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Faszinierende Spiegelungen im Blickwinkel der Wahrnehmung

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Die Künstlerin Monika Rackl neben ihrem Bild »Im Frühjahr«. (Foto: Giesen)

Spiegelungen vieler Art, Naturbeobachtungen, das in der Natur Verborgene sichtbar zu machen – das ist das Anliegen der in Gollenshausen lebenden Künstlerin Monika Rackl.


Das gelingt ihr hervorragend bei der gegenwärtigen, wohltuend in sich geschlossenen, harmonischen Ausstellung unter dem Titel »Blickwinkel und Empfindung – Malerei im Spiegelbild der Wahrnehmung«. In der kürzlich neu eröffneten ChiemSeebruckGalerie in Seebruck präsentiert Monika Rackl knapp 30 ihrer meist großformatigen Acrylbilder auf Leinwand, die alle unter dem Aspekt der Spiegelungen innerhalb der letzten drei Jahre entstanden sind.

Mit diesen Spiegelungen bringt sie nicht nur ihre Verbundenheit zur heimischen Natur, besonders den verschiedenen Gewässern zum Ausdruck, sondern zeigt auch ihre ganz besondere, berührende Herangehensweise an Naturerscheinungen. Die Künstlerin beobachtet ganz genau, ist oft mit dem Fotoapparat unterwegs, mit dem sie bestimmte, immer schnell vergängliche Momente wie Spiegelungen im Wasser und Stimmungen in der Natur festhält. Dann fertigt sie meist mehrere Skizzen an, bevor sie ein Naturphänomen in Acrylfarben auf die Leinwand bringt.

Dabei kommt es ihr besonders darauf an, auch die ursprüngliche, beim ersten Blick empfundene Emotion im Bild festzuhalten. Monika Rappl arbeitet mit mehreren transparenten, meist sich überlagernden Farbschichten. Ihre Farbpalette ist ungemein vielschichtig – nirgends leuchtende, grelle Farben, stattdessen feine Abstufungen von blau, grün, grau, braun oder hellem rot, die durch ihre Überlagerungen eine besondere Raumtiefe und weiten Bildraum schaffen. Monika Rackl, 1964 in München geboren, wuchs am Chiemsee auf und legte das Abitur 1984 am Landschulheim Schloss Ising ab. Auch während ihres Studiums der Betriebswirtschaft in München beschäftigte sie sich immer mit bildender Kunst und erhielt zum Beispiel 1985 den ersten Preis bei einem Fotowettbewerb der limnologischen Station Seeon. Sie absolvierte vielfältige Fortbildungen, unter anderem ein dreijähriges Fernstudium an der Axel-Andersson-Akademie in Hamburg, an der Sommerakademie in Hohenaschau, in Bad Reichenhall, um nur Einiges zu nennen, und nahm an mehreren Malreisen mit namhaften Künstlern teil. Seit 2004 beteiligte sich Rackl an zahlreichen Ausstellungen in der Region bis München und Dachau.

Bei der sehr gut besuchten Vernissage der Ausstellung hielt der Vorsitzende des Kunstvereins Traunstein, Herbert Stahl, eine kunstgeschichtlich fundierte, einfühlsame Einführung in die Bilder Monika Rackls, wobei er besonders auf die verschiedenen möglichen Arten der Wahrnehmung einging. Wer sich darauf einlässt, dem können Monika Rackls Bilder neue und andere Blickwinkel eröffnen und so auch eine Befreiung von konventi-onellen Seh- und Denkgewohnheiten eröffnen.

Die Spiegelungen Rackls sind völlig unterschiedlich und vielfältig – es kann eine Wasserpfütze sein, eine Armatur, eine Glastüre, die Scheiben eines Autos oder die Kuppel der Bayerischen Staatskanzlei. Immer richtet sich der Fokus auf das Verborgene, das die Künstlerin – möglichst subtil – sichtbar machen möchte. Geschickt verwendet sie beim Malen oft einen konkreten, realistisch wiedergegebenen Anhaltspunkt, zum Beispiel die Schilfblätter beim großartigen, erst kürzlich fertiggestellten »Im Frühjahr«. Der Blick des Betrachters kann von diesem Vertrauten ausgehend sich auf die weiteren, geheimnisvollen, fast mystischen Bildräume mit ihrer eigenen, ganz rätselhaften Stimmung einlassen. Andere Bilder sind völlig abstrakte Bildflächen, in denen der Betrachter aber dennoch immer wieder Konkretes zu erkennen scheint.

In »Aus der Tiefe« könnte vielleicht ein Frosch, ein Ungeheuer … aus dem Wasser auftauchen, in »Wasserzeichen«, die die Wolken spiegeln, könnte der Betrachter Manches erkennen. »Ich erfinde nichts, ich sehe, was ich male«, erklärt die Künstlerin zum Beispiel ihre drei bewegten und bewegenden »Wasserzeichen« oder das Triptychon »Spiegelung«, das immer auch die natürlich sub-jektiven Emotionen Rackls zum Ausdruck bringt. Der Betrachter ist eingeladen, sich einzulassen, zu entdecken und wird sicherlich immer wieder neu fündig werden.

Die besonders sehenswerte Ausstellung ist in der ChiemSeebruckGalerie, Pullacher Straße 10, in Seebruck, bis einschließlich Sonntag, 22. November, montags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, von Freitag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr. Christiane Giesen