weather-image
23°

»G 8« – wenn Kontinente zusammenkommen

0.0
0.0
Bildtext einblenden
die Mitglieder des Canadian Guitar Quartets und des Salzburger Gitarrenquartetts in abwechselnder Reihung. (Foto: Kaiser)

Mit »project g 8« war der zweite Abend des Musikfestivals überschrieben, mit dem sich der Kulturkreis 72 e.V. im Traunreuter k1 aus der Kulturpflege verabschiedet. Nein, man denke hier nicht an eine fatal reduzierte gymnasiale Ausbildung, auch nicht an einen uneinig-ineffektiven Wirtschaftsgipfel; es handelt sich vielmehr um ein erweitertes Ensemble von acht wohlgestimmten und leistungsfähigen Gitarren, bestehend aus dem Canadian Guitar Quartet und dem Salzburger Gitarrenquartett. Unter dem Motto »between 2 continents on 8 guitars« führte es in einem spannenden Konzept durch unterschiedliche Epochen und Kulturen, vom europäischen Barock bis zum argentinischen Tango.


Das Konzert begann mit zwei sympathischen Intraden des Alessandro Orologio (ca. 1550-1633), begleitet von einer Landsknechttrommel, und einem Saltarello von Orazio Vecchi (1550-1605), sanft flankiert von einem ganz kleinen Tamburin – interessante Klänge, die Lust auf mehr machten. Von dem Polen Franciszek Wieczorek stammt die Adaption der Klavierkomposition »Danzas Gitanas« op. 55 von Joaquin Turina (1882-1949). »Zamba«, »Danza de la Seduccion«, »Generalife« und »Sacro-Monte« erklangen sehr subtil arrangiert von liebevoller Feinheit bis zum klangvollen Tutti, besonders »Generalife« gefiel in seiner Kraft. Im Wechselspiel der Instrumentalisten konnte man gut heraushören, dass doch jede Gitarre ihren eigenen Klang entwickelt.

Angelehnt und »dedicated« an Astor Piazzolla hat Patrick Roux (*1962), der Chef der »Canadians«, sein »Comme un Tango«, seine erste Komposition übrigens, die auch »g 8« zusammengeführt hat. Das Stück schmeichelte sich in die Gehörgänge ein; inzwischen ist es geradezu ein Pflichtstück für alle Gitarrenensembles geworden. Erklärte Vorliebe für osteuropäische Musik und Rhythmik sprach aus »Octopus« von Hans Brüderl, dem Kopf der Salzburger. Angriffslustig, diffizil und wohlklingend entwickelte das Stück, mit gigantischen einstimmigen Passagen, mit einem allerliebsten Fugato, zuerst im Flageolett gespielt, einen Mords Charme.

Nach der Pause folgte »Clarines y Trompetas« von dem Spanier Gaspar Sanz (1640-1710). Der hatte eine für seine Zeit wichtige Gitarrenschule verfasst, in die er zum Glück Stücke aus allerlei Gegenden in zauberhaften Arrangements für Gitarrenensembles einfügte. In »Clarines y Trompetas« spielte die kleine Barockgitarre von Hans Brüderl die eine Hauptrolle, die andere nahm ein reiches Sortiment von Mini-Schlaginstrumenten zusammen mit der Landsknechttrommel wahr. Da wurde ganz deutlich, wie weit gespannt der Begriff »Rhythmus« eigentlich ist. Celso Machado (*1953) aus Brasilien schrieb mit »Folguedo« (»Volksfest«) eins der ganz wenigen Originalstücke für Gitarrenoktett und Percussion. Im ersten Teil dominierten »Herz, Schmerz und was so dazugehört«, der zweite wurde dann wirklich verführerisch durch verlockende Percussion.Speziell für diese fünfte Tournee entstanden zwei Neukompositionen. Es gab also zwei »Uraufführungen«: in »StepickA« von Hans Brüderl kreisten die Tanzschritte (»step«), die für die Tänzer aus den Saiten gezupft wurden (»pick«) hauptsächlich um den Ton »A«; »La fantaisie des saltimbanques« von Patrick Roux schildert den Alltag spanischer Straßenkünstler, Artisten und Gaukler, oft Kinder, die »einen Salto über eine Bank« schlagen, um damit ein bisschen Geld zu ergattern, aber bei ihrem Tun viel Spaß haben. Genau so wirkte die Komposition; sie hatte viele rhythmisch gefährliche Passagen, aber: ohne Risiko kein Spaß, und den hatten die acht Musiker und die Zuhörer.

Die Zugabe, »Mbira« aus Afrika, klang wegen der präparierten Saiten »wie verbogene Teelöffel« und war sehr kurz. »Wenn man das Wort einige Male hintereinander sagt, kommt der dringende Wunsch nach einem Getränk nach dem Konzert auf«, begründete das Hans Brüderl. Engelbert Kaiser