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Explosive Regeldebatte - Ecclestone: Nicht akzeptabel

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Bernie Ecclestone
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Chefvermarkter Bernie Ecclestone sorgt sich um die Fans. Foto: John Heng Foto: dpa

Sakhir (dpa) - Vorsicht, Eskalationsgefahr! Mit markigen Worten hat Chefvermarkter Bernie Ecclestone die explosive Regeldebatte in der Formel 1 verschärft. Die Rennen seien in ihrer derzeitigen Form «für die Fans nicht akzeptabel», urteilte der Brite am Rande des Großen Preises von Bahrain.


Änderungen seien dringend nötig, verfügte der Geschäftsführer. Die Formel 1 steckt wieder in der Identitätskrise. Vor allem das Gerangel zwischen Mercedes und den strauchelnden Riesen Red Bull und Ferrari um die neuen Motoren bietet Zündstoff.

Ecclestone lobte bei seiner Stippvisite im Medienzentrum an der Rennstrecke in Sakhir zwar die technologische Entwicklung der neuen, leiseren Turbo-Triebwerke. «Aber das ist nicht das Formel-1-Geschäft. So etwas sollte man in Tourenwagen oder sonstwo machen, aber nicht in der Formel 1», betonte er. Zugleich warnte Ecclestone davor, dass die Silberpfeile bei möglichen Änderungen nicht benachteiligt werden dürften. «Mercedes hat ohne Zweifel den besseren Job gemacht. Wir sollten die Regeln nicht ändern, um sie zu bestrafen.»

Ecclestone sprach sich für eine Anhebung der Spritgrenze aus: «Wenn sie zehn Kilogramm mehr wollen, dann wird jeder zustimmen.» Der Brite meint sogar, dass die Silberpfeile mitziehen. «Ich denke, dass auch Mercedes so etwas unterstützen würde.» Erlaubt sind für jedes Rennen derzeit nur 100 Kilogramm Sprit.

Ferrari-Chef Luca di Montezemolo hat seine Forderung nach einer für die Zuschauer einfacheren Formel 1 bekräftigt. «Wir müssen eine Formel 1 machen, die unkomplizierter ist», zitierte das Fachmagazin «Autosport» den Italiener. Di Montezemolo machte drei akute Brandherde aus: die Begrenzung der im Rennen erlaubten Spritmenge, die Lautstärke der Motoren und die komplexen Vorschriften. Aktuelle Regeländerungen hat di Montezemolo nach eigener Aussage aber nicht im Sinn. «Ich denke, dass wenn jemand in Front liegt wie derzeit Mercedes, ist es absolut korrekt, jetzt nichts zu ändern», sagte der 66-Jährige.

Automobil-Weltverbandschef Jean Todt hatte sich erst tags zuvor Luft verschafft. «Mir kommt es so vor, als nutzen einige Herren ihre Kritik dazu, um Politik in eigener Sache zu machen», zitierte «Auto, Motor und Sport» den Franzosen. «Es kommt mir so vor, als würden George Lucas und Brad Pitt ihre nächsten Filme schlechtreden, nach dem Motto: Geht nicht ins Kino.»

Die Adressaten sind nicht schwer ausfindig zu machen. Angesprochen fühlen dürfen sich Ecclestone, di Montezemolo und Red-Bull-Teambesitzer Dietrich Mateschitz. Der Italiener warnte angesichts des darbenden Spektakels vor «Taxifahrten» und sprach sich am Persischen Golf für Änderungen aus - aber nicht in diesem Jahr. «Wir müssen eine Formel 1 machen, die unkomplizierter ist.»

Auch Sebastian Vettel hatte sich abfällig über die leiseren Turbomotoren geäußert und die Geräuschkulisse sogar mit einem Staubsauger verglichen. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff reagierte mit Unverständnis auf die Regeldebatte. «Ich finde diese ganze Diskussion absurd», sagte er. «Wir befinden uns in einer brillanten technischen Revolution und reden unseren Sport schlecht.»

Probleme gibt es ohnehin genug. Nur eine Handvoll Teams ist finanziell sorgenfrei. Die anderen Rennställe leben mehr oder minder am Existenzminimum. «Die größte Baustelle in der Formel 1 sind die hohen Kosten. Wir müssen sie reduzieren», sagte Todt. Für den früheren Ferrari-Teamchef führt kein Weg an einer festen Ausgabengrenze von 150 Millionen Euro pro Team pro Jahr vorbei.

«Die Rechteinhaber und die Teams müssen sich bis zum 30. Juni Gedanken machen, wie wir die Kosten reduzieren», sagte Todt. Einstimmigkeit ist die Voraussetzung für die Maßnahme. Ob es für 2015 aber soweit kommen wird? «Alle sechs Teams in der Strategiegruppe sind plötzlich gegen eine Budgetdeckelung», meinte der Franzose.

Die Interessen der Teams in Einklang zu bringen, das ist ein eigenes Kapitel. Das merkt Todt insbesondere bei der Kritik des in dieser Saison schwächelnden Weltmeister-Rennstalls. «Hat sich einer der Wettbewerber beschwert, als Red Bull letztes Jahr alles gewonnen hat? Mercedes, Renault und Ferrari wissen seit fünf Jahren, welche Motoren auf sie zukommen», erklärte der 68-Jährige. «Dabei hat Mercedes einfach einen besseren Job gemacht.»

In der Debatte um die Lautstärke der Aggregate will Todt jedenfalls einlenken. «Wir werden nach Möglichkeiten suchen, wie wir die Motoren wieder etwas lauter machen können», sagte er. Änderungen könnte der Weltrat des Automobilverbandes am Freitag verabschieden.

Sorgen um das Premiumprodukt des Motorsports sind auch aufgrund weltweit schwindender Einschaltquoten berechtigt. Die Formel 1 müsse Problemen wie Umweltverschmutzung oder Finanzkrise Rechnung tragen, forderte Todt. Sonst werde ihr Image weiter leiden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Ecclestone zufolge zwei neue Teams in den Startlöchern für die kommende Saison stehen.

Bahrain-Grand-Prix

Todt-Aussagen