weather-image
12°

Ganghoferfeld: Wird Bischofswiesen künftig zur »Bischofsstadt«?

2.2
2.2
Bildtext einblenden
Streitpunkt Ganghoferfeld: Die einen befürworten die Schaffung von Baugrund für Einheimische, die anderen fordern den Schutz der Fläche. (Foto: Kastner)

Bischofswiesen – Das Ganghoferfeld in der Engedey war mit Abstand Thema Nummer eins auf der Bischofswieser Bürgerversammlung. Wie sehr das vom Gemeinderat Bischofswiesen angestoßene Projekt zur Wohnbebauung einer Teilfläche des Feldes nach dem Einheimischenmodell die Bürger spaltet, zeigten mehrere Diskussionsbeiträge.


Die gut laufenden Baustellen dagegen sind in Bischofswiesen aktuell kaum ein Thema, sie kamen nur im Rechenschaftsbericht von Bürgermeister Thomas Weber vor, auf den wir noch ausführlich zurückkommen.

Anzeige

Bezahlbaren Wohnraum für Einheimische könnte man laut Bürgermeister Weber auf einer Teilfläche des Ganghoferfeldes schaffen. »Aber wir machen das nur, wenn der Bedarf da ist«, versicherte der Rathauschef. Dann könnte man dort vor allem Mietwohnungen, aber auch Eigentumswohnungen und Eigenheime in Form von Reihen- und Mehrfamilienhäusern schaffen.

Biotop und FFH-Gebiet

Kein Hehl machte FDP-Kreisrat Armin Nowak daraus, dass ihm die Pläne nicht gefallen. Er verwies in seinem Redebeitrag auf die wertvolle Biotopfläche und auf den Schutzstatus als FFH-Gebiet – »und das alles im Biosphärenreservat«. Für ihn stelle sich auch die Frage, wie lange jemand hier leben müsse, bis er als Einheimischer gilt. »Wir müssen weg vom Kirchturmdenken, uns mit den anderen Gemeinden zusammentun und durch Abrundungen und Ortsverdichtungen Wohnraum schaffen«, forderte Nowak und fragte sich, ob Bischofswiesen denn in finanziellen Nöten sei, weil man sich durch zusätzliche Baugebietsausweisungen mehr Gewerbesteuer und Einkommensteuer erhoffe. Statt »Bischofswiesen« schlug Nowak künftig die Ortsbezeichnung »Bischofshausen« oder »Bischofsstadt« vor.

Laut Bürgermeister Thomas Weber müsse sich die Gemeinde bei der Vergabe der Grundstücke im Einheimischenmodell an die EU-Richtlinien halten und den Boden »diskriminierungsfrei« anbieten. Wenn jemand fünf Jahre oder länger in Bischofswiesen lebe, dann bekomme er mehr Punkte, als wenn jemand erst seit Kurzem Gemeindebürger ist. Darüber hinaus spielten soziale Kriterien und das Engagement in der Gemeinde eine Rolle.

Leerstand alter Häuser vermeiden

Dr. Hermann Amann regte an, Ermittlungen durchzuführen, wie viele der bereits vorhandenen Häuser in der Gemeinde in den nächsten Jahren frei werden und auf den Markt kommen. »Wenn man hier mit neuen Häusern in die Wiese rein geht, dann stehen vielleicht in Zukunft die alten Häuser leer.« Amann befürchtete den Ausverkauf der Heimat durch die Bebauung der letzten Wiesenflächen.

Es gehe ja auch darum, dass die Wohnungen und Häuser bezahlbar sein müssten, erwiderte Bürgermeister Thomas Weber und wehrte sich gegen den Begriff »Ausverkauf der Heimat«. Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes habe Bischofswiesen eine Gesamtfläche von 6 215 Hektar. Die Landwirtschaft nutze davon 852 Hektar, das sind 13,7 Prozent. Und die Wohnbaufläche sei 115 Hektar groß, was nur 1,9 Prozent der Fläche entspreche.

Johann Eder ist Nachbar am Ganghoferfeld und kritisiert die ins Auge gefasste Bebauung ebenfalls. Er erinnerte daran, dass dort vor 45 Jahren bereits ein großes Hotel geplant gewesen sei, dann vor 22 Jahren ein Gewerbegebiet. Jetzt wolle man die »Perle Bischofswiesens«, wie das Feld einmal genannt worden sei, erneut auf 70 Prozent der Fläche verbauen.

»Bodenbevorratung stelle ich mir anders vor.« Er habe das Gefühl, so Eder, dass in den anderen Gemeinden wie Schönau am Königssee und Berchtesgaden in Sachen Baugebietsausweisung ein Umdenken stattgefunden habe. Nur in Bischofswiesen gehe alles weiter wie bisher. Eder befürchtet aufgrund der begrenzten Zufahrtsmöglichkeit nach einer Bebauung des Ganghoferfelds auch Verkehrsprobleme. Zudem wolle man »keine zubetonierte Fläche am Eingangstor zum Talkessel«.

Wohnraum auch für neue Arbeitskräfte

Das Umdenken in den anderen Gemeinden konnte Rolf Hopmann nicht erkennen. Als Beispiel verwies er nur auf das bereits genehmigte Almdorf Vorderbrand. Der »Insula«-Leiter gab zu verstehen, dass man im Seniorenheim aktuell deutschlandweit mit großen Problemen Pflegekräfte für die Versorgung der hiesigen Bevölkerung suche. Sollte man tatsächlich endlich Arbeitskräfte finden, müsse man die auch in bezahlbarem Wohnraum unterbringen – »egal ob auf dem Ganghoferfeld oder anderswo«. Dass der Arbeitsmarkt künftig tatsächlich zum Zuzug vieler neuer Arbeitskräfte führen werde, weiß Bürgermeister Thomas Weber bereits aus der Sozialraumanalyse. »Der dafür notwendige Wohnraum ist aber aktuell nicht vorhanden.«

Den Gegnern einer Ganghoferfeld-Bebauung warf Andreas Plenk in einem offenen Brief, den Bürgermeister Weber verlas, vor, den Begriff Heimat auf die Natur zu beschränken. Zur Heimat gehörten aber auch der Dialekt, Bräuche, die Kultur ganz allgemein, ein sozialer Zusammenhalt und die hier lebenden Menschen. Um die Teilhabe der Menschen an der Heimat zu sichern, müsse die Schaffung von Arbeitsplätzen und von bezahlbarem Wohnraum gefördert werden. Durch den maßvollen Verkauf verbilligter Baugrundstücke unterstütze man einheimische Familien.

Bauland für 150 Einheimische

Plenk hatte ausgerechnet, dass das geplante Baugebiet Ganghoferfeld 0,02 Prozent der gesamten Gemeindefläche umfasse. Dort könnte aber Wohnraum für mindestens 150 Einheimische, ungefähr 2 Prozent der Bischofswieser Bevölkerung, geschaffen werden. »Es ist wirklich schwer oder fast unmöglich, in Bischofswiesen ein bereits bestehendes Haus zu kaufen«, wandte sich Andreas Plenk schließlich noch direkt an Dr. Hermann Amann.

Keinen Gefallen fand dagegen Rita Poser daran, dass nach dem Pfaffenfeld nun auch das Ganghoferfeld bebaut werden soll. Die Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz verwies auf das Staatsziel der Biotop-Vernetzung. In Bischofswiesen wolle man das Biotop dagegen einfach zerstören. Rita Poser erwähnte den im Flächennutzungsplan dargelegten Vorschlag, auf dem Parkplatz der Struber Bundeswehrkaserne Wohnraum zu schaffen. Damit könnte man den weiteren Flächenverbrauch reduzieren. Ulli Kastner

 

Italian Trulli