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Fluchtstollen beim Wendelbergtunnel fertiggestellt

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Vollendeter Fluchtstollen am Wendelbergtunnel in Melleck
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Ein direkt an die B21 angrenzender, 760 Quadratmeter großer Rettungsplatz säumt das Nordportal des Wendelbergtunnels. Foto: Staatliches Bauamt Traunstein

Schneizlreuth – Der Leiter des Staatlichen Bauamts Traunstein, Christian Rehm, nahm jetzt den neuen Fluchtstollen am 32 Jahre alten Wendelbergtunnel offiziell in Betrieb und informierte über den Bauablauf seit dem Baubeginn im Dezember 2017. Zusammen mit der Tunnelpatin Eva Simon stellte Rehm eine geschnitzte Figur der heiligen Barbara, die während der Bauzeit zum Schutz der Bergleute in der Baustelle stand, in eine Vitrine vor dem Tunneleingang.


Der Fluchtstollen wurde im Rahmen eines Nachrüstprogramms des Bundes erstellt, um ältere Tunnel auf den neuesten Standard zu bringen und so zu den sichersten der Welt zu machen. Die Modernisierung stellt zum einen eine Präventionsmaßnahme zur Vermeidung von Schadereignissen dar und soll Tunnelnutzern im Notfall eine Selbstrettung ermöglichen, ohne auf das Eintreffen von Rettungskräften warten zu müssen.

Der neue Rettungsstollen am Wendelbergtunnel besitzt eine Länge von 291 Metern. Mit einem Ausbruchsquerschnitt von rund 15 Quadratmetern verläuft er vom Nordportal in Ristfeucht parallel zum Haupttunnel in Richtung Süden bis etwa zur Hälfte des bestehenden Wendelbergtunnels.

Am Nordportal wurde zudem ein asphaltierter Rettungsplatz mit einer Fläche von rund 760 Quadratmetern erstellt. Er grenzt direkt an die Bundesstraße 21 an und stellt sicher, dass er von Rettungskräften schnell angefahren werden kann und ihnen ausreichend Platz bei Einsätzen bietet. Der Platz dient aber auch als Parkfläche für Servicekräfte.

Fluchtstollen beim Wendelbergtunnel in Melleck
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246 Meter lang und rund 4,5 Millionen Euro teuer: der neue Fluchtstollen beim Wendelbergtunnel. (Foto: Bauregger)

Der Rettungsstollen wurde auf einer Länge von circa 45 Metern in offener Bauweise erstellt und dann bis zum Durchschlag zum Haupttunnel 246 Meter in bergmännischer Bauweise in den Felsen getrieben. Hierbei fielen im Voraushub rund 6750 Kubikmeter Moränenmaterial und im Stollenbereich etwa 3800 Kubikmeter bergmännischer Ausbruch an. Der Stollen wurde beim Vortrieb mit circa 2500 Quadratmetern Spritzbeton gesichert. Für die erforderliche Innenschale des Tunnels im Lockergestein wurden zudem 470 Kubikmeter Innenschalenbeton verbaut. Die veranschlagte Bausumme von 4,5 Millionen Euro konnte leicht unterschritten werden. Die geplante Bauzeit von zwei Jahren wurde ebenfalls eingehalten.

Alle naturschutzrechtlichen Eingriffe, die durch die Maßnahme entstanden sind, konnten mit Ausgleichsmaßnahmen in unmittelbarer Nähe zum Tunnel ausgeglichen werden. Zusätzlich wurden mit der offiziellen Freigabe des neuen Rettungsstollens von den Vertretern der am Bau Beteiligten und der Tunnelpatin mehrere Obstbäume gepflanzt, um das neue Erscheinungsbild des Tunnelportalbereiches zu verbessern und auch dem Artenschutz der angrenzenden Bereiche Rechnung zu tragen.

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Eindrucksvoller Technikraum am Tunnelportal (v.l.): Eva und Wolfgang Simon, Christian Rehm, Martin Kaiser vom Straßenbauamt. (Foto: Bauregger)

Entsprechend dem alten Bergmannsbrauch wurden laut Christian Rehm mit dem Anschlag für den neuen Rettungsstollen im Dezember 2017 die Arbeiten am Stollen unter den Schutz der heiligen Barbara gestellt und eine Tunnelpatin benannt. Diese ehrenvolle Aufgabe übernahm Eva Simon, die Ehefrau des Bürgermeisters der Gemeinde Schneizlreuth. Während die heilige Barbara erfolgreich ihre schützende Hand über die Baustelle hielt, versorgte die Tunnelpatin die Mineure und Arbeiter während der gesamten Bauzeit und sorgte auf diese Art und Weise für ein kollegiales Zusammenarbeiten aller Beteiligten.

Als letzte Amtshandlung stellte nun Eva Simon die Barbarafigur in eine eigens vor dem Portal geschaffene Vitrine am Rettungsplatz. Von hier aus wird sie nun ihr schützendes Auge auf die Verkehrsteilnehmer im Tunnel richten. Als kleines Dankeschön und zur Erinnerung überreichte ihr Christian Rehm eine kleine Kopie der Statue und einen Blumenstrauß. Werner Bauregger

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Lageplan des Rettungsstollens in Melleck. (Grafik: Staatliches Bauamt Traunstein)

Artikelvorschau-/Rubriklistenbild: Montage (l. Bauregger; r. Staatliches Bauamt Traunstein)