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Exotische Auszeit vom Hamsterrad

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Chris Engle und Vanessa Ogorzelec vor der Abreise in Berchtesgaden. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Endlich sind sie unterwegs. Auf der Reise, die sie schon immer machen wollten: Chris Engle und Vanessa Ogorzelec haben geträumt, viel überlegt, monatelang geplant, den Beruf an den Nagel gehängt. Seit drei Monaten sind sie auf Weltreise, insgesamt mindestens 15 Monate. »Unser großer Traum«, sagen beide.


Der Abschied fiel natürlich schwer. Fern der Heimat, weit weg von Familie, Freunden und Bekannten. Das Paar hat sich dazu entschieden, auf Weltreise zu gehen. »Ich wollte 2009 schon starten«, erzählt Chris Engle. Allerdings entschied er sich dann doch für eine Ausbildung. Er ist gelernter Gesundheitspfleger, Vanessa ebenso. Aber die beiden wollen jetzt erst einmal die Welt erkunden. Mindestens 15 Monate lang. Dazu haben sie vor mehreren Monaten ihre Jobs gekündigt, sie sind sich sicher, dass die Chancen auf einen Wiedereinstieg groß sind. »Pflegepersonal wird immer gesucht«, sagt Chris. Lange haben sie auf diesen Moment hingespart, Rücklagen für die große Reise gesammelt. »Wir haben gut geplant, der finanzielle Puffer müsste reichen«, sagen sie.

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Die vergangenen Monate waren nicht immer einfach. Allein die Planung der Reise erforderte viel Zeit, das Studium zahlreicher Unterlagen. Wo soll es hingehen, wie lange, und überhaupt: Was macht man da?

Asien, so viel stand fest, ist einer der Schwerpunkte der Reise. »Asien ist mein Traum«, sagte Vanessa Ogorzelec bereits im Vorfeld. In den ersten paar Monaten rechnen die beiden mit rund 40 Euro pro Tag, ganz nach der klassischen 4er-Regel: 10 Euro für die Unterkunft, 10 für Verkehrsmittel, 10 für Aktivitäten und 10 Euro für die Verpflegung. »Wir wollen relativ einfach leben«, sagen die beiden. Kein überflüssiger Luxus, günstige Unterkünfte, fern europäischer Standards. Das Ziel: Viel von Land und Leuten mitzubekommen. Und in der Tat kommen die beiden günstiger über die Runden als zunächst angenommen.

Bereits im Vorfeld war der Zuspruch von Freunden und Familie gewaltig gewesen. »Die Leute freuten sich für uns«, sagt das Paar. Für eine Zeit lang aus der schnelllebigen Gesellschaft herauszukommen, »das Hamsterrad zu verlassen«, war von Anfang an der Wunsch von Vanessa. Neider wegen der langen Reise gab es allerdings auch, berichten die beiden. Und solche, die Vorurteile hatten. Die Weltreise startete in Nepal, Doppelzimmer mit Balkon, 6 Euro pro Person und Nacht. Die Freude, ferne Länder zu entdecken, steht den beiden noch immer ins Gesicht geschrieben, wenn man sich mit ihnen via Internettelefon unterhält. »Man muss sich auch mal seinen Ängsten stellen, den anderen Kulturen anpassen, mit Fremden sprechen«, sagt Vanessa. Sie ist ein paar Jahre jünger als Chris, dennoch hat sie den Wunsch des Reisens schon recht lange. Ein paar Wochen haben die beiden in Nepal verbracht, später ging es weiter mit Bahn und Bus bis an die Grenze von Nordindien, durch das riesige Land hindurch, in den Süden. An Weihnachten waren sie auf Sri Lanka, haben Land und Leute kennengelernt. Nun folgen Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, Malaysia, Bali und mehrere Monate Indonesien.

»Es gibt so unglaublich viel zu sehen«, sagt Chris Engle, der viele Inspirationen bei Reisebloggern gesammelt hat. Auch in zahlreichen Reisevideos, sogenannten Vlogs aus dem Alltag der Reisenden, unter anderem auf YouTube. Inzwischen hat Chris selbst schon viel fotografiert und Videos aufgenommen. Die Fotografie zählt seit Jahren zu seiner großen Leidenschaft. »Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft im Ausland ist aber ungemein groß«, sagt Chris Engle.

Gemeinsam haben die beiden schon einige Einheimische kennengelernt, sich Tipps geben lassen. Tauchen zu lernen steht nun bald auf dem Programm. Zwar nicht ganz günstig, aber dafür spare man an anderer Stelle, sagen sie. Außerdem rechtfertigten die Tauchgebiete im asiatischen Raum jeden Cent. Die Herausforderung, sich das zu trauen, sei für Vanessa groß gewesen. »Manchmal muss man im Leben alles auf eine Karte setzen, um seinen Traum leben zu können«, sagt sie.

Rund 11 Kilogramm Gepäck haben beide mit dabei. Bei Chris kommt noch mal eine extra Tasche mit der Kameraausrüstung hinzu. Ansonsten haben sie sich auf das Wesentliche beschränkt. Ein paar Hosen, Unterwäsche, Kosmetikartikel, Medikamente, T-Shirts. »Man kann auch mit wenig gut leben«, sagt Chris. Geplant ist, Anfang 2018 wieder nach Deutschland zurückzukehren. Kilian Pfeiffer

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