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Festliches Kirchenkonzert zum Abschluss

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Die Solisten und der Chorleiter wurden nach dem Konzert mit Geschenken beglückwünscht (von links): Organist Michael Müller, die Solisten Heinrich Albrecht und Christian Giglmayer, Gesamtleiter Alfons Schmuck sowie die Solistinnen Sabine Schallinger und Lisa Schmuck. (Foto: Eder)

Quer durch zwölf Jahrhunderte Kirchenmusik zog sich das Programm des Kirchenkonzerts, das zum Abschluss der 25. Waginger Musiktage in der Pfarrkirche St. Martin in Waging erklang: von einem Gregorianischen Choral des 8. Jahrhunderts über Mozart und Haydn bis hin zu dem 1964 geborenen lettischen Komponisten Rihards Dubra.


Im Mittelpunkt des Abends stand Haydns Nicolai-Messe. Dargeboten wurde dieses eindrucksvolle Programm vom Waginger Kirchenchor, verstärkt durch Solisten, und von einem eigens dafür zusammengestellten Orchester. Die Leitung hatte Kirchenmusiker Alfons Schmuck. Das Konzert war mit rund 300 Besuchern sehr gut besucht. Diese begrüßten Orchester und Chor bereits mit freundlichem Applaus.

Hauptteil des Konzerts war die Nicolai-Messe für Solisten, Chor, Orchester und Orgel von Joseph Haydn. Ihren festlich-eleganten Charakter brachte der Chor zusammen mit den vier Solisten – Sabine Schallinger (Sopran), Lisa Schmuck (Alt), Christian Giglmayer (Tenor) und Heinrich Albrecht (Bass) – und dem Orchester hervorragend zum Ausdruck. Die Solisten hoben mit ihren schönen Stimmen den feierlichen Anruf etwa beim »Kyrie« oder die Jubelstimmung beim »Gloria« wunderbar heraus. Ein besonderer Ohrenschmaus war das Credo. Ab der Stelle »et incarnatus est« (»Er ist Fleisch geworden«) intonieren die Vokalsolisten einen Moll-Satz, um der Menschwerdung und dem Leiden Jesu den besonderen Akzent zu verleihen. Ab »et ressurexit« (»Auferstanden von den Toten«) dominieren dann wieder die Violinen und mit ihnen ein froher Ton. Mit dem kraftvollen, strahlenden »Amen« aller Mitwirkenden wurde das Glaubensbekenntnis nochmals bekräftigt.

Eingeleitet worden war das Konzert mit dem Gregorianischen Choral »Ubi caritas et amor« der Männerschola. Der lateinische Text des Chorals fordert zu Gottes- und der Nächstenliebe auf. Die einfache, einstimmige Melodie eines unbekannten Komponisten, die aus einer uralten Handschrift überliefert ist, bildete einen gewaltigen Gegensatz zu der prachtvollen Musik eines Wolfgang Amadeus Mozart, der für sein Gotteslob im »Te Deum« in C-Dur eine gewaltige Musikfülle aus Chor und Orchester geschaffen hat.

Ordentlich gefordert waren die Streicher und insbesondere Schmucks Nachfolger Michael Müller als Orgel-Solist beim nächsten, sehr umfangreichen Musikstück, dem »Concerto in F« von Johann Baptist Vanhal, einem ostböhmischen Komponisten des 18. Jahrhunderts. Die zumeist hellen Orgeltöne in langen Tonfolgen wurden von den Streichern behutsam begleitet und pointiert. Ein selten gehörtes Stück war das »Ave Maria« des Komponisten August Duck aus Krumau in Böhmen.

Zwei Werke stammen aus der Feder des lettischen Komponisten Rihards Dubra. Noch einmal erklang dabei das »Ubi caritas et amor«, das zu Anfang als Gregorianischer Choral gesungen worden war. Diesmal aber in einer zeitgenössischen Komposition, beeinflusst von der für hiesige Ohren etwas ungewohnten nordischen Tonsprache des Baltikums. Von Dubra stammte auch das vorletzte Werk des Abends, das »Vater unser« aus dem Werk »Lugsana-Prayer. Beide Dubra-Lieder sang der Chor a capella. Das Mozartwerk »Veni Sancte Spiritus« beendete schließlich das Konzert, dem sich ein gewaltiger Applaus des Publikums anschloss.

Als ein »wunderbares Konzert« lobte Pfarrer Andreas Ager die Darbietung von Chor und Orchester nach dem Schlussapplaus des Publikums und sprach auch den Besuchern ein »großes Vergelt's Gott dafür aus, das sie nach den einzelnen Stücken auf das Klatschen verzichtet haben: Das verdiene höchsten Respekt, so der Pfarrer. So könne nämlich die wunderschöne Musik noch nachklingen und werde nicht gleich durch die »Patscherei« wieder zerstört: »Sie sind ein sachkundiges Publikum«, lobt der Pfarrer die Besucher. Und dann sprach er auch noch allen Mitwirkenden und den Organisatoren des Kirchenkonzerts ein Vergelt's Gott aus. Hans Eder