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»Frühlingserwachen« – realistisch und surreal

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Viel zu entdecken gibt es auf dem »Trachtenbild« von Walter Angerer d. J., das das Programmheft der Kulturtage Bergen-Siegsdorf ziert. (Foto: Giesen)

Die Kulturtage von Bergen und Siegsdorf Mitte Oktober werfen ihre Schatten voraus: der Siegsdorfer Künstler Walter Angerer der Jüngere hat dafür ein beachtliches, einmal ganz ungewohntes »Trachtenbild« geschaffen.


Das 1,40 auf ein Meter große Acrylbild auf Leinwand, mit Öl überarbeitet, ist derzeit in Angerers Galerie im Schaumburger Schlössl in Traunstein zu sehen. Es lohnt sich, das Bild genau zu betrachten: Auf den ersten Blick handelt es sich um ein in Blau gehaltenes Winterbild. In der Abendstimmung versammeln sich viele Trachtendirndl auf einer Tischdecke, die auf dem Boden oder einem See zu liegen scheint, aber an den Rändern in Eis und kleine Eisberge übergeht. Im Hintergrund erhebt sich eine typisch bayerische Bergkulisse mit verschneiten Bergen, auf die das Licht der untergehenden Sonne fällt – möglicherweise eine Szene vom Königssee. Man assoziiert unwillkürlich Rembrandts Erkenntnis »durch Dunkelheit entsteht Licht«.

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Die Trachtendirndl hat Angerer der Jüngere aus seinem Skizzenbuch vom Gaufest in Siegsdorf vor einigen Jahren entnommen. Die jungen Dirndl sind einesteils durchaus real dargestellt mit Trachtenhüten und Dirndl, einige aber tragen symbolträchtige Kopfbedeckungen wie einen Blümchenkranz, einen großen Schmetterling oder eine Schnecke, die in eine Maske übergeht. Vorboten des Frühlings sind viele kleine, bunte Schmetterlinge, die über der Szenerie schweben oder auf der weißen Decke sitzen. Ein wichtiges, typisch bayerisches Detail im Bild sind die kleinen und größeren Schellen (eine Art Glocke), die mit ihrem Gebimmel nach altem Brauchtum bis heute den Winter vertreiben sollen.

Auffällig sind die witzigen Elemente im Bild: zum Beispiel am rechten Rand ein Steinbock – offensichtlich ein »geiler Bock« – dem beim Anblick der jungen Mädchen in der Vorstellung künftiger Freuden – schon der Geifer aus dem Maul rinnt – hier in Form von roten Pfeilen aus der Nase. Am unteren Rand des Gemäldes sitzen zwei Bachstelzen, die sich mit ihren Schnäbeln bemühen, einem Mädchen die Schürze zu lösen. Die Gesichter der Dirndl sind sehr realistisch mit viel Liebe zum Detail gemalt, alle völlig unterschiedlich. Angerer der Jüngere, vor allem überall bekannt durch seine Fraßbilder und Schattenskulpturen, ist schon immer fasziniert von der bayerischen Kultur des Brauchtums und der Tracht. Hier hat er ein fantastisches Werk geschaffen, das auch das Cover des Katalogs für die Kulturtage in Bergen und Siegsdorf (siehe Programm unten) ziert.

Der in Bad Reichenhall geborene Künstler absolvierte eine Ausbildung in Grafik und mehreren Sprachen in Salzburg, München und Paris. Anschließend war er als Texter, Designer, freischaffender Maler und Bildhauer, zuletzt auch als Komponist tätig. Seine Kunstwerke finden europaweit Beachtung.

Das beschriebene Bild kann ab Samstag in den Räumen der Gaststätte Hochfellnblick an der Mittelstation am Hochfelln besichtigt werden. Christiane Giesen

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