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Franz-Josef Fuchs spielt die »Vitamin C-Vergiftung«

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Das Stück »Vitamin-C-Vergiftung in Amsterdam« ist ein weiteres Ein-Personen-Stück mit Franz-Josef-Fuchs in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Ortner)

Am morgigen Donnerstag, um 20 Uhr ist es so weit: Die »Vitamin C-Vergiftung in Amsterdam« ist die Premiere der 55. eigenen Theaterproduktion der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Das Ein-Personen-Stück ist erneut eine Paraderolle für Franz-Josef Fuchs, der bereits in »Farinelli« und »Träume eines Clowns« eindrucksvoll bewiesen hat, dass er es vortrefflich versteht, Monologe und imaginäre Dialoge fesselnd und mit emotionalem Tiefgang so zu präsentieren, dass sich auch das Publikum einer gewissen Faszination nicht entziehen kann.

Ein kleiner Blick in den Probenraum: Es ist früh am Morgen. Franz-Josef Fuchs sitzt im Biergarten. Allein. Bekleidet mit einem schicken Frack. Woher er kommt? Wissen wir grad nicht. Ob's er noch weiß? Wissen wir auch grad nicht. Ist aber auch unerheblich. Der Mann hat andere Sorgen. Ihn beschäftigen andere Dinge, Ereignisse und Gedanken. Zum Beispiel Amsterdam. Und die Vitamin C-Vergiftung, die er sich da eingefangen hat. Diese erschreckende Erfahrung prägt ihn bis heute und ist Dreh- und Angelpunkt für seine ganz persönliche Sichtweise auf andere Dinge, die in seinem Leben passiert sind.

Kleine Ursachen, große Wirkung. Am Ende vielleicht sogar eine Katastrophe, deren Ausmaß dem Erzähler bisweilen scheinbar gar nicht klar ist, aber zu seiner ganz persönlichen, großen Erkenntnis führt. Zahlen? Eine fremde Größe. Worte? Ein Füllhorn an Möglichkeiten für Halbsätze und vor allem verdrehte Satzkonstrukte, Sichtweisen und Wortverdrehungen. Herrlich abstrakt und bisweilen ähnlich jenen, wie sie auch Karl Valentin mit Hingabe und Perfektion zelebriert hat.

Regisseur Dieter Woll plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Als er das Stück 1985 geschrieben hat, wollte er eigentlich »einfach nur etwas Ausgefallenes, Unvorhersehbares« zu Papier bringen. Herausgekommen ist ein grotesker Monolog, der sich irgendwo zwischen »zum Brüllen komisch und haarsträubend bizarrer Logik« bewegt. Inspiriert haben Woll seinerzeit einige Barhocker, die regelmäßig zu vorgerückter Stunde ihre eigene Lebensphilosophie zum Besten gegeben haben. Mit Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland ist die »Vitamin C-Vergiftung« in dieser Hinsicht auch 30 Jahre später sogar erstaunlich aktuell. Sind wir doch inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem sich viele ihre eigene Wahrheit und Sicht auf die Dinge zusammenstellen, basierend auf, durch die Medien vorgefilterten, Informationen und Fakten. Warum gerade Amsterdam? Warum nicht? Heute assoziieren viele mit der niederländischen Stadt die zahllosen Coffee-Shops. 1985 war sie für den Autor »eine schlichte Stadt in NL«, für seinen Protagonisten im Stück wurde sie nach seinem traumatischen Erlebnis zum Non-Plus-Ultra.

Dieter Wolls Weg zum Regisseur ist ebenso interessant wie ungerade. Spielen, Erzählen, Ärgern, Provozieren und Unterhalten hat er schon als Kind im Kreise seiner Geschwister ausprobiert. Tätigkeiten als Koch, Elektriker, Schreiner, Maurer, Grafiker und Musiker und ein Studium inklusive zeitweiligem Kellner- und Barkeeper-Dasein bildeten gewissermaßen die »Vorstufen und Steine« auf dem Weg zum »Traumberuf« als Schauspieler, Autor und Regisseur.

Seither hat er mit zahlreichen bekannten Akteuren wie Christian Tramitz, Barbara Rudnik und Gerd Silberbauer gearbeitet. Das Fernsehpublikum hat er unter anderem mit Episoden in »Marienhof« und »Dahoam is dahoam« unterhalten. Und auch die NUTS-Besucher sind und werden immer wieder mal mit seinen Regiearbeiten in Berührung kommen.

Weitere Spieltermine sind Donnerstag, 17. und 24. sowie Freitag, 18. November. Karten gibt es unter Telefon 0861/8431, www.nuts-diekulturfabrik.de, beim Zeitungskiosk Hörterer am Maxplatz in Traunstein und bei Schreibwaren Rother in Chieming. OM