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Michael Beintner arbeitet als Kampfmittelräumer am Kehlstein – 20 000-Euro-Gerät im Einsatz

Explosive »Bodenschätze«

Berchtesgaden – Als Michael Beintner den metallenen Gegenstand entdeckt hat, piepst das Suchgerät in hohen Tönen. Der Kampfmittelräumer ist seit mehreren Wochen am Obersalzberg unterwegs, um dort tief im Boden Objekte zu orten, von denen Gefahr ausgehen könnte.

Michael Beintner sucht als Sondierer den Erdboden nach Gefährlichem ab. (Foto: Pfeiffer)

Michael Beintner arbeitet bei der »Süddeutschen Kampfmittelräumung« und ist immer dort im Einsatz, wo Gefahr nicht ausgeschlossen wird. Er und seine Kollegen sondieren dann das Umfeld und werfen einen Blick in den Boden. Vor allem bei Bomben und Granaten müsse man mit besonderer Behutsamkeit vorgehen, um diese zunächst auszumachen und später beseitigen zu können. Beintners steter Begleiter ist ein besonderes Suchgerät, rund 20 000 Euro teuer, auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, aber in technischer Hinsicht »ein echter Bringer«, wie Beintner sagt.

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Sechs bis sieben Meter tief

Zwischen sechs und sieben Meter tief kann das Gerät den Boden nach ferromagnetischen Objekten »durchleuchten«. Dabei orientiert es sich an Magnetfeldern und gibt immer dann ein Signal ab, wenn es etwas entdeckt hat. Am Kehlstein ist der Einsatz des Suchgeräts auch deshalb wichtig, weil der Obersalzberg kurz vor Kriegsende bombardiert worden war und nun, im Zuge der Erneuerung der Kehlsteinwege, auch abseits der üblichen Routen gearbeitet wird.

Beintners Suchgerät muss man sich anders vorstellen als jene Geräte, die man auch für den Privatgebrauch im Handel kaufen kann. Dort sind meist tellergroße Flächen angebracht, mit denen man über den Boden geht, die aber nur 30, 40 Zentimeter in den Boden »hineinleuchten«.

Eisenstange geortet

Mithilfe eines Drehschalters kann Michael Beintner die Sensibilität des Suchers des Profigeräts regulieren und erkennt dann auch im Boden Verborgenes, das sich nicht direkt unter ihm befindet. War die Suche erfolgreich, sondiert er den näheren Bereich, um die Größe des verborgenen Objekts besser beschreiben zu können. Je nachdem, muss dann sofort Verstärkung zugezogen werden oder Beintner macht sich selbst mit einer Schaufel ran, den Boden aufzugraben.

Etwa einen halben Meter unter der Straßendecke hat Beintner eine Eisenstange geortet, die senkrecht im Boden gesteckt war. »Das ist dann gar nicht so einfach, diese zu finden«, sagt er. Aber am Kehlstein sind ihm auch schon gängigere Gegenstände vor den Sucher gekommen: Schaufel, Pickel und Eisenwerkzeuge hat er bereits entdeckt, ausgegraben und protokolliert.

Dass die »Bodenschätze« gefährlichen Ursprungs sind, ist nicht auszuschließen, »zumindest bei der Munition«, sagt Beintner. Bomben vermutet er direkt neben den Kehlsteinwegen keine. Wenn, dann müssten sich diese etwas abseits befinden, an den steilen Waldhängen, tief verborgen im Erdreich. Dass das ein interessantes Arbeitsfeld ist, möchte Beintner auch gar nicht bestreiten.

Immerhin war er schon mehrfach im Hofoldinger Forst unterwegs, einem beliebten Waldgebiet im Süden von München, das zudem gerne von Spaziergängern besucht wird. »Dort haben wir einiges an Munition und Explosionsfähigem geortet und entschärfen lassen«, sagt er. Als Kampfmittelräumer hat er mit Bomben jede Menge Erfahrung gesammelt, sein Job ist nicht ungefährlich, trotzdem befinde man sich nicht zwangsläufig in Gefahr, wenn man die Regeln beachte.

Kilometerlanges Kabel

So hat Beintner am Kehlstein auch ein langes Kabel sowie Isolierungen im Erdreich entdeckt, die über viele Kilometer entlang der Wege verlaufen und das Suchgerät andauernd zum Piepsen bringt. Insgesamt dreimal muss Beintner alle Kehlsteinwege ablaufen – Dutzende Kilometer sind das – und sich zu jedem Signalton eine Notiz machen. Befindet sich etwa noch eine Teerschicht auf der Straße, gilt es, eine Markierung auf einer Karte mit den genauen Koordinaten zu verzeichnen.

Ein erneutes Anrücken nach dem Ausbau der Teerdecke ermöglicht es ihm, mit der Schaufel ein Loch ins Erdreich zu graben. Immer wieder stößt er auf metallene Gegenstände, wirklich Gefährliches war aber noch nicht darunter.

Im Wald wird Munition erwartet

Demnächst soll Michael Beintner ein Waldstück am Kehlstein sondieren. Dort wird eine Behelfsstraße zwischen Ligeret und Scharitzkehl gebaut, um die Arbeiten bei der Sanierung der Kehlsteinstraßen zu vereinfachen.

»Die Wahrscheinlichkeit, dort auf Munition zu treffen, ist deutlich größer«, sagt er. Dann packt er erneut sein Suchgerät, aktiviert es und läuft entlang des steilen Waldgebiets die Straße entlang. Kilian Pfeiffer