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»Es ist unfair, einen Generalverdacht zu schüren«

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Der Traunsteiner Skilangläufer Jonas Dobler (Nummer 49) findet, dass Johannes Dürr mehr als Opfer anstatt als Täter dargestellt wird. »Und das stört mich.«

Die Dopingbeichte des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr hat vergangene Woche für Aufsehen gesorgt. In der ARD-Doku »Die Gier nach Gold – der Weg in die Dopingfalle« hatte Dürr zugegeben, seit 2013 Behandlungen mit Eigenblut auch in und in der Nähe von München sowie im thüringischen Oberhof vor einem Wettkampf gehabt zu haben. Der 31-Jährige war bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi des Blutdopings mit EPO überführt und für zwei Jahre gesperrt worden.


Der Traunsteiner Skilangläufer Jonas Dobler äußerte sich zu Dürrs Beichte auf seiner Facebook-Seite kritisch. »Es stört mich, dass Jo Dürr mehr als Opfer anstatt als Täter dargestellt wird«, schrieb Dobler. »Es ist unfair allen sauberen Athleten gegenüber, einen Generalverdacht im Langlaufsport zu schüren.«

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Dobler betonte, dass auch er jahrelang von dem österreichischen Langläufer Jo Dürr betrogen worden sei, deshalb sei es ihm ein Bedürfnis, zum ARD-Beitrag Stellung zu beziehen. Dobler betonte gegenüber unserer Zeitung noch: »Mir geht es nicht um eine Attacke oder einen Angriff auf Dürr, sondern einfach um meine Sicht der Dinge und eine Klarstellung beziehungsweise Einordnung.«

Dobler hob hervor, dass »Jo Dürr durch die Anti-Doping-Agenturen überführt und sich nicht etwa gestellt hat. Ansonsten würde er höchstwahrscheinlich heute nach wie vor dopen und alle betrügen. Vor dem Hintergrund sollte man also ganz allgemein alle seine Aussagen betrachten«.

Dobler findet zudem, dass es ein klares Zeichen von Charakterschwäche sei, »wenn man andere absichtlich betrügt und sich nicht eingestehen kann, dass es für einen persönlich trotz des vielen Trainings vielleicht nicht zum Weltmeister reicht«. So gehe es hunderten anderen auch im Leistungssport. »Stattdessen wird die Schuld auf andere abgewälzt«, kritisierte Dobler. Er ergänzte: »Nur weil man hart trainiert, wird nicht jeder automatisch Weltmeister. Und nur weil man Weltmeister wird, hat man nicht automatisch gedopt.« Dobler betonte noch, dass auch er jahrelang mit Bernd Raupach gemeinsam trainiert habe. »Ich kann bezeugen, dass sein Training nicht nur ohne Doping zu bewerkstelligen ist, sondern dass gerade er besonders umsichtig ist und Rücksicht auf die Athleten nimmt.« Zur Aussage von Harald Wurm, dass man sich als Sportler oft nicht sicher sei, ob man jetzt eigentlich sauber sei oder nicht, hatte Jonas Dobler ebenfalls eine ganz klare Meinung. »Darüber kann ich nur den Kopf schütteln.«

Die Beichte von Dürr hat jedenfalls ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft München hat mittlerweile ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

»Die unbekannten Personen, die am Zeugen Johannes Dürr Dopingmethoden angewandt haben, können sich strafbar gemacht haben«, erklärte Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Sie bestätigte auch den Eingang einer Strafanzeige der Nationalen Anti-Doping-Agentur. »Es geht auch darum, ob es diese Handlungsstränge, ominösen Routen und konspirativen Kreise im Wintersport noch gibt oder es in anderen Sportarten ähnlich funktioniert«, ergänzte Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur. SB

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