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Familiäres Traunsteiner Sonntagskonzert mit Thomas Hartmann und Felicia Graf

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Felicia Graf und Thomas Hartmann konzertieren im Großen Saal des Traunsteiner Rathauses »vor überschaubarem Publikum«. (Foto: Kaiser)

»Vor überschaubarem Publikum«, wie es der Pianist Thomas Hartmann gut gelaunt formulierte, fand ein weiterer Abend der Reihe »Traunsteiner Sonntagskonzerte« statt, diesmal im Großen Saal des Rathauses. Als Violinpartnerin von Thomas Hartmann begeisterte Felicia Graf, die heuer ihre »künstlerische Reifeprüfung« an der Musikhochschule Augsburg bei Prof. Linus Roth und Christoph Henschel vom »Henschel Quartett« absolviert hat, die Zuhörer in einem anspruchsvollen Kammerkonzert mit unbefangener, sympathischer Moderation.


Das Konzert begann mit Ludwig van Beethovens (1770-1827) Sonate Es-Dur op. 12 Nr. 3 in drei Sätzen: »Stürmisch und gefühlvoll – der ganze Beethoven steckt drin«, charakterisierte Felicia Graf dieses Werk. Der »Allegro-con-spirito«-Satz bot energisches pianistisches Ungestüm, kontrastiert von einem bewusst und sauber ausgespielten Geigenpart. Das Adagio war »mit großem Ausdruck« ein wirkungsvoller Gegensatz dazu, mit wenig und klug eingesetztem Vibrato und lebendiger Begleitung aufeinander eingestimmt. Das Schlussrondo gingen die beiden Musiker temperamentvoll zupackend an und musizierten es munter aus.

In den Jahren 1913/14 entwarf Leos Janácek (1854-1928) seine Sonate für Violine und Klavier, ein Werk von hohem technischen und musikalischen Anspruch. »Con moto« im Wechsel von bestürzender Aggressivität und mitreißender Zärtlichkeit entwickelte sich der 1. Satz. Die elegische »Ballada« faszinierte durch den suggestiven Erzählton der Violine. Das skurril-rätselhafte Allegretto entwickelte aus folkloristischen Themen unvermittelt harte Dissonanzen, das folgende Adagio dagegen steigerte sich nach geheimnisvollem Beginn zu hymnischer Ekstase – ausgesprochen sinnliche Musik!

Der jüdischen Mystik zufolge kann sich der Mensch durch eine Melodie (»Nigun«) auf eine transzendente Ebene erheben, vor allem die Sabbat-Gesänge tragen dazu bei. Das spürten die Zuhörer bei der Interpretation von »Nigun« aus dem Werk »Baal Shem« (1923) von Ernest Bloch (1880-1959), das Felicia Graf mit großer Hingabe und edlem Ton darbot, mit perfektem Verständnis von Thomas Hartmann begleitet.

Als der große österreichisch-ungarische Geiger Joseph Joachim 1853 in Düsseldorf konzertierte, schrieben zu seiner Begrüßung Robert Schumann, dessen Schüler Albert Dietrich und Johannes Brahms gemeinsam eine Violinsonate, in die Joachims Lebensmotto F.A.E. (»Frei, aber einsam«) thematisch eingearbeitet werden sollte. Brahms fiel der 3. Satz, ein Scherzo zu – er machte daraus ein wildes, ausuferndes Klavierstück mit einem untergeordneten, recht undankbaren Violinpart.

Dieser musikalischen Explosion eines 20-Jährigen stellten Felicia Graf und Thomas Hartmann das »Adagio« des 50-jährigen Brahms aus der d-Moll-Sonate gegenüber, »eine der schönsten Melodien, die je komponiert worden ist« (Thomas Hartmann) – ein wohlklingender, wohltuender Ausklang eines intimen Kammerkonzerts. Engelbert Kaiser