weather-image
26°

Familiäre Matinee der Musikschule Traunstein

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Unser Bild zeigt die Musikschüler und ihre Lehrer mit (von links hinten: Sebastian Krause, Joseph Schillinger, Maria Bittel, Bibiana Mathes, Hannah Unterreitmeier, Anna-Maria Schuhböck, Johanna Hartmann; ganz vorne: das Klavierduo Alina Scherl und Nina Mayer. (Foto: Kaiser)

Zum vierten Mal schon hatte die Musikschule Traunstein ihren vielversprechenden Nachwuchs zum Vorspiel um den Förderpreis des Vereins »Freunde der Musik« eingeladen – drei Instrumentalsolisten und ein Duo stellten sich den Erwartungen bei einer bezaubernden Matinee im Kulturzentrum im Stadtpark.


Das Klavierduo Alina Scherl und Nina Mayer aus der Klasse von Maria Bittel, beide sind neun Jahre alt, bereitet sich gerade auf den Wettbewerb »Jugend musiziert 2015« in der Altersklasse 1 b vor. In aufmerksam abgestimmtem Zusammenspiel strukturierten sie exakt und auch recht selbstbewusst ihre Vortragsstücke, »Reigen mit zwei Zwischenspielen« von Daniel Gottlob Türk, dem Komponisten zahlreicher »Handstücke« für Klavier zu zwei und vier Händen, und »Kleines Märchen« aus den Kinderstücken des Alexandr Gretschaninow. Den »Spaziergang mit Strohhut« von Martha Mier (1936 geboren, in Florida lebend) brachten sie in swingendem Rhythmus an die Zuhörer – ihr Spiel versprach viel für die Zukunft.

Anna-Maria Schuhböck, Klarinettenschülerin von Gabi Oder, wurde zuverlässig von ihrer Partnerin Hannah Unterreitmeier begleitet, mit der sie 2013 den 3. Preis im Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« errungen hat. 2012 wurde sie mit dem 2. Preis im Bundeswettbewerb/Kategorie Soloinstrument bedacht; heuer nimmt sie wieder daran teil. Den langsamen Satz aus dem Klarinettenkonzert Es-Dur von Franz Krommer phrasierte sie mit klarem Klarinettenton bezaubernd aus. In »Sholem-alekkhem, rov Feidman!« von Béla Kovács bewies sie nach den hohen rhythmischen Anforderungen der Einleitung sicheres Gespür für das Klezmer-Moll-Feeling mit seinen Temposteigerungen und seinem expressiven, technisch anspruchsvollen Finale.

Bibiana Mathes spielt seit sieben Jahren Querflöte, wird seit einem knappen Jahr von Johanna Hartmann unterrichtet, die ihr Zuverlässigkeit und Zielorientierung attestiert – so will sie am Chiemgau-Gymnasium das »Musikadditum« (früher sagte man »Abitur im Leistungskurs Musik«) ablegen. Das Rondo in e-Moll von Franz Xaver Mozart trug sie in konzentriertem Vorwärtsstreben vor; mit klarem Gestaltungswillen widmete sie sich dem kantig-eckigen Funk-Jazz in Bill Holcombes »Blue Flute Funk«. Sie wurde von Maria Bittel am Flügel begleitet.

Joseph Schillinger stammt aus einer musizierbegeisterten Familie – sein Vater und dessen drei Söhne sind alle fleißige Blasmusiker. Joseph begann mit dem Tenorhorn, hat aber vor einigen Jahren das Waldhorn entdeckt und wird nun von Sebastian Krause betreut. Heuer stellt er sich bei »Jugend musiziert« der Solowertung Horn. Sein erster Beitrag war Jan Krtitel Jiri (Johann Baptist Georg) Nerudas 1. Satz aus dem Konzert in Es-Dur, das Neruda für Corno da caccia komponiert hat. Es wird heutzutage meist mit Trompete aufgeführt, ist aber – eine Oktave tiefer klingend – auch für das Waldhorn geeignet. Mit Engagement und kluger Planung arbeitete Joseph die Feinheiten dieses Allegro-Satzes heraus und beschloss ihn mit einer famosen Kadenz. Maria Bittel begleitete ihn bei diesem Werk wie auch bei den folgenden »Variationen« op. 59/3 (1986) von Jan Koetsier. Ein klares Thema erklang, mündete dann in Koetsiers ungenierte, anspruchsvoll-raffinierte Komponierkunst mit chromatischen oder auch weit-intervalligen Variationen – beeindruckend! Der Berichterstatter handelte Joseph Schillinger bei sich schon als Preisträger.

Nach einer wirklich nur sehr kurzen »Bedenkpause« der Jury (Frau Ley, die Kulturbeauftragte der Stadt Traunstein, die Herren Hagen und Sattler) bestätigte Uschi Rieth – ebenfalls Mitglied der Jury – dieses »Vorurteil« und erklärte Joseph Schillinger zum Gewinner des ersten und einzigen Preises, den der Verein »Freunde der Musik – Förderverein der Musikschule Traunstein« heuer vergab. Am 9. Februar wird der Förderpreis im Traunsteiner Rathaus bei einer Feierstunde an Joseph Schillinger vergeben. Engelbert Kaiser