weather-image
20°

F&A: Was der Nato-Gipfel gebracht hat

Chicago (dpa) - Die Staats- und Regierungschefs der Nato haben in Chicago versucht, das Bündnis neu auszurichten. Und sie haben Afghanistan auch nach dem Abzug der Kampftruppen 2014 Unterstützung versprochen.

Wie ist dieser Nato-Gipfel in die Reihe bisheriger Treffen einzuordnen?

Anzeige

Es fehlte das große spektakuläre Thema. In Bukarest war es 2008 die Erweiterung des Bündnisses, in Straßburg/Kehl 2009 die neue Nato-Strategie und in Lissabon 2010 der Beschluss für ein Enddatum des Afghanistan-Einsatzes. Der Gipfel in Chicago war ein eher von technischen Fragen bestimmtes Treffen.

Was sind die größten Schwierigkeiten der Nato?

Es fehlt den Nato-Staaten vor allem am Geld. Deswegen ist auch die Zahl der Soldaten stetig gesunken, deswegen fehlt es auch an Material. Das ist aber nicht die einzige Schwierigkeit. Früher war den Menschen die Bedeutung der Nato klarer. Heute halten viele die Nato für überflüssig. Dies wiederum führt zu geringerer politischer Akzeptanz.

Mehr Sicherheit in Zeiten knapper Kassen - wie soll das gehen?

Die Antwort der Nato darauf heißt «Smart Defence», also kluge Verteidigung. Das bedeutet, dass sich mehrere Staaten gemeinsam etwas leisten können, was für jeden einzelnen viel zu teuer wäre. Es bedeutet auch, dass nicht mehr alle Streitkräfte alles machen müssen, sondern bestimmte militärische Fähigkeiten nur noch von einigen Staaten gestellt und gegenseitig ausgetauscht werden. Die neue Raketenabwehr und ein System zur Bodenaufklärung gehören zu den größten Projekten.

Hat das Bündnis überhaupt eine Zukunft?

Die Nato ist sich da ganz sicher. Denn im Kalten Krieg ging es um den Schutz vor der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt. Nun aber liegt die Bedrohung nicht mehr in Panzerkolonnen aus dem Osten. Sondern im globalen Terrorismus, in der Instabilität eines Landes oder einer Region, in Gefahren für Informationssysteme oder in der Piraterie. Die Nato versteht sich also zunehmend als globale Sicherheitsorganisation.

Welche Rolle wird Russland spielen?

Russland bleibt für die Nato immer extrem wichtig, weil es die größte Militärmacht außerhalb der Nato und in Nachbarschaft des Bündnisses ist. Es gibt auch einen gemeinsamen Nato-Russland-Rat. Die Beziehungen sind derzeit zwar besser als sie schon waren, doch droht eine Verschlechterung. Und zwar dann, wenn die Raketenabwehr der Nato für Europa weitere Fortschritte macht. Die erste Stufe wurde in Chicago schon gefeiert, einsatzbereit soll das System 2020 sein. Russland fürchtet, dass auch die eigenen Atomraketen entwertet werden könnten. Wenn diese Bedenken nicht ausgeräumt werden können, droht eine neue Eiszeit mit Moskau.

Nato zum Gipfel