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Fesselnde Geschichten

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Die Pianistin Lei Meng unterrichtet seit diesem Schuljahr an der Musikschule Grassau und präsentierte sich nun einem größeren Publikum. (Foto: Flug)

Die chinesische Pianistin Lei Meng unterrichtet neben ihrer Arbeit als Dozentin am Mozarteum bei Professor Klaus Kaufmann seit diesem Schuljahr auch an der Musikschule Grassau. Mit einem Benefizkonzert in der Aula der Grund- und Mittelschule hat sie sich nun einem größeren Publikum vorgestellt.


Das Programm bot den Hörern, darunter zahlreiche Jugendliche, viel Abwechslung. Lei Meng begann mit dem Rondo C-Dur op. 51/2 von Ludwig van Beethoven. Bereits hier wurde hörbar, was sich als roter Faden durch den Abend ziehen sollte: Kein Ton einer Melodie ist bei Lei Meng einfach so dahingespielt. Die Linien sind wohl durchdacht und voller Spannung, jeder Stimmungswechsel ist fein ausgelotet. Sie entlockt den Werken vielseitige Farben und Stimmungen, ohne dass dies je aufgesetzt oder übertrieben wirkt.

Lei Meng kann auf dem Klavier Geschichten erzählen, die das Publikum fesseln. In Grassau gehörte auch Beethovens Sonate »Les Adieux« dazu. Die Pianistin verstand es hervorragend, die programmatischen Titel »Der Abschied«, »Die Abwesenheit« und »Das Wiedersehen« mit Leben zu erfüllen.

Domenico Scarlattis Sonaten sind ursprünglich für die verschiedenen klingenden Manuale eines Cembalos komponiert. Werden sie auf dem modernen Klavier gespielt, so steht nur ein einziges Manual zur Verfügung. Auch hier bewies Lei Meng, wie sie dennoch durch verschiedene Klangfarben den Charakter eines Dialogs zaubern und die Sonaten zum Sprechen bringen kann.

In Frédéric Chopins Ballade in g-Moll weicht das kleingliedrige Zwiegespräch weiter gefassten melodischen Bögen und dramatischeren Passagen. Die unterschiedlichen Charaktere dieses Stücks stellte die Pianistin einerseits tonlich sehr variabel dar, andererseits erzählte sie diese Ballade wie aus einem Guss. Sie spannte einen Bogen, der große Zusammenhang ging nie verloren.

Lei Mengs Virtuosität war vor allem in Prokofjews dritter Klaviersonate und in schier unglaublicher Weise in den Variationen über einen Choral von Henri Dutilleux gefordert. Jede noch so anspruchsvolle Passage blieb bei ihr durchsichtig, ohne dabei an musikalischer Aussagekraft zu verlieren. Das Publikum war fasziniert und zu Recht begeistert.

Den Erlös des Abends spendete die Pianistin der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung und der Eigner-Stiftung, die beide die Musikschule Grassau in ihrer Nachwuchsarbeit unterstützen. Am 26. August gibt Lei Meng in der Villa Sawallisch zusammen mit Albert Osterhammer, Klarinettist bei den Münchner Philharmonikern, einen Duoabend. fb