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Frodeno und Haug siegen auf Hawaii - Drama um Lange

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Dritter Sieg
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Gewann zum dirtten Mal auf Hawaii: Jan Frodeno. Foto: Marco Garcia/AP/dpa Foto: dpa
Anne Haug
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Deutsche Siegerin auf Hawaii: Anne Haug. Foto: Marco Garcia/AP/dpa Foto: dpa
Ironman in Hawaii
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Patrick Lange fährt auf seinem Fahrrad. Foto: David Pintens/BELGA/dpa Foto: dpa

Das gab es noch nie: Frauen- und Männer-Gold bei der Ironman-WM auf Hawaii. Jan Frodeno schreibt auch allein mal wieder Geschichte, Anne Haug ebenfalls. Im deutschen Siegerjubel fehlt einer. Der Titelverteidiger. Patrick Lange gibt auf: Fieber, Schwindel.


Kailua-Kona (dpa) - Weit nach Mitternacht standen Jan Frodeno und Anne Haug wieder auf der Ziellinie, hielten sich mit Fans, Helfern und Konkurrenten an den Händen und sangen ergriffen das Hawaii-Lied.

Nach ihrem historischen ersten deutschen Doppelerfolg bei der Ironman-Weltmeisterschaft kosteten sie auch mit den letzten Finishern der unerbittlichen 3,6 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen jede Sekunde eines denkwürdigen Tages aus, der für Landsmann Patrick Lange auf einem wenig malerischen Parkplatz am Rande der Radstrecke brutal und früh zu Ende gegangen war. Der 33 Jahre alte Titelverteidiger musste aussteigen.

Nach Fieber in der kurzen Nacht vor dem Rennen gab er vor dem Donnerschlag in der Bucht von Kailua-Kona um 6.25 Uhr noch Entwarnung. Nach einer guten Stunde auf dem Rad klagte er aber über Schwindelanfälle. Lange sei schwarz vor Augen gewesen, berichtete sein Manager Jan Sibbersen. Dabei hatte sich auch Frodeno auf das Duell mit dem Titelverteidiger schon so gefreut, es geht auch um die deutsche Ironman-Vormacht.

»Ich war ein bisschen frustriert, als ich gehört hab, dass Patrick ausgestiegen ist«, kommentierte Frodeno nach dem Rennen: »Ich hatte ihn dann nur noch virtuell als Gegner.« Zur Strafe nahm der 38 Jahre alte gebürtige Kölner Lange auch noch den Streckenrekord ab.

Obwohl die Bedingungen diesmal mit einem sehr welligen Schwimmen und teilweise heftigem Wind auf der Radstrecke schlechter waren als bei Langes 7:52:39 Stunden vor einem Jahr, nahm Frodeno das Zielband auf dem Ali'i Drive nach 7:51:13 Stunden zwischen die Hände und ließ sich feiern. »Ich habe solange von diesem Tag geträumt«, sagte Frodeno mit dem Blätterkränzen im Haar und um die Schultern.

»Ich habe hier schon tolle und und auch schon ganz schwere Tage erlebt. Aber so einen Tag habe ich mir immer gewünscht«, betonte er. Frodeno stillte seine Sehnsucht nach einem perfekten Rennen. »Es ist so krass, wenn es funktioniert und dass man sich unterwegs überlegt: Du musst das jetzt genießen, auch wenn du voll am Limit bist. Du weißt aber nicht, ob du so krass hier noch mal an die Startlinie kommst.« Mit Tränen in den Augen gratulierte seine Ehefrau Emma als Erste.

Den Zweitplatzierten Timothy O'Donnell distanzierte Frodeno um 8:25 Minuten, Sebastian Kienle fehlten 10:40 Minuten auf seinen Kumpel: »Jan war in einer eigenen Welt«, kommentierte der 35-Jährige aus Mühlacker, der mit seinem WM-Triumph 2014 eine mittlerweile sechs Jahre währende deutsche Titelserie bei den Männern eingeleitet hatte.

»Jan hat diesem Rennen seinem Stempel aufgedrückt«, betonte der sechsmalige Hawaii-Gewinner Mark Allen. Beim Schwimmen ganz vorn mit dabei, beim Radfahren oft sogar an der Spitze und der klare Chef auf zwei Rädern, beim Laufen noch nie so schnell auf Hawaii.

Auch bei Anne Haug lief es, wie es sich die 36-jährige Fränkin erhofft hatte. Beim Schwimmen sogar noch besser als erwartet, fuhr sie auf dem Rag in einer starken Gruppe mit. Die acht Minuten auf die später Zweitplatzierte Lucy Charles-Barclay waren kein Problem. Nach siebeneinhalb Stunden übernahm Haug aus der Laufstrecke die Führung und kam mit über sechs Minuten Vorsprung in 8:40:10 Stunden ins Ziel.

»Das ist fantastisch, ich kann es selbst kaum glauben«, sagte Haug, der die Strapazen nicht anzumerken waren. Nach Platz drei vor einem Jahr nun auf dem obersten Podestplatz - als erste Deutsche. Nina Kraft war der Sieg 2004 wegen Dopings aberkannt worden. Zudem verpasste Laura Philipp gleich bei ihrem Debüt als Vierte das Podest nur knapp.

»Wir sind immer noch sprachlos nach dieser Nacht«, schrieb die Deutsche Triathlon-Union bei Instagram. »Sowohl Jan als auch Anne gehörten viele Jahre der Nationalmannschaft der DTU an und haben hier den Grundstein für ihre sportliche Karriere gelegt«, betonte Verbandspräsident Martin Engelhardt in einer Mitteilung am Sonntag. Und: Beide werden vom ehemaligen Bundestrainer Dan Lorang - auch Coach des neuen deutschen Radstars Emanuel Buchmann - trainiert.

Nicht allzuweit weg der mitreißenden, aber auch bewegenden und ergreifenden Finish-Line-Party um Mitternacht versuchte Lange die größte Enttäuschung seiner Ironman-Karriere zu verarbeiten. Ein Statement des entthronten Titelverteidigers und Rekordhalters gab es zunächst nicht. »Patrick geht es den Umständen entsprechend gut und bedankt sich herzlich für die vielen positiven Nachrichten«, teilte sein Management lediglich mit.

Der Sieger von 2016, als Frodeno trotz Verletzung das Rennen noch beendet hatte und 2017, als Frodeno wegen einer Stressfraktur in der Hüfte gar nicht am Start gewesen war, fiel nach einem blendenden Schwimmen auf der Radstrecke schnell zurück. Nach rund 70 Kilometern bremste er plötzlich ab und fuhr rechts ran. Lange krümmte sich über seinem Lenker.

Er rollte noch mal ein paar Meter auf dem Standstreifen, dann stieg er vom Rad und in einen geparkten Pkw. Nichts ging mehr. Nachdem die Saison schon mehr Tiefen als Höhen gehabt hatte und die Rennwoche auf Hawaii mit einem Radsturz seiner Frau und einem abgelehnten US-Visum für seinen Trainer Faris Al-Sultan denkbar schlecht begonnen hatte.

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Erfolge Lange

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Porträt Kienle