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Explosion in Tagesklinik forderte mehr als 40 Verletzte

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Traunstein: Explosion in Tagesklinik forderte mehr als 40 Verletzte
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Die Zusammenarbeit der Hilfsdienste – hier THW und Feuerwehr – war eines der Ziele der Großübung. Das abgestimmte Zusammenwirken wurde am Ende der Marathonübung als »gut, ausgezeichnet und kameradschaftlich« gewürdigt. (Fotos: Volk)
Traunstein THW Feuerwehr
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Das Retten aus Höhen und Tiefen war eines der Ziele der Großübung »Rauchender Bau« in Traunstein auf dem Gelände des Studienseminars St. Michael.

Traunstein – Mehr als 200 ehrenamtliche Einsatzkräfte von Technischem Hilfswerk (THW), Freiwilliger Feuerwehr Traunstein, Malteser Hilfsdienst, BRK-Rettungshundestaffel und Sicherheitswacht der Polizeiinspektion Traunstein übten am vergangenen Samstag unter dem Motto »Rauchender Bau« die Rettung und Erstversorgung einer großen Zahl von Verletzten und die koordinierte Zusammenarbeit bei einem Großschadensereignis.


Mehr als vier Stunden dauerte die schweißtreibende und anstrengende Übung, bei der die Hilfskräfte mit großen Enthusiasmus bei der Sache waren und das täuschend echt inszenierte Unglück und die Rettung und Versorgung von mehr als 40 Verletzten hervorragend abarbeiteten.

Übungsort war das Studienseminar St. Michael in Traunstein. Aus einem der Gebäude, das in Kürze abgerissen wird, wurde laut Übungsdrehbuch eine Tagesklinik. Im dortigen Laborbereich kam es zu einer Verpuffung. Durch die heftige Explosion wurde das Gebäude erheblich beschädigt. Zahlreiche Personen – Personal, Patienten und Besucher – wurden verletzt. Teilweise waren sie im verrauchten Gebäude eingeschlossen und der Fluchtweg aus den einzelnen Etagen versperrt. Die alarmierten Einheiten hatten die Aufgabe, die Gebäude zu evakuieren, Verletzte zu retten, Erste Hilfe zu leisten und den Abtransport in Kliniken vorzubereiten.

Auftakt mit einem lauten Knall

Den Auftakt der Übung machte ein lautstarker Knall, der die zahlreichen interessierten Zuschauer, unter ihnen Oberbürgermeister Christian Kegel, zusammenzucken ließ. Wenig später rückten die ersten Fahrzeuge der Feuerwehr Traunstein an. Doch nicht nur die Baustelle in der Vonfichtstraße, sondern auch ein inszenierter schwerer Verkehrsunfall unmittelbar vor der einzigen Zufahrt zum Schadensort, bremste die Rettungskräfte. Zuerst mussten die Verletzten versorgt und das Unfallfahrzeug beseitigt werden. Zeitgleich liefen den ersten, am Unglücksort eintreffenden Kräften, mehr und mehr Verletzte in die Arme. Aus den Fenstern des schwer beschädigten Gebäudes riefen die Menschen um Hilfe oder trommelten gegen die Scheiben, im Innenhof lagen Verletzte. Schmerzensschreie und Hilferufe aus allen Ecken waren zu vernehmen.

Feuerwehr- und THW-Helfer richteten zunächst eine provisorische Verletztensammelstelle in einer angrenzenden Garage ein, dorthin wurden zunächst alle Verletzten gebracht und erstversorgt. Zeitgleich rückten Rettungskräfte mit Atemschutzgeräten über das Treppenhaus im Innern zu den oberen Etagen und Verletzten vor, andere kletterten außen über Steckleitern zu den Hilfesuchenden. Mit der Drehleiter der Feuerwehr wurden zahlreiche Schwerverletzte aus den oberen Etagen in Sicherheit gebracht. Auch vom Dach des Gebäudes wurden Personen gerettet, die sich dorthin geflüchtet hatten.

Traunstein THW Feuerwehr
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Das Retten aus Höhen und Tiefen war eines der Ziele der Großübung »Rauchender Bau« in Traunstein auf dem Gelände des Studienseminars St. Michael.

Im Keller war ein Brand ausgebrochen, der von den Feuerwehrkräften gelöscht werden musste. Über Kellerschächte retteten THW-Helfer mehrere verletzte Personen. Von der Explosion betroffen und verletzt wurden auch Schüler des benachbarten Internats, die sich im Schwimmbecken oder im Freigelände befanden. Die BRK-Rettungshundestaffel wurde alarmiert, um das Gebäude und die Freiflächen nach vermissten Personen abzusuchen. Die Schnelleinsatzgruppe der Malteser richtete eine Betreuungsstelle in der nahen Parzingerstraße ein, registrierte die Verletzten und versorgte sie bis zum Abtransport in Kliniken. Auch das Kriseninterventionsteam (KIT) der Malteser wurde angefordert, um für Augenzeugen oder unverletzte Betroffene und Traumatisierte da zu sein.

Die Einsatzleitung, geführt von Franz König vom THW Traunstein, der zum Örtlichen Einsatzleiter ernannt wurde, bezog in der Kardinal-Faulhaber-Straße Stellung. Sie wurde unterstützt von der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) und den Fachberatern der weiteren Hilfs- und Rettungsdienste. Das Übungsszenario sah auch erhebliche Störungen durch Schaulustige und Gaffer vor, die mit Smartphones filmten und die Einsatzkräfte behinderten. Dies wurde von der Sicherheitswacht unterbunden, die sich mühte, die Störenfriede im Zaum zu halten.

Zufrieden mit Engagement und Leistung

Insgesamt wirkten mehr als 200 Hilfs- und Rettungskräfte bei der Übung mit, der Großteil von den THW-Ortsverbänden aus Traunstein, Traunreut, Altötting, Mühldorf, Eggenfelden und Landshut. Für die Realistische Unfalldarstellung sorgten die jeweiligen Gruppen des Malteser Hilfsdienstes und des Roten Kreuzes.

Am Ende der Großübung zeigten sich die Übungsbeobachter und »Chef-Organisator« Reinhard Stanzel von der THW-Regionalstelle Mühldorf zufrieden mit dem Engagement und Leistungen der übenden Einheiten. Die Ziele einer möglichst umfangreichen Erkundung der Schadensstelle, die Rettung von Personen aus Höhen und Tiefen und die Erstversorgung von Verletzten seien erfüllt worden. Die Hilfs- und Rettungsteams hätten die Chance des intensiven Übens unter realistischen Bedingungen genutzt und ihr fachliches Wissen anwenden und vertiefen können.

Sehr gut geklappt habe die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen, die koordiniert und sich gegenseitig unterstützend gearbeitet haben. Am Ende des langen Übungstags wurden alle Mitwirkenden in der THW-Unterkunft in Traunstein mit einer stärkenden Mahlzeit belohnt, die von der Küchenmannschaft des THW Traunstein und der Verpflegungsgruppe der Malteser gekocht wurde. pv.