weather-image
21°

Fruchtbare Auseinandersetzung mit Rot, Gelb und Blau

1.5
1.5
Bildtext einblenden
Das Aquarell »Geplant, verplant, Saxophonist« von Friedrich von Mallinckrodt ist noch bis Samstag in der Frühjahrsausstellung zu sehen. (Foto: Giesen)

Ein offensichtlich sehr anregendes Motto hat sich der Kunstverein Traunstein für seine Frühjahrsausstellung in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus ausgesucht: »Who's afraid of Red, Yellow and Blue?« (»Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau?«), angelehnt an die gleichnamige Bildserie des amerikanischen Expressionisten Barnett Newman. Sie ist zwischen 1966 und 1970 entstanden und zeigt abstrakte Farbfeldmalereien. Der Titel war eine Referenz an Edward Albees Stück »Who's afraid of Virginia Woolf?«


Interessant zu sehen ist, wozu sich 65 Künstler des Kunstvereins Traunstein von dieser Vorgabe inspiriert fühlten. Die angewandten Techniken reichen von der klassischen Zeichnung über Malerei, Collage, Öl, Fotografie, Druck bis zu dreidimensionalen Arbeiten. Breit gefächert sind auch die Inhalte von narrativ über realistisch bis hin zur völligen Abstraktion. Humorvolle, witzige Arbeiten hängen neben kritischen oder Frage stellenden Werken.

Weltpolitisch und zeitaktuell präsentiert sich zum Beispiel die nur auf den ersten Blick witzige Montage »Virus« von Willee Regensburger mit den Zusammenballungen von unzähligen kleinen Plastiksoldaten. Monika Rackl spielt in ihrer Materialcollage auf die Auseinandersetzung zwischen China und Amerika an und Christa Bock-Köhler thematisiert in ihrer Installation »Zu Fall« mit überdimensionalen Mikadostäben und kleinen hilflosen Menschen darunter den derzeitigen Zustand der Welt, in dem alles zusammenzustürzen scheint.

Viele der Arbeiten setzen sich persönlich künstlerisch mit den drei Grundfarben auseinander. Klar abgegrenzte Flächen in den drei Farben präsentiert Horst Beese mit seinem Holzschnitt »Bildbetrachtung« mit einem ins Gespräch vertieften Paar. Zart und tiefgründig spielt auch Friedrich von Mallinckrodt bei seinem Aquarell »Geplant, verplant, Saxophonist« mit den Farben.

Ihrem Bildtitel gerecht wird Elisabeth Sebaldt in ihrer Arbeit »Achtsam sein« mit einem höchst sensiblen Umgang mit den Farben in feinster Abstufung. Bemerkenswert ist auch der Fotopapierdruck auf Aluplatte von Claudiha-Gayatri Matussek »Bist du mir grün?«. Was schließlich auch aus Farben entstehen kann, demonstriert Uli Reiter mit seinem »giveaway: red/yellow/blue«, einem vielfach benutzten Malerlumpen.

Neben vielen bildlichen Arbeiten gibt es auch einige kleine Skulpturen wie die aus Pappmaché und Gips gearbeitete Figur von Maria Freutsmiedl »Ich staune immer«. Ebenfalls eine Frau, aber ganz anders gestaltet, ist der kleine Betonguss »Verborgen« von Regina Victoria Schmidt. Bei dem interaktiven Kunstwerk eines Puzzlekastens von Helmut Mühlbacher ist der Besucher aufgefordert, die Klötzchen neu zu ordnen. Die kleine Installation von Luise Wittmann »Auch rot, blau und gelb« zeigt unzählige dünne Holzscheiben in einem durchsichtigen Behälter, die in sämtlichen nur vorstellbaren Farbschattierungen der drei Grundfarben gefärbt sind.

Bewusst aus dem Rahmen fällt das an exponierter Stelle gehängte Ölgemälde von Hildegard Bauer-Lagally »Sommerfest bei Mallinckrodts in Chieming«. Es ist eine Hommage des Kunstvereins an die erst kürzlich verstorbene Künstlerin (wir berichteten). Trotz der vielen völlig unterschiedlichen Techniken und Motive ist es dem Hängeteam gelungen, eine harmonische, einheitlich geordnete Präsentation zu schaffen, was natürlich auch dank der einheitlichen Größenvorgabe möglich war.

Die reichhaltige Präsentation lädt zum genauen und vertiefenden Betrachten ein. Die Möglichkeit dazu besteht bis einschließlich Samstag, 31. März. Die Ausstellung ist bis Freitag täglich von 10 bis 13 Uhr und am Samstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Christiane Giesen