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Faire Gebühren, bessere Taktung und Digitalisierung von Bussen

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Königssee: Diskussion von "Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkl"
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Die Bürgermeisterkandidaten haben unterschiedliche Ideen für eine Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel eingebracht (v.l.): Franz Rasp, Michael Ernst, Wolfgang Lochner, Sabine Kruis, Hannes Rasp, Herbert Gschoßmann, Franz Halmich, Thomas Weber, Andrea Grundner und Josef Wenig. (Foto: Patrick Vietze)

Schönau am Königssee – Wie können öffentliche Verkehrsmittel für Einheimische und Touristen attraktiver werden? Um unter anderem diese Frage zu diskutieren, hat das »Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkl« am Montagabend im Gasthaus »Unterstein« ein Gespräch mit den Bürgermeisterkandidaten aus dem Talkessel organisiert.


Schwerpunkte der Diskussion waren die Digitalisierung der Busse, eine bessere Taktung der Fahrzeiten sowie faire Gebühren für Einheimische und Touristen.

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Fahrpläne besser abstimmen

Ein Defizit im Talkessel seien die Busfahrpläne. Würde man mit dem Zug aus Freilassing den Berchtesgadener Bahnhof erreichen, so müsse man dort eine Dreiviertelstunde auf den nächsten Bus warten.

»Wir müssen die Fahrpläne besser abstimmen«, forderte der Bürgermeister von Schönau am Königssee, Hannes Rasp (CSU). Er habe immer wieder Fahrplanbesprechungen mit der RVO geführt. Der Anschluss müsste für jeden Fahrgast zeitnah möglich sein. Schönaus Bürgermeisterkandidatin Sabine Kruis (Bündnis 90/Die Grünen) hält Fahrzeiten im halbstündigen Takt für die realistischste Lösung.

Marktschellenbergs Bürgermeisterkandidat Wolfgang Lochner (CSU) sprach ein spezielles Problem in der Gemeinde an: »Wir haben nur einen Bus, der im Einstundentakt fährt. Meistens ist er überfüllt, da viele bereits aus Salzburg angereist sind. Schulkinder haben kaum Sitzmöglichkeiten.« Lochner schlägt daher die Förderung der Rufbusse vor. Zudem möchte er einen Busanschluss zur Halleiner S-Bahn-Station für Scheffau, Au und Marktschellenberg schaffen.

Bürgermeister Franz Halmich (Freie Wähler) will die Fahrzeiten ausdehnen. »Man hat am späten Abend keine Möglichkeit mehr, mit dem Bus nach Marktschellenberg zu fahren. Wir wollen doch, dass die Einwohner das Auto stehen lassen.« Der Berchtesgadener Kandidat Josef Wenig (Freie Wähler) teilte Halmichs Ansicht. »Viele Touristen können am Abend eine Ferienwohnung in der Oberau nicht mehr mit dem Bus erreichen. Wir müssen den Rufbus ausweiten.«

Defizite fangen in Freilassing an

Michael Ernst (Bürgerliste Marktschellenberg) fordert zudem einen besseren Anschluss zwischen Bus und Eisenbahn. »Nur wenn wir mit den Betreibern ins Gespräch kommen, ist eine bessere Abstimmung möglich.« Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber (CSU) sagte, die Taktung müsse bereits ab dem Bahnhof Freilassing verbessert werden. »Es kann nicht sein, dass die S 3 in Bad Reichenhall nicht mehr weiterfährt.« In Zusammenarbeit mit der BLB will der Bischofswieser Gemeinderat ermöglichen, dass Züge zwischen Bischofswiesen und Freilassing in einem halbstündigen Takt fahren.

Auch die Bezahlung im Bus wurde thematisiert. Laut der Berchtesgadener Kandidatin Andrea Grundner (Bündnis 90/Die Grünen) müssten die Fahrgäste ewig warten, da der Busfahrer jeden Einzelnen kassiert und dieser Vorgang viel Zeit kostet. Der Einstieg würde eine Weile dauern. Grundner schlug vor: »Die Gäste sollen bei jeder Tür einsteigen können. Wir müssten nur mit den Betreibern eine entsprechende Lösung finden.« Marktbürgermeister Franz Rasp (CSU) regte an, ein modernes Bezahlsystem zu etablieren.

»Der Fahrgast soll über digitale Medien Tickets kaufen. Somit werden die Wartezeiten verkürzt und der Bus fährt schneller ab.« Hannes Rasp ergänzte: »Wir müssen auch Automaten an der Bushaltestelle etablieren, bei denen man im Vorhinein ein Busticket kaufen kann.«

Michael Ernst und Thomas Weber waren der Meinung, man müsse die Tarifsysteme vereinheitlichen und modernes Bezahlen ermöglichen. Halmich fragte, warum der Busfahrer noch kassieren müsse.

»Weltweit gibt es alle Möglichkeiten: In großen Städten kann man mit Karte oder über digitale Medien für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen. Wir müssen die Gebührenstrukturen im Talkessel verändern.« Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann (CSU) gab zu bedenken, dass kaum Einheimische den Bus nutzen. Stattdessen herrsche an einem Freitagnachmittag Chaos, wenn zu viele Touristen beim Klausbachtal in den Bus steigen. Zudem fühlten sich Einheimische bei den Preisen benachteiligt. Die Touristen hätten durch die Kurkarte einen Vorteil. Sie bezahlen auch weniger für einen Parkplatz.

Franz Rasp knüpfte an: »Es ist ein Widerspruch, wenn Touristen eine Kurkarte haben, aber für die Parkplatzgebühren nur halb so viel bezahlen wie Einheimische.« Dieses groteske Angebot müsste wegfallen.

Nicht nur Lösungen innerhalb der Gemeinde

Josef Wenig warnte aber: »Der Tourismus bleibt nach wie vor wichtig. Daher sollte man die Taktung und Preise für den Bus geschickt gestalten. Die Behandlung für Einheimische und Touristen sollte fair bleiben.«

Sabine Kruis war der Überzeugung, man müsste mehr im Sinne der Einheimischen handeln. Einzelne Gruppen sollen verstärkt berücksichtigt werden. So forderte sie, dass Schüler bis zum Abitur kostenlos mit dem Bus durch den Talkessel fahren dürfen.

Laut Thomas Weber müsse man die Preise für Bus und Bahn gemeindeübergreifend erarbeiten. Des Weiteren wolle er für den öffentlichen Verkehr ein System etablieren, das nicht nur an der Landkreis-, sondern auch an der Landesgrenze anschließt.

Hannes Rasp hat eine Vision: »Ich will eine Stadtbahn zwischen Königssee und Mondsee. Wir müssen nur den Mut zum nächsten Schritt haben.« Patrick Vietze