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Frankfurt und Freiburg in der Krise - Vehs Galgenhumor

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Galgenhumor
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Der Frankfurter Trainer Armin Veh überdenkt neue Aberglaube-Maßnahmen. Foto: Fredrik von Erichsen Foto: dpa

Frankfurt (dpa) - Armin Veh flüchtet sich in Galgenhumor, Christian Streich zieht vor seinen Spielern den Hut: Auf gänzlich unterschiedliche Art versuchen Eintracht Frankfurt und der SC Freiburg mit dem alarmierenden Abstiegskampf umzugehen.


Ausgerechnet beide Europa-League-Teilnehmer sehen sich nach erfrischendem Fußball in der vergangenen Saison mit dem immer rauer werdenden Existenzkampf der Bundesliga konfrontiert. Während der Länderspielpause müssen Veh und Streich die Sofort-Hilfe-Maßnahmen intensivieren.

«Jetzt hilft wohl nur noch eine Glatze», meinte der Coach der Eintracht nach dem extrem bitteren 0:1 am Sonntag beim FSV Mainz 05, als er extra einen Trainingsoverall statt eines Anzuges trug, um aus Aberglaube mal was Neues zu versuchen. «Ich bewundere meine Spieler, mit welcher Disziplin und Haltung sie das alles mental hinnehmen», lobte Streich seine Kicker nach dem 1:3 gegen den VfB Stuttgart angesichts der Verletztenmisere und strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen.

Achtung hat Veh vor seiner Mannschaft natürlich auch. Doch die Situation wird angesichts von vier Pflichtspielniederlagen in Serie und insgesamt sieben Bundesligapartien ohne Sieg immer bedrohlicher. Besonders bitter: Der Tiefschlag in Mainz war die fünfte Begegnung, in der die Hessen in der 86. Minute oder später einen Gegentreffer kassierten. «Die Situation ist total beschissen für die Jungs. Sie hauen sich immer rein und werden zum xten mal bestraft», haderte Veh. Die Belastung fordert ihren Tribut, zumal Veh auf einen fixen Stamm an Spielern setzt.

Einsatz und Wille - das liefern auch die Breisgauer Woche um Woche. Doch der Ertrag sieht mager aus. Gerade mal acht Punkte haben sie in dieser Saison gesammelt. Die Frankfurter liegen mit nur zwei Zählern mehr als 15. immerhin noch vor den Freiburgern. Natürlich macht auch die ungewohnte Belastung aus Liga, DFB-Pokal und Europa League der Streich-Auswahl zu schaffen. Doch die lange Liste an Verletzten ist schon beängstigend. «Was die Mannschaft im Moment erlebt, ist unglaublich», klagte Streich. Jüngstes Mitglied im Club der Angeschlagenen oder Rekonvaleszenten: Julian Schuster. Wegen einer Stressreaktion im Mittelfuß wird der Kapitän rund sechs Wochen ausfallen.

Mit nur drei Punkten in der Europa-League-Gruppe H bangt Freiburg um das Weiterkommen. Trotz teils heftiger Rotation und der Fokussierung auf die Liga will Streich von Abschenken aber nichts wissen. Die Eintracht hingegen kann trotz der jüngsten 2:4-Blamage in Tel Aviv mit neun Zählern in Staffel F schon für die Zwischenrunde planen. Die Europa League als Ausrede lässt jedoch niemand gelten. «Es wäre viel zu einfach zu sagen, wir stehen da unten, weil wir in der Europa League spielen», meinte Torhüter Kevin Trapp.

Die Liste der Vereine, für die sich der internationale Fußball als Hypothek herausgestellt hat, ist lang. Der SC kennt das sogar aus eigener Erfahrung, 2002 stiegen die Breisgauer nach einer UEFA-Pokal-Saison ab. Auftritte im europäischen Scheinwerferlicht können jedoch auch belebende Wirkung haben. Hannover 96 etwa hangelte sich trotz langer internationaler Beteiligung im Winter 2011 bis auf Platz sieben in der Ligatabelle hoch.

Die Zeit der Endspielwochen ist für beide Clubs längst angebrochen. «Du musst Dich Woche für Woche neu beweisen», betonte Veh und nimmt seine Mannschaft in die Pflicht. «Wir haben noch fünf Spiele in der Hinrunde, und da ist einfach jedes ein Endspiel», sagte Freiburgs Stürmer Mike Hanke und ist sich der brisanten Ausgangsposition bewusst. Zwei Wochen Vorbereitung bleiben bis zur ersehnten Initialzündung. Dann will der SC beim Vorletzten Eintracht Braunschweig einen Dreier holen und Eintracht Frankfurt die Schalker in die Knie zwingen.