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Faszinierende Klangkunst aus Fernost

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Die Fotos zeigen Kineya Gosami (l.) und Yokota Reiko im Kunstraum Klosterkirche. (Fotos: Heel)
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Einen faszinierenden Einblick in die Musikwelt des alten wie des modernen Japan bot das Konzert im vollbesetzten Kunstraum Klosterkirche, zu dem zwei hochrangige Instrumentalisten zusammen mit sieben weiteren Musikerinnen und Sängerinnen aus Japan gekommen waren. Ein Konzert, bei dem zwei traditionelle japanische Musikinstrumente, die Shakuhachi (eine Bambusflöte) und das Shamisen (ein dreisaitiges Lauteninstrument) zum Einsatz kamen, zum einen als Form einer religiösen Übung, zum anderen als moderner Ausdruck schöner Künste.


Zum besseren Verständnis ging der Aufführung ein kurzer Vortrag von Abt Fumon S. Nakagawa Roshi aus dem Zen-Kloster in Eisenbuch (nördlich von Marktl) voran. Nakagawa betonte dabei, dass Zen keine Lehre sei, keine Antworten oder gar Lösungen anbiete, sondern ein Aufruf sei, den »weglosen Weg« zu gehen, konzentriert auf den gegenwärtigen Augenblick und stets bereit, loszulassen und sich selbst zu vergessen. Mit Yokota Reiko trat anschließend ein Meister der Shakuhachi auf, die im alten Japan vor allem von Zen-Mönchen gespielt wurde, die Atemtechnik und die ruhigen Töne dazu nutzten, sich in einen tiefen meditativen Zustand zu versetzen. Er stellte, teils als Solist, teils im Zusammenspiel mit Fumon Nakagawa und Yoshihara Rie, drei klassische Shakuhachi-Stücke vor.

Das erste Stück, »Kumoi-Jishi«, wird gewöhnlich von Zen-Mönchen als Alltagsübung oder beim Bettelgang am Nachmittag gespielt. Auch »Yobikaeshi Shika-no-Tone«, das zweite Stück, war ein alter religiöser Klassiker, eine Vertonung der Rufe von Rehböcken tief im Gebirge, deren Echo von den Felswänden zurückgeworfen wird. Das letzte Stück hieß »Ohshu-Sashi«, bei dem es im Gegensatz zu den klassisch-religiösen Werken den Meistern erlaubt ist, sehr individuell und spontan zu spielen. Auch hier paarte sich technische Perfektion mit tiefer Empfindsamkeit, gewöhnungsbedürftig für westliche Ohren war lediglich die rhythmisch freie und vergleichsweise langsame Spielweise.

Bei dem Stück »Meikyo« (Klarer Spiegel) kam die Shamisen-Spielerin Kineya Gosami hinzu und interpretierte zusammen mit Yokota Reiko das 1975 entstandene Werk, eine interessante Kombination zweier klassischer Instrumente in moderner Fassung.

Das letzte Stück bestand aus Gesang und Shamisenspiel; 1840 komponiert, begleitet diese Musik seither traditionell das Kabuki-Theater-Stück »Kanjincho«, das zu bekanntesten und beliebtesten seiner Art zählt. Es geht darin um die Geschichte der Flucht eines berühmten und beliebten Samurai im 12. Jahrhundert, entsprechend intensiv und rhythmisch dicht war das Spiel.

Nur verständlich also, dass es viel Applaus für dieses betörende Klangerlebnis gab. Veranstaltet wurde das Konzert vom Zen-Kloster Eisenbuch. Wolfgang Schweiger