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»Es war ganz professioneller Trickdiebstahl«

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Die 29-Jährige kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
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Traunstein – Eine in Offenburg nicht bezahlte Geldstrafe löste vor vier Jahren eine kleine Lawine aus, die eine Verhaftung durch die Polizeiinspektion Fahndung Rosenheim zur Folge hatte und nun vor dem Schöffengericht Traunstein ein Ende fand. Eine 29-jährige Rumänin kam wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in zwei Fällen – Tatorte waren Geschäfte in Traunstein und Bad Reichenhall – mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, davon.

Die 29-jährige Mutter von drei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren, die bei anderen Familienmitgliedern in Frankreich leben, ist in Deutschland, Frankreich und der Schweiz vorbestraft – stets wegen Diebstählen in den Jahren 2013 und 2014. Wegen dieser alten Taten saß sie seit März 2016 durchgehend in Haft – erst in Frankreich, dann in der Schweiz. Im Juli 2018 wurde sie nach Deutschland ausgeliefert. In der Bundesrepublik waren noch immer die Diebstähle in Traunstein und Bad Reichenhall offen.

Ihr Ehemann hatte die Rumänin sitzen gelassen mit den kleinen Kindern. Sie schlug sich jahrelang irgendwie durch. »Aus Liebe« folgte sie später einem Landsmann, den sie über Facebook kennengelernt hatte, nach Deutschland. Der Angebetete entpuppte sich als drogenabhängig und kriminell. Er schickte sie, wenn er keine Drogen mehr hatte, zum Stehlen. Aus Liebe blieb sie bei ihm. Alle Diebstähle ereigneten sich in dieser Zeit.

Laut der 29-Jährigen war man im November 2014 zusammen mit einer weiteren Frau nach Österreich unterwegs. Auf der Autobahn 8 bei Rosenheim fiel der Wagen am 4.  November 2014 einer Streife der Polizeiinspektion Fahndung (PIF) auf. Bei der Kontrolle kam auf, dass in Offenburg eine 1000-Euro-Geldstrafe wegen Diebstahls noch offen war. Die drei Autoinsassen verbrachten einige Tage in Haft – bis die Mutter der 29-Jährigen das Geld überwiesen hatte.

Diese wollte ihr Geld aber angeblich ganz rasch wieder zurück. In einem Kosmetikstudio verwickelten zwei der Täter die Angestellte am gleichen Tag in ein Gespräch. Eine der Rumäninnen stahl aus der ungesicherten Kasse 770 Euro. Nur 25 Minuten später war das Trio bereits in einem Geschäft in Bad Reichenhall. Während im Verkaufsraum über »Duftkerzen« gesprochen wurde, stahl eine der Frauen 350 Euro Bargeld aus der Tasche einer Zeugin. In beiden Fällen bemerkten die Geschädigten die Diebstähle erst deutlich später.

Die zwei Zeuginnen konnten das Diebestrio gut beschreiben. Die PIF Rosenheim wurde über das interne Informationssystem aufmerksam und konnte die passenden Personalien liefern. Der männliche Täter und Drahtzieher wurde zeitnah festgenommen, vom Amtsgericht Laufen zu drei Jahren Haft verurteilt. Die andere Mittäterin konnte ebenfalls gefasst werden. Sie erhielt später eine Jugendstrafe von zwei Jahren mit Bewährung.

Staatsanwalt Dr. Ralf Burkhard ging von einer »Bande« aus. Positiv zu berücksichtigen seien die lange zurückliegenden Tatzeiten, das Geständnis, die lange U-Haft in Deutschland, die Trennung der Mutter von ihren Kindern. Dem stünden die vielen Vorstrafen im In- und Ausland entgegen. Zweieinhalb Jahre Haft und ein Wertersatz von 1120 Euro seien angemessen. Der Verteidiger, Joachim Lederle aus Kehl, argumentierte: »Meine Mandantin hat die Diebstähle begangen, um zu überleben.« Bewährungs- und Geldstrafen habe sie nicht genügend ernst genommen. Im jetzigen Fall habe man das Geld gestohlen, um es der Mutter zurückgeben zu können. Die 29-Jährige sei »geläutert«. Sie sei bei den Diebstählen nicht der aktive Part gewesen. Eine Strafe von einem Jahr mit Bewährung sei ausreichend.

Im Gegensatz zum Staatsanwalt ging Richter Wolfgang Ott nicht von einer »Bande« aus. Eine Bande müsse aus mindestens drei Personen bestehen, die sich zu künftigen Straftaten verabreden. Das sei hier nicht gegeben. Der Richter unterstrich: »Es war ganz professioneller Trickdiebstahl, perfekt gemacht. Der Mann lenkt ab, die anderen können ungehindert stehlen.« Die Sozialprognose der Frau sei »nicht ganz unproblematisch«. Andererseits sitze sie erstmals in Haft und das seit zwei Jahren. Ott gelangte zu dem Schluss, künftig werde die Angeklagte keine Straftaten mehr begehen. Auf Wertersatz könne verzichtet werden. Der Richter warnte die 29-Jährige: »Wenn Sie in Deutschland wieder einen Diebstahl begehen, werden sie bewährungsbrüchig.« Dann drohe Gefängnis. Den Haftbefehl hob das Schöffengericht auf. Tränenreich bedankte sich die 29-Jährige. kd