weather-image
25°

Gänsehaut in der Rokokokapelle St. Nikolaus

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Ästhetik pur für Auge und Ohr, am Cembalo Andrea Wittmann und Julia Burkert-Milone an der Violine. (Foto: Benekam)

Es ist ja kein Geheimnis, dass Kunst und Musik dann in besonderem Maße zur Wirkung kommen, wenn sie an passender Lokalität zur Aufführung gebracht werden. Passt das Thema zum Ort, so werden unsere Sinne gleich auf mehreren Ebenen angesprochen. Dementsprechend groß ist, wenn dann auch noch die Darbietung von hohem Niveau ist, der Genuss.


Einer dieser besonderen Orte hat im 18. Jahrhundert schon Mozart fasziniert und inspiriert: Das ehemalige Benediktinerkloster in Seeon. Von der Kapelle des Heiligen Sankt Nikolaus fühlte sich die Kirchenmusikerin Andrea Wittmann dazu inspiriert, ein ganz besonderes Konzert zur Aufführung zu bringen. Julia Burkert-Milone (Violine) aus London reiste eigens zu diesem Konzert an. Die Soiree mit Cembalo (Wittmann) und Violine (Burkert-Milone) stellte sich als Geheimtipp für ein ausgesuchtes Publikum heraus.

Andrea Wittmann ist bestens mit der Geschichte des Klosters vertraut und verwob durch kurze geschichtliche Erläuterungen zur Bauweise, Dekor und Malereien der Abtkapelle die Musik mit der Kunstgeschichte. Auf dem Programm standen anspruchsvolle Werke wie die Sonate »La Follia« von Arcangelo Corelli, Tomaso Albinonis traumhaft schönes Adagio in g-Moll für Violine und Harpsichord sowie Johann Sebastian Bachs Sonate in c-Moll. Im zweiten Konzertteil war durch die inzwischen eingetretene Dämmerung und eine bewusst nur schwache Beleuchtung eine heilige, feierliche Stimmung in der Abtkapelle. Die Zuhörer sogen die folgenden Werke von Jean-Marie Leclair und Josef Gabriel Rheinberger, umgeben von Gemälden, kunstvollem Stuck, Plastiken und Fresken, förmlich in sich auf. Die beiden Musikerinnen überzeugten mit einem sehr harmonischen Zusammenspiel, angenehmer Ästhetik und erfreulicher Zugewandtheit gegenüber den Zuhörern, die sie ja quasi in greifbarer Nähe vor sich hatten.

Höhepunkte waren sicher ein von Wittmann gesungenes Ave Maria, zu dem sie sich selbst am Cembalo begleitete. Mit viel Gefühl und klarer, schöner Stimme verursachte sie Gänsehaut. Dasselbe schaffte Julia Burkert-Milone bei der Zugabe mit dem vielleicht berühmtesten Stück der Musikgeschichte, Bachs »Air« aus der Suite D-Dur, die Wittmann einfühlsam am Cembalo begleitete. Und einen Moment lang schien es, dass ein Engel auf dem Gemälde des Heiligen Franziskus, der eine Geige in Händen hält, in das himmlische Konzert in der Abtkapelle einsetzte und mitgeigte. Abt Benedikt II., dem wir die Kapelle verdanken, hätte sicherlich in den munteren Applaus eingesetzt, mit dem sich die Zuhörer für den gelungenen Abend bedankten. Kirsten Benekam