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Freiheit und Mut zur eigenen Handschrift

Die »Macher« auf Gut Immling (v. l.): Verena v. Kerssenbrock, Waltraud Lehner, Claus Hipp, Cornelia v. Kerssenbrock und Ludwig Baumann. (Foto: Plützer)

Das 17. Opernfestival auf Gut Immling wirft seine Schatten voraus. Die Proben für die neuen Opernproduktionen laufen bereits auf Hochtouren. »Die Hitparade der Opern haben wir nach 16 Festivals schon durch, jetzt fangen wir wieder von vorne an«, scherzt Intendant Ludwig Baumann. Dabei ist es lediglich Verdis »La Traviata«, die zum zweiten Mal auf der Programmliste unter den insgesamt vier Operninszenierungen dieser Saison steht und am 15. Juni zum Festivalauftakt Premiere feiern wird. Und auch sie wird natürlich wieder vollkommen neu inszeniert. Baumann ist stolz darauf, dass hier in Immling keine Tourneeproduktionen gezeigt werden, sondern eigene Produktionen entstehen, in denen die Künstler Freiheit und Mut zur eigenen Handschrift beweisen können.


Waltraud Lehner hat sich die Figur der Violetta, der »vom Weg abgekommenen«, wie Verdi seine »Traviata« im Untertitel benannte, zu Herzen genommen. Im letzten Jahr feierte die Regisseurin mit ihrer humorvollen Inszenierung von Mozarts »Figaro« auf Immling einen großen Erfolg, diesmal wendet sie sich diesem tragischen Stoff zu. »Verdi ist es bei La Traviata einfach unglaublich gut gelungen, die Dramaturgie und die Musik aufeinander abzustimmen«, freut sich Cornelia von Kerssenbrock, die musikalische Leiterin von Immling, auf die Zusammenarbeit bei dieser Inszenierung. Für die Hauptrolle wurde die Römerin Sonia Ciani engagiert, Cornelia von Kerssenbrock wird die Münchner Symphoniker dirigieren. »Ich versuche mit den Musikern und den Sängern gemeinsam die tiefen Emotionen der Musik zu wecken, sodass das Publikum hoffentlich wie ich bei den intensiven Stellen eine Gänsehaut bekommt«, unterstreicht die Dirigentin.

Dramatisch bleibt es auch bei Donizettis »Lucia di Lammermoor«, deren Premiere für den 6. Juli angesetzt ist. Lucia teilt ihr Schicksal mit den wohl berühmtesten Liebenden der Weltliteratur: Wie Julia kann auch sie sich mit ihrem Romeo alias Edgardo, gesungen von Xavier Moreno, erst im Tod vereinen. Die Partie der Lucia übernimmt in Immling die Koloratursopranistin Tatiana Larina, die bereits bei Engagements in Köln und Quebec auf sich aufmerksam machte.

Für das Bühnenbild konnte auch in diesem Jahr Claus Hipp gewonnen werden. Hipp, bekannt als Produzent für Babynahrung, ist Professor für Malerei an der staatlichen Kunstakademie in Tiflis und setzt die Inszenierung zusammen mit seinen Studenten um. »In dieser Oper geht es um den Kontrast zwischen dem Zwang der Konvention und der Sehnsucht nach Freiheit«, umreißt Hipp den Spannungsbogen, den es gilt, auf die Bühne zu bringen.

Und auch für das Bühnenbild des »Brandner Kaspar« zeichnet der vielseitige Künstler verantwortlich im Rahmen dieser 17. Opernfestspiele. Raffinierte Ebenen wurden hier verwirklicht, um die Welten des Diesseits und Jenseits zu gestalten. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr hat man sich entschlossen, die bairische Oper des zeitgenössischen Komponisten Christian Auer noch einmal auf das Programm zu setzen. Am 12. Juli geht's los, insgesamt sechs Mal ist sie zu sehen. Eine Neuaufnahme, die wieder ganz neue Facetten und spannende Details bringen möchte und auch einige neue Künstler in das Ensemble integrieren wird.

»Alcina« von Georg Friedrich Händel wird die vierte große Opernproduktion in dieser Saison sein. Premiere ist am ersten August. »Barock rockt auch heute noch«, ist sich die Spezialistin für diese Epoche, Cornelia von Kerssenbrock , sicher. Das Opernfestival von Immling ist immer wieder ein Sprungbrett für junge Künstlerinnen und Künstler. So ist die junge Regisseurin Christine Cyris auf jeden Fall solch ein Nachwuchstalent ebenso wie einige der Sängerinnen und Sänger, die beim Gesangsfestival des Opernfestivals auf sich aufmerksam gemacht hatten. Die Titelrolle der Alcina wird Sarah Zai Strauss übernehmen.

Nachwuchsarbeit liegt Intendant Ludwig Baumann auch mit einem Blick auf das Publikum am Herzen. »Wir tun alles, um die Jugend für die klassische Musik zu begeistern«, unterstreicht er. »Das Geheimnis des Rings« heißt seine Produktion einer »Oper für Einsteiger«, mit der er für die Musik von Richard Wagner begeistern möchte – »Der Ring«, runtergebrochen auf zwei Stunden.

Tschaikowsky und sein »Nussknacker« steht im Mittelpunkt der 10. Kinder-Kultur-Woche, die in den Sommerferien im August angeboten wird. Und auch der Kinderfestivalchor erfreut sich großer Beliebtheit. »Es ist schön zu sehen, wenn jetzt schon junge Erwachsene im großen Festivalchor mitsingen, die einmal bei einer Kinderkulturwoche begonnen haben«, sagt Baumann. Zwei »Schmankerl« ganz besonderer Art präsentiert das Opernfestival noch obendrein: Die 20 Kunststudenten aus dem Kaukasus von Claus Hipp werden im Immlinger Theaterzelt die Puppen tanzen lassen. Benannt nach dem Großvater Joseph Hipp haben sie ein Marionettentheater gegründet, mit dem sie Brecht und Shakespeare auf die bayerische Bühne bringen werden. Und zur großen Sommernachtsparty am 30. Juni gibt es keine Oper: dann rockt der Keller Steff mit seiner Band. Petra Plützer