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Filmmusik mit Jazz-Touch: Helbock spielt Williams

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David Helbock
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David Helbock ehrt John Williams. Foto: Joanna Wizmur/dpa Foto: dpa

Dass Jazzmusik Filme untermalt oder sogar selbst Kino-Thema werden kann, weiß man seit den 50ern. Der Jazz-Pianist David Helbock lässt jetzt seine Erinnerungen an die berühmten Filmsoundtracks von John Williams in ein Soloalbum fließen.


Berlin (dpa) - Jazz und Film, das war schon oft eine gute Verbindung. Etwa beim legendären Soundtrack mit Miles Davis' melancholischen Trompetenklängen für den Thriller »Fahrstuhl zum Schafott« (1958). Oder bei Dexter Gordons phänomenaler Sax-Performance in »Um Mitternacht« (1986).

Auch der österreichische Jazz-Pianist David Helbock ließ sich nun vom Kino inspirieren. Allein am Klavier spielt der 35-Jährige aus Koblach/Vorarlberg Filmmelodien des Hollywood-Klangmalers John Williams (87) - und er tut dies so faszinierend virtuos und humorvoll, dass man das große Orchester nie vermisst.

Williams' Filmmusik wurde ja soeben von der Weltklasse-Geigerin Anne-Sophie Mutter mit dem Album »Across The Stars« in die Klassik-Hitparaden katapultiert. Während Mutter mit ihrer Violine und dem Recording Arts Orchestra die wuchtig-epische Wirkung der Soundtrack-Melodien auskostet, wählt Helbock einen anderen Weg.

Es sind zwar auch hier überwiegend berühmte Williams-Stücke, die sich der Jazzer mit dem allgegenwärtigen Strickmützchen herausgesucht hat: also Soundtrack-Klassiker aus »E.T.«, »Indiana Jones«, »Jurassic Park«, »Harry Potter«, »Der weiße Hai« oder »Star Wars«. Aber Helbock fasst all diese vertrauten Melodien so unterschiedlich und so sensibel an, dass man nie den Eindrucks des schnöden Nachspielens oder einer gehobenen Barmusik hat.

Zumal das Thema aus Steven Spielbergs Oscar-Meisterwerk »Schindlers Liste« sowieso jeder Profanisierung trotzt. Diese Musik ist so unfassbar schön und bewegend, dass immer Kitsch-Gefahr droht - Helbock spielt sie angemessen hauchzart, aber ohne plumpe Sentimentalität. Und dann schiebt er der schweren Süße des Stücks sofort einen aufgekratzt swingenden »Superman March« hinterher.

»Er begleitet mich bereits mein ganzes Leben«, sagt Helbock über seine enge John-Williams-Verbindung. »Ich bin ein großer 'Star Wars'-Fan und kann mich auch noch genau erinnern, wie ich als Kind unzählige Male den Film 'E.T.' gesehen und mit dem außerirdischen Wesen und seinen menschlichen Freunden mitgefiebert habe.«

»Oder an 'Jurassic Park', mein erster Kinobesuch ohne Eltern«, fährt Helbock fort. »Auch das Wechselbad der Gefühle zwischen Faszination und Angst werde ich nicht vergessen, als ich den 'Weißen Hai' erstmals schaute. All das waren tief emotionale und prägende Erlebnisse für mich, und verantwortlich dafür war auch immer der Soundtrack zu den Filmen.«

Diese Musik sei »in den Filmen letztendlich aufgeblasen und toll orchestriert, aber im Kern ist John Williams vor allem ein großer Melodienschreiber«, sagt Helbock. »Diese treffen mitten ins Herz und lösen die Emotionen aus.« Er selbst habe »alles Mögliche mit John Williams' Musik gemacht, sie reharmonisiert, andere Taktarten verwendet und vieles mehr, um so natürlich auch meine eigene Stimme miteinfließen zu lassen«. Doch im Kern »bleibt die Melodie immer dieselbe, und so bleibt der Wiedererkennungseffekt erhalten«.

Auch weniger naheliegende Williams-Filmthemen aus »Catch Me If You Can« oder »Saving Private Ryan« werden mit Jazz-Touch interpretiert. So vergeht die Fusion-Stunde wie im Flug - eine Filmmusik-Adaption auf höchstem Niveau.

»David Helbock playing John Williams (Piano Works XIV)« ist wie andere Alben des Pianisten beim deutschen Label ACT erschienen. Die Platte wurde vom ACT-Gründer Siggi Loch in dessen Haus produziert und vom ebenso verdienten Klangmeister Klaus Scheuermann aufgenommen, gemischt und gemastert.

Zum Weiterhören - Piano-Jazz im Spätsommer/Herbst:

Jacob Karlzon: »Open Waters« (Warner): Im klassischen Piano/Bass/Schlagzeug-Trio präsentiert der Schwede hochmelodischen, intelligenten Jazz, der auch Fans des 2008 gestorbenen Esbjörn Svensson, von Martin Tingvall oder dem Bassisten Avishai Cohen gefallen dürfte.

Iiro Rantala »My Finnish Calendar« (ACT): Auf seinem dritten Soloalbum liefert der Finne eine ganz eigene Interpretation der zwölf Monate des Jahres - wunderbar einfallsreiche Klavier-Jazz-Etüden von Januar bis Dezember, die man aber natürlich auch »in einem Rutsch« hören darf.

Website David Helbock

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