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Funky Fingerstyle Guitar from New York

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Unser Bild zeigt Adam Rafferty in Aktion. (Foto: E. Kaiser)

Das neunte der »Traunsteiner Gitarrenkonzerte« schlug neue Wege ein. Zum ersten Mal kamen im Großen Saal im Rathaus Traunstein Stahlsaiten zum Klingen, technisch unterstützt von einem recht ansehnlichen elektronischen Equipment, das Erstaunliches ermöglichte, aber nie dominant war. Alfred Schillmeier, Gitarrenlehrer an der Musikschule Traunstein, hatte zu diesem Konzert einen Ausnahmegitarristen der Fingerstyle-Szene gewinnen können, den in Harlem geborenen und aufgewachsenen Gitarristen Adam Rafferty.


Der widmete sich zuerst dem Hardrock, rappte sich zu einer goldenen Schallplatte, tourte mit Jazz-Ensembles. Seit 2006 feiert er als Fingerstyle-Solist große Auftritte. »Vorher benutzte ich keine Finger (der rechten Hand) und hatte keinen Style« sagt er schelmisch von sich selbst. Sein Konzert in Traunstein begann er mit einem Country-Swing, dass einem Herz und Ohren aufgingen. »Mas que nada« von Jorge Ben Jor mit grandiosen Basslinien verband er konsequent mit »Tequila« – was soll’s! Nach einem mitreißenden »Get back« von den Beatles meinte er zufrieden: »Die Finger sind jetzt aufgewärmt« und setzte diese langgliedrigen, begnadeten »Werkzeuge« beglückend ein bei »Imagine« von John Lennon – da kam schon alles rüber, worauf man wartete!

»Autumn Leaves«, ein 1945 entstandenes Chanson, das Nat King Cole berühmt gemacht hat, spielte er mit unglaublichen, besinnlichen Flageoletts im Intro, ließ eine strikte Durchführung folgen. Und in Stevie Wonders »Superstition« (1972) reizte er die Möglichkeiten seiner Acoustic Guitar aus bis zum »geht nicht mehr« – da glaubte man eine ganze Band zu hören. Doch auch eigene »Lieder streute er ein, teils Beatles-beeinflusst, ein »R’a’R-Lied« zwischen Led Zeppelin und Queen, das er mit 16 Jahren gemacht hatte, oder eine Blues-Hommage an Ray Charles, und ganz was Eigenes, wunderschön sentimental und doch voller Kraft – er wird allen Gattungen gerecht. Da blieb einem schon vor Staunen der Mund offen, da schüttelte mancher verblüfft den Kopf, wenn er neben der virtuosen Leichtigkeit seines Spiels noch als »Human Beatbox« in extremer Vokalakrobatik ein Schlagzeug imitierte.

Neben seinen enormen musikalischen Qualitäten ist Adam Rafferty aber auch ein Entertainer erster Güte, der ohne Mätzchen und aufdringliche Gags, mit liebenswerten Kleinigkeiten, mit lockerer Körpersprache, vor allem aber mit seinem freundlichen Lächeln, oft auch Grinsen, bezauberte. Lässige Exaktheit und meisterliches Understatement zeigte er beim Disco-Klassiker »Dancing Queen« von ABBA; doch eine intensive Verbindung von »Groove and Melody« bei seiner »Dedication to Frank Sinatra and Count Basie«, dem Lied »Fly Me to the Moon« des Songwriters Bart Howard. »Simplicity« von Bob Seger zeigte eine weitere Facette seiner musikalischen Bandbreite.

»Ich bin dankbar für all die Möglichkeiten, die ich habe. Und ich bin auch dankbar für die Strapazen. Deshalb habe ich mein erstes Solo-Album “Gratitude“ genannt«, formulierte er einmal seine Lebenseinstellung. Mit dem nachdenklichen »She is leaving Home« aus dem Beatles-Album »Sgt.Peppers Lonely Hearts Club Band« beendete er sein Programm und ließ sich gleich darauf von den Gitarreneleven der Musikschule belagern und vereinnahmen. Engelbert Kaiser