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Fußballkrimi sichert Klassenerhalt

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Die Freude bei den Bischofswiesern war riesig, als der Klassenerhalt feststand. (Fotos: Waßmuth)
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Der Sieg im Relegationsspiel war hart umkämpft.
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Bei den Leobendorfern war die Enttäuschung groß. (Foto: Wechslinger)

Freud und Leid liegen oft nur Minuten voneinander entfernt. Der FC Bischofswiesen siegte nach der 1:3-Niederlage gegen den SV Leobendorf mit 2:0 und spielt auch in der nächsten Saison in der Kreisklasse. Dem Erfolg ging jedoch ein wahrer Fußballkrimi voraus, den 600 Fußballanhänger verfolgten.


Dank der vielen Fans herrschte am Riedherrn zunächst Ausnahmezustand. Die Autos standen rund ums Stadion kreuz und quer. Die etwa 150 Leobendorfer waren sogar mit einem großen Bus und einer Blaskapelle angereist.

Auf dem Fußballfeld hingegen war erst einmal Vorsicht angesagt, keine Mannschaft wagte zu viel. Die Gäste versuchten von Beginn an, ihren komfortablen 2:0-Vorsprung zu verwalten. Auch die Bischofswieser waren auf Sicherheit bedacht, weil sie bei einem dritten Gegentreffer wohl endgültig abgestiegen wären.

Dennoch kamen die Platzherren in der zwölften Minute zu einer ersten Chance. Sebastian Koller setzte sich mit einem Sturmlauf über die linke Seite durch, trickste zwei Leobendorfer aus und passte ideal auf Sebastian Parma, der jedoch den Ball am Tor vorbei zirkelte. Nur Momente später setzte sich Sebastian Vorberg in zentraler Position gut durch, wurde aber kurz vor dem Abschluss noch vom Ball getrennt.

Die Leobendorfer Mannschaft spielte hingegen früh auf Zeit. Solange die 2:0-Führung vom letzten Spiel hielt, waren die Gäste nicht in Gefahr und konnten ihre defensive Taktik beibehalten. Die Gäste spielten aber auch einige schnelle Konter mit hohen Bällen an die Spitze. So musste FCB-Torhüter Stefan Schnitzlbaumer in der 25. Minute all sein Können aufbieten, um einen Schuss von Maximilian Schäfer zu halten. Dies war die erste große Schrecksekunde für die Bischofswieser, die keine Mittel fanden, um die Abwehr der Leobendorfer zu knacken.

Die letzte Viertelstunde vor der Halbzeit verlief ruhiger und so nahm der SV Leobendorf sein Wunschergebnis mit in die Kabine.

Die Zeit wird knapp

In der Halbzeitpause hatte sich der Gast scheinbar eine neue Taktik ausgedacht und versuchte mit einem weiteren Treffer alles klar zu machen. Gerhard Enzinger spielte in der 47. Minute ideal auf Leon Schifflechner, der Schnitzlbaumer zur zweiten Glanzparade des Spiels zwang.

Bischofswiesen antwortete mit verstärkten Angriffen. Parma kam zu seiner zweiten Chance, verzog die Kugel jedoch neuerlich weit neben das Tor (48.). Sebastian Koller stürmte wenig später über die linke Seite nahe der Grundlinie in den Strafraum. Es folgte eine unübersichtliche Situation, manche vermuteten ein Foulspiel, doch der Schiedsrichter ließ weiter laufen. Jetzt erhöhten die Bischofswieser den Druck. Der technisch versierte Mario Rechtenbach kam nach 55 Minuten ins Spiel. Kurz darauf hatte er eine gute Chance, sein Kopfball ging jedoch übers Tor (60.).

Bischofswiesen lief allmählich die Zeit davon, die Leobendorfer feierten bereits den Aufstieg, den sie über 45 Jahre nicht geschafft hatten. Doch Bischofsweisen kämpfte weiter. So brachte ein Leobendorfer Abwehrspieler bei einem Schuss von Sebastian Koller gerade noch den Fuß dazwischen (65.). Dann war wieder Parma dran, aber auch er wurde im letzten Moment vom Ball getrennt (67.). Zwei Minuten später war es dann so weit: Nach einem Eckball war der aufgerückte Außendecker Fabian Jung zur Stelle und köpfte zum 1:0 ein.

Das Spiel des FCB wurde immer sicherer, ein Angriff nach dem anderen ging in Richtung Leobendorfer Tor. In der 82. Minute rettete Konstantin Rubach gerade noch vor der Torlinie. Doch die weit aufgerückten Bischofswieser gerieten auch selbst noch einmal in Gefahr. Schlussmann Schnitzlbaumer bewahrte seine Mannschaft in der 86. Minute vor dem Abstieg. Im direkten Gegenzug kam Sebastian Vorberg zu einer weiteren Möglichkeit, zirkelte den Ball jedoch übers Tor. Zwei Minuten später war es wieder Koller, der ebenfalls im letzten Moment scheiterte.

Krimi in der Nachspielzeit

Nachdem Leobendorfer Anhänger Gegenstände auf das Spielfeld geworfen hatten, unterbrach der Schiedsrichter die Begegnung und deutete an, fünf Minuten nachspielen zu lassen. Die Leobendorfer Spieler versuchten daraufhin mit Verzögerungstaktiken die Spielzeit zu verkürzen. In der hektischen Schlussphase schickte der Unparteiische sowohl Markus Huthöfer vom FCB als auch Johann Spatzenegger mit »rot« vom Platz. Im Stadion wusste zu diesem Zeitpunkt noch keiner, wie lange das Spiel nach den zahlreichen Unterbrechungen noch dauern würde. Dann entschied Schiedsrichter Reitmaier 20 Meter vor dem Leobendorfer Tor in zentraler Position auf Freistoß für Bischofswiesen. Nach höchster Konzentration für den vielleicht wichtigsten Schuss der Saison zirkelte Sebastian Vorberg in der 94. Minute den Ball vorbei am chancenlosen Schlussmann Christian Mühlfeldner in den Torwinkel. Der Jubel unter den Bischofswieser Anhängern kannte daraufhin keine Grenzen. Alles schien bereits verloren, dann sorgte Kunstschütze Vorberg mit dem 2:0 für den Klassenerhalt. Allem Jubel zum Trotz war das Spiel aber noch nicht zu Ende. Denn jetzt warfen die Gäste alles nach vorn und tatsächlich landete der Ball im Bischofswieser Tor. Reitsamer deutete bereits zur Mittellinie. Das hätte das 2:1 und damit das Aus für den FC Bischofswiesen bedeutet. Doch Linienrichter Daniel Miethsam vom ASV Piding hatte ein Foulspiel eines Leobendorfers erkannt. Schiedsrichter und Linienrichter berieten sich daraufhin und entschieden: Es bleibt beim 2:0. Wenig später war die Begegnung dann wirklich aus.

Wechselbad der Gefühle

Die Spieler des FC Bischofswiesen und die zahlreichen Anhänger des FC Bischofswiesen erlebten so in den letzten Spielminuten ein Wechselbad der Gefühle. Erst war die Mannschaft so gut wie abgestiegen. Dann kamen sie in der 94. Minute zurück und schienen eine Minute später wieder alles verloren zu haben. Doch durch die nicht unumstrittene Entscheidung des Linienrichters gab es noch das erhoffte Happy End.

Die Leobendorfer haben damit den ersten Aufstieg in der Vereinsgeschichte knapp verspielt. Die Enttäuschung bei Fans und Spielern war entsprechend groß.

Einen großen Anteil am Klassenerhalt des FC Bischofswiesen darf man auch dem nach dem 22. Spieltag zurückgetretenen Trainer Franz-Josef Kaindl bescheinigen. Er hat die Mannschaft früh im Jahr in einen Topkonditionszustand gebracht. Letztlich war diese mit ausschlaggebend für den Erfolg.

Vorstand Andreas Maltan lag zwar mit seinen Prognosen, den Abstieg schon in der Runde und dann in Leobendorf klar zu verhindern, zweimal daneben, sollte aber am Ende doch recht behalten. Maltans Vorstandpendant Athanassios Moralis hatte sich in Leobendorf noch in den Mannschaftsdienst gestellt und hätte auch im Heimspiel eingewechselt werden sollen. Doch der Rechtsanwalt verzichtete darauf und ließ lieber die Jungen ins Spiel.

FC Bischofswiesen: Schnitzlbaumer; Jung, Tschischke, Geisler, Bogner, Huthöfer, M. Koller (55. Rechtenbach), S. Koller, Vorberg, Parma (83. Gruber), Datz (46. Hirsch). Christian Wechslinger