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Feliciano Petry – ein Kunstsammler und Mäzen

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Galerist Wolfgang Fleischer (links) und Kunstsammler Feliciano Petry in der aktuellen Ausstellung in der »Kleinen Galerie«, links Pablo Picassos »Tochter Maya – die Erdgöttin« als Repro. (Foto: Eder)

Eine kleine, jedoch sehr vielfältige Ausstellung mit Malerei, Graphik und Skulptur ist zunächst bis Ende November in der »Kleinen Galerie« in Waging zu sehen. Der Kunstsammler Feliciano Petry gibt – erstmals überhaupt – einen klitzekleinen Einblick in seine Schätze, die er in seinem Haus in Kienberg beherbergt. Mit dabei sind neben zahlreichen Werken polnischer Künstler auch Werke von Koryphäen wie Dali oder Picasso.


Was einen Kunstsammler und Mäzen ausmacht, ist ein gesundes Maß an Exzentrik. Er fördert durch seine Sammelleidenschaft und Liebe zur Kunst noch nicht so bekannte Künstler durch Erwerb seiner Arbeiten oder durch Beschaffung von Materialien wie Farbe und Leinwand oder Marmor für Bildhauer. Oder er vermittelt Auftragsarbeiten oder die Finanzierung von Ausstellungen und Messen.

Der Mäzen ist ein Gönner, mit Freude an Menschen, die eine künstlerische Ader haben. Um Mäzen zu werden, bedarf es keiner großen Aktionen, da sie bereits im Kleinen Großes bewirken. Und wenn eines Tages der Künstler an gewisser Popularität gewonnen haben sollte, freuen sie sich mit ihm, bei seiner künstlerischen Entstehung mitgewirkt zu haben und selbst ein Gutes Werk vollbracht zu haben. Und außerdem haben dessen Werke dann an Wert zugewonnen.

Picasso, Dali oder Miró persönlich kennengelernt

So einer ist Feliciano Petry aus Kienberg. Er hat Künstler wie Picasso, Dali oder Miró persönlich kennengelernt, in seinem Haus gibt es kaum eine Wand- oder Ablagefläche, die nicht voller Kunstwerke stünde. Stundenlang kann er über Kunst reden, vor allem auch über seine geliebten Künstler aus Polen, die den größten Teil der Gemälde ausmachen. Petry, der in Köln aufgewachsen ist und jetzt mit seiner Frau Jasmin in Kienberg wohnt, ist Kunstsammler aus Leidenschaft und Besitzer ungezählter Schätze. Einige davon sind in der »Kleinen Galerie« in Waging zu sehen.

Neben Gemälden, Skulpturen, Glas- und Metallwerken, ägyptischen und asiatischen Bronzen finden sich in der Sammlung Werke des Naturalismus, magischer Realismus, Collagen, Konstruktivismus und auch Fotografien sowie Bücher und schallplatten.

Die Sammelleidenschaft sei eine gewisse Familientradition, erzählt Feliciano Petry. Der Großvater habe schon sehr früh fotografiert, habe zudem als Schreinermeister ein Feingefühl für Kunst entwickelt und begonnen, Gemälde zu erwerben. Der Vater habe die künstlerische Seite der Familie weiterentwickelt, zudem Musikinstrumente gesammelt – allerdings ist all dies verschwunden, im Bombenhagel über Köln untergegangen. So blieb es Sohn Feliciano überlassen, das sammlerische Erbe der Familie fortzuführen.

Beruflich hatte er damit allerdings nicht das Geringste zu tun. Er war Diplom-Ökonom und arbeitete zunächst in Paris im Management von Renault, später dann bei VW in Wolfsburg. Seine zahlreichen Dienstreisen, Urlaubsaufenthalte, Kontakte zu vielen, vor allem jungen Künstlern, nicht zuletzt auch seine Sprachkenntnisse – die Mutter war Spanierin – brachten den jungen Feliciano, Jahrgang 1933, endgültig auf dem Weg zum fast schon zwanghaften Kunstsammler.

Faible für Künstler aus Osteuropa

Durch die Bekanntschaft mit einem polnischen Künstler entdeckte er die Kunst der osteuropäischen Länder, die in seiner Sammlung den bei weitem größten Platz einnimmt. Der polnische Realismus in seinen unterschiedlichen Gestaltungsformen, so fasst Petry seine Wertschätzung zusammen, ob in der Malerei, der Graphik oder auch mit anderen Grundmaterialien, besteche durch enorme Kräfte, wie man sie hierzulande kaum kenne.

Das erste Kunstwerk aber, das Petry erworben hat, stammte von einem afrikanischen Prinzen, den er in Paris kennengelernt hat: Den Preis dafür habe er in zwölf Monatsraten abgestottert. So hat er bis heute noch eine hohe Affinität zu afrikanischer Kunst und besitzt davon auch einige interessante Beispiele. Bei einem Rundgang durch das Haus zeigt Petry seine Schätze und verweist dabei vor allem auf jene Bilder und Skulpturen, die er in Waging zeigt. Da sind zunächst natürlich seine polnischen Lieblingsbilder. Auch ein bayerischer Maler ist dabei: der Münchner Hermann Böbel (gestorben 1990) mit dem Blumenbild »Anemonen«. Und dann werden da natürlich in Waging einige Schmankerl der ganz Großen zu sehen sein: ein Repro-Druck von Picassos »Maya« oder eines Selbstporträts von Dali.

Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag von 9 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, am Samstag von 9 bis 14 Uhr, Telefon 08681/4776766. Hans Eder