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Fall Pezzoni: Löw erschüttert - VDV schlägt Alarm

Köln (dpa) - Joachim Löw und der DFB sind besorgt, die Spielergewerkschaft und auch die Polizei schlagen Alarm: Der Fall Kevin Pezzoni lässt dem deutschen Fußball keine Ruhe.

Kein Einzelfall
Kevin Pezzoni hat die Konsequenzen aus den Fan-Attacken gezogen. Foto: Rolf Vennenbernd Foto: dpa

«Ich finde das inakzeptabel, dass so etwas überhaupt passieren kann», sagte der Bundestrainer zu den Geschehnissen um den Mittelfeldspieler, der nach Gewaltdrohungen von Hooligans seinen Vertrag beim Zweitligisten 1. FC Köln gelöst hatte. «Da müssen wir ganz klar dagegen angehen», erklärte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und versicherte: «Es ist schon eine Entwicklung, die uns beunruhigt beim DFB.»

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Auch Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV, warnte vor weiteren Eskalationen. «Es darf nicht sein, dass Spieler durch kriminelle Machenschaften so eingeschüchtert werden, dass sie Reißaus nehmen müssen. Und es kann nicht sein, dass Gewalttäter quasi die Kader der Vereine bestimmen», sagte Baranowsky der Nachrichtenagentur dpa. Wenn das so weitergehe, «haben wir bald Verhältnisse wie in Mexiko, wo Spieler schon zu Tode gejagt wurden», warnte Baranowsky in der «Bild»-Zeitung.

Laut VDV nehmen Negativbeispiele auch im deutschen Fußball zu. «Autos werden zerkratzt, einem Spieler wurde das Wadenbein gebrochen, einem anderen nach einem Discobesuch die Nase.» In Dresden seien als Drohung elf Gräber ausgehoben worden, sagte VDV-Mann Baranowsky. «Die Hemmschwelle wird immer niedriger, die Hysterie größer. Dieses Thema müssen wir auf allen Ebenen ernst nehmen. Wenn Schläger vor der Haustür von Spielern stehen, wenn Autos zerkratzt oder Angehörige bedroht werden, ist das eine sehr gravierende Sache.»

Am Dienstagnachmittag überraschte der Kölner Club mit der Mitteilung, dass der Vertrag mit Pezzoni «nicht wegen ein paar Chaoten aufgelöst, die den Spieler bedrängt haben». Der Club habe nicht kapituliert. «Diese Chaoten haben keinerlei Einfluss auf Vertragsentscheidungen von Vorstand und Geschäftsführung, weder in der einen, noch in der anderen Richtung. Wer etwas anderes behauptet, liefert die Vorlage für weitere Chaoten, andere Spieler ins Visier zu nehmen», beteuerte der Bundesliga-Absteiger.

Der FC sei seiner Fürsorgepflicht gegenüber Pezzoni jederzeit nachgekommen. Die einvernehmliche Vertragsauflösung sei der auch von Pezzoni und seinem Berater gewünschte beste Weg gewesen, um dem Spieler die Möglichkeit zu geben, seine fußballerische Zukunft in einem unbelasteten Umfeld und frei zu gestalten.

Fan-Experte Harald Lange fürchtet, dass die Causa Pezzoni kein Einzelfall bleiben wird. «Das wird Schule machen, das macht Schule», sagte der Leiter des Instituts für Fankultur an der Universität Würzburg der dpa. Lange geht zwar von Einzeltätern aus, sieht aber auch einen Trend: «Seit zwei, drei Jahren gibt es immer mehr solche sonderbaren Fälle.» Den Fall Pezzoni bezeichnete Lange indes als «atypisch», da jungen Spielern vom Anhang der Clubs normalerweise Zeit zur Entwicklung zugestanden werde. Er hält eine stärkere Integration der Fans in die Vereinsstrukturen für sinnvoll. Maßgeblich seien dabei Dialogbereitschaft und Transparenz, damit so ein Fall verhindert werden kann.

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die Sicherheit rund um das Fußballgeschehen auf einem gefährlichen Kurs. «Wenn sogenannte Fans es nicht mehr vermögen, zwischen Fußballwelt und Privatsphäre eines Spielers zu unterschieden, dann ist eine neue, zutiefst bedrückende Eskalationsstufe erreicht», teilte GdP-Chef Bernhard Witthaut mit.

DFB-Teammanager Bierhoff hat ähnliche Situationen wie im Fall Pezzoni in seiner Zeit als Profi in Italien erlebt. «Das sind eigentlich keine Fans, das sind Kriminelle, die entsprechend beobachtet und verfolgt werden müssen», sagte der einstige Kapitän der Nationalmannschaft. Er forderte einen «Schulterschluss» von Fußball, Politik und Fans. «Da muss man sich ernsthaft Gedanken machen, wie man so etwas in Zukunft vermeidet», ergänzte Löw im ARD-Hörfunk. «Es ist kein leichter Fall, man darf es nicht banalisieren», warnte Bierhoff.

«Das ist eine schlimme Sache, wenn man von den Fans so weit getrieben wird», meinte Nationalspieler André Schürrle von Bayer Leverkusen vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer. «Respekt spielt eine große Rolle», verwies Torhüter Ron-Robert Zieler auf eine Grundvoraussetzung im Umgang von Profis und Fans. «Es ist sehr schade, das es anscheinend immer aggressiver wird. Wir müssen versuche, das zu stoppen», sagte der Spieler von Hannover 96.

Pezzonis früherer Kölner Clubkollege Sebastian Freis fordert Konsequenzen. «Der Verein sollte überlegen, wie er seine Spieler schützen kann», sagte der Stürmer des Bundesligisten SC Freiburg in einem Interview auf der Vereinshomepage. Freis kann Pezzonis Flucht aus Köln zwar verstehen, doch eine Lösung sei es nicht. «Aus seiner Sicht kann man das natürlich nachvollziehen, dass er dort nicht mehr spielen will. Andererseits haben die Chaoten damit eigentlich ihr Ziel erreicht. Und das ist sicher ein falsches Signal.»

«Bild»-Interview Baranowsky

Freis-Interview auf der Vereinshomepage

Mitteilung 1. FC Köln