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Frech, liebevoll und voller hintergründigem Humor

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Auf diesem Bild von Janosch ist auch die berühmte Tigerente zu sehen. Generationen von Kindern sind mit ihr aufgewachsen. (Foto: Rasch)

»Janosch, alias Horst Eckert, ist ein Künstler, der uns alle begeistert, Jung wie Alt, ein Begriff, der sich in die Herzen von Generationen gezeichnet hat«, würdigte Bezirkstagspräsident Josef Mederer bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung »Janosch radiert« im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon das Schaffen des Künstlers.


Die Ausstellung biete die einmalige Chance, sich von den Werken des mittlerweile 86-Jährigen begeistern zu lassen, so Mederer vor zahlreichen Gästen. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von der Heartcore-Combo der Musikschule Trostberg.

Motive aus Klassikern und neuere Arbeiten

Knapp 50 Radierungen werden in Kloster Seeon gezeigt, bekannte Motive aus Klassikern ebenso wie neuere Arbeiten. Die Werke sind frech, aber stets liebevoll, sie wirken einfach und sind doch voller hintergründigem Humor. Janosch hat die berühmte Tigerente geschaffen, aber nicht nur die. Über 200 Bücher hat er geschrieben. Manche Bücher erscheinen immer noch in jährlichen Neuauflagen und in über 30 Sprachen übersetzt, sagte die Kunsthistorikerin Elisabeth Rechenauer in ihrer Laudatio. Dem Münchner Verleger Georg Lenz, der mit Janosch Anfang der 1960er Jahre um die Häuser gezogen sei, verdanke der Künstler nach seinen eigenen Worten seine schriftstellerische Tätigkeit. Lenz soll sich mit den Worten geäußert haben: »Was der im Kopf denkt, das ist so absurd, dass er das aufschreiben muss.«

Was macht aber Janoschs Kunst aus, was macht sie so besonders? Das sei zum einen seine Fabulierkunst, seine Freude am Text, seine sprudelnde Fantasie, sein schier unerschöpflicher Erfindergeist in Wort und Bild betreffend, so die Kunsthistorikerin. Janoschs Bilder, gepaart mit seiner Erzählkunst im Bilderbuch spielten so perfekt ineinander, dass sie nicht nur bei der eigentlichen Zielgruppe größten Anklang fänden, sondern auch bei Erwachsenen und Kunstliebhabern. In seinen Bildern und Texten, auch in jenen mit vermeintlich heiler Welt, zeichne Janosch eine Gesellschaft, die von Gefahren und Ängsten, Verführung, Irrwegen und Reglementierung bedroht sei. Dagegen setze er Fantasie, Freundschaft und materielle Bedürfnislosigkeit und gebe damit Lösungsmöglichkeiten vor, sich auch den genannten Zwängen zu befreien.

Die meisten in Kloster Seeon gezeigten Arbeiten sind nach Angaben der Historikerin in einer Auflage von 99 beziehungsweise 199 Stück erschienen. Jede vom Künstler persönlich geritzt und handsigniert. Ein buntes Potpourri aus Janoschs Bilderwelt, die angeblich zehntausende Bilder umfasst. Wohlvertraute Protagonisten seien ebenso darunter wie weniger Bekannte, die unverkennbar Janoschs wunderbarer Fantasie-Welt entstammten.

Auch Alpenländisches dabei

Sogar Alpenländisches sei darunter – Buben und Mädchen tanzen den schönen Tanz Hupf-in-die-Luft und im Hintergrund ein paar Berge. Janoschs bildnerischer Schaffensdrang scheint bis heute noch nicht ganz zu versiegen. Zu seinem 85. Geburtstag im vergangenen Jahr seien drei großformatige Radierungen entstanden. Eine davon ist auch in der Ausstellung zu sehen mit dem Titel: »Sie heißt Marie und ich heiße Kater und ich bin von dem Kind wahrscheinlich der Vater.«

Das Leben des Künstlers, der heute auf Teneriffa lebt, sei von einem wenig liebevollen Elternhaus geprägt gewesen, beschrieb Alexander Lieventhal, der Janosch persönlich kennt, den Lebensweg des Künstlers. Nach der Flucht nach Deutschland sei der gebürtige Pole mit 15 Jahren seine eigenen Wege gegangen. In seinen Büchern habe er das Idyll nacherzählt, was ihm selber nie vergönnt gewesen sei.

Die Ausstellung im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon läuft bis 26. November. Man kann sie bei freiem Eintritt täglich von 10 bis 17 Uhr besichtigen. Als Rahmenprogramm zur Ausstellung veranstaltet Kloster Seeon Kreativworkshops und Führungen. Infos und Termine: www.kloster-seeon.de. Gabi Rasch