi Haager und den Saxofonisten Hugo Siegmeth eingeladen, mit denen sie jetzt in der fast ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gastierten.

Einfach großartig und bewundernswert, wie das bestens aufeinander eingespielte Ensemble alpenländische Weihnachts- und Winterlieder von »Jetzt is der raue Winter da« über »O lieber Hauswirt mei« bis »Maria durch ein Dornwald ging« in neuem Gewand präsentierte; stilsicher arrangiert, mit teils geschickt veränderten Harmonien und eingebauten Zwischenstücken.

Irmi Haager mit ihrer hellen, klaren Stimme verlieh den Liedern dabei eine ganz eigene, herb liebliche Note, häufig im Dialog mit Hugo Siegmeth, der am Sopransaxofon respektive an der Bassklarinette ein improvisatorisches Element mit ins Spiel brachte, das sich klangstark und nuancenreich bestens einfügte.

So verbreiteten die fünf Musiker tatsächlich den echten, urtümlichen Glanz und Zauber der Weihnacht, wobei neben der Eigenkomposition »Dreisprung« unter anderem noch »Lieb Nachtigall, wach auf«, »O Wunder, was soll dies bedeuten?« und »Was tuat denn der Ochs im Kripperl drin?« sowie ein Perchtentanz (nach Tobi Reiser) auf dem Programm standen. Und als Zugabe gab es noch einen »Weihnachtsjodler« zu hören. Kurzum: Ein ganz wunderbarer Abend mit viel Gefühl und Tiefe, der auch der christlichen Tradition vielleicht eher fern stehende Besucher tief beeindruckt und berührt haben dürfte. Wolfgang Schweiger