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Fehlstarts für van Gaal und Deschamps

Berlin (dpa) - Vier Gegentore und «drohende Migräneanfälle»: Die Neustarts von Frankreich und den Niederlanden sind für ihre neuen Fußball-Trainer in einem mittelschweren Debakel geendet.

Ruhig
Bondscoach Louis van Gaal blieb nach der 2:4-Pleite gegen Belgien ruhig. Foto: Koen van Weel Foto: dpa

Louis van Gaal war nach dem 2:4 seiner «Oranje»-Truppe in Belgien «schockiert von einigen individuellen Fehlern» und Didier Deschamps musste nach dem mauen 0:0 der verjüngten «Bleus» gegen Uruguay Pfiffe von den Fans und Häme von den Zeitungen über sich ergehen lassen.

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«Das war zum Einschlafen», schrieb die Sportzeitung «L'Équipe». Und Starkolumnist Vincent Duluc vermutet, Deschamps habe vor der WM-Qualifikation mit Welt- und Europameister Spanien in der Gruppe nun gleich «mehrere Gründe für Migräneanfälle». Gegen abgeklärte Südamerikaner hatte Deschamps Nachwuchsteam, in dem acht Akteure bei der EM noch nicht dabei waren, zwar 70 Prozent Ballbesitz - aber kaum Torchancen. Nur eine Möglichkeit für Bayerns Flügelstürmer Franck Ribery und zwei Pfostentreffer sprangen im Stade Océane von Le Havre heraus. Trotzdem sah der Trainer: ein «eher befriedigendes» Spiel.

Zumindest über fehlende Tore konnte sich Louis van Gaal bei seinem Comeback nicht beschweren - allein die fielen zu oft auf der falschen Seite. Mit 2:1 hatten die Niederländer durch einen Doppelschlag von Luciano Narsingh (54.) und Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (55.) schon geführt. Doch dann stellte Belgien das Ergebnis in fünf Minuten auf den Kopf und führte van Gaal die Schwächen seiner Abwehr vor. «So kannst du nicht gewinnen», erkannte er nach dem 2:4 (0:1).

Der frühere HSV-Profi Rafael van der Vaart suchte die Gründe für die Pleite bei seinem 100. Länderspiel im frühen Spieltermin. «Wir sind noch in der Saisonvorbereitung», sagte er dem Internetportal NUsport. «Wir haben neue Spieler, wir haben ein neues System und einen neuen Trainer.» Der setzte im Sturm auf Huntelaar - und Robin van Persie auf die Bank. Englands Torschützenkönig, gerade für 29,2 Millionen Euro von Arsenal London zu ManUnited gewechselt, sei zu wenig Mittelstürmer, sagte van Gaal und eröffnete den Kampf der Knipser. Seine Hoffnung: «Ein Duell auf hohem Niveau» - zumindest im Sturm.

Für Hoffnung könnte nur der ebenso schwache Auftritt des ersten WM-Qualifikationsgegners Türkei in Wien beim 0:2 gegen Österreich sorgen. Der erste Sieg über den ehemaligen WM-Dritten seit 24 Jahren rückte allerdings in den Hintergrund, weil HSV-Neuzugang Paul Scharner für einen Eklat sorgte: Nach einem angeblichen Streit mit Coach Marcel Koller um seine Einsatzzeiten reiste der 32-Jährige ab - und wurde vom Nationaltrainer umgehend aus der Mannschaft geworfen. Österreichs Mittelfeldspieler Andreas Ivanschitz vom FSV Mainz 05 sprang Koller zur Seite: «Eine Stammplatzforderung gibt es im modernen Fußball nicht. Das ist kein Punkt, den man fordern kann.»

Gut vier Wochen vor dem Qualifikationsduell gegen Deutschland zeigte sich die ÖFB-Auswahl gut gerüstet. «Ich finde, der Sieg geht in Ordnung, auch wenn wir spielerisch nach vorne noch Luft nach oben haben», sagte Kapitän Christian Fuchs von Schalke 04. Nach dem vierten Sieg in Serie erkenne er «eine Tendenz, dass eine gewisse Konstanz da ist». Deutschlands erster Quali-Gegner Faröer Inseln kam bei der 0:2-Niederlage auf Island zumindest zu einem Achtungserfolg. Auch Schweden hielt gegen Brasilien lange mit und musste sich erst durch zwei Tore in der Schlussphase mit 0:3 (0:1) geschlagen geben.

Revanche für das verlorene EM-Viertelfinale nahm England beim 2:1 (1:1) gegen Italien. Italiens Trainer Cesare Prandelli hatte auf den Nachwuchs gesetzt und war nicht unzufrieden. «Auch wenn Niederlagen in Freundschaftsspielen immer wehtun, helfen sie doch weiter», sagte er. «Einige junge Spieler sind schon soweit, andere müssen in der Liga noch konstanter werden.» Auch die «Gazzetta dello Sport» hielt sich zurück: «Das Baby-Italia weiß zu gefallen, verliert aber.»

Finanziell dürfte sich unterdessen sich die Reise von Spanien nach Puerto Rico gelohnt haben: Die Iberer setzten sich mit 2:1 (2:0) durch und sollen für den Auftritt rund drei Millionen Euro kassiert haben. Santi Cazorla (42.) und Cesc Fabregas (45.) trafen vor der Pause, Marc Cintron (65.) sorgte für das viel umjubelte Anschlusstor.

Ein historischer Erfolg gelang Jürgen Klinsmann, der die USA in Mexiko City zum ersten Sieg beim mit London-Gold dekorierten Nachbarn führte. «Das ist ein riesiger Sieg für unsere Fans und unser Team», sagte Klinsmann nach dem 1:0. Dagegen überschatteten Pfiffe gegen Kapitän Andrej Arschawin das Debüt von Fabio Capello als russischer Nationaltrainer. Die Fans kritisieren den Stürmer für Äußerungen nach dem frühen Aus bei der EM. Das Spiel gegen die Elfenbeinküste endete in Moskau 1:1.