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»Es ist dringend Zeit, etwas zu unternehmen«

Im Anschluss an die Diskussion konnten die Anwohner sich bei Planer Gerd Hutzler (l.) über die Maßnahmen informieren.
Der Saal des Gasthauses »Reichenberg« war komplett gefüllt. Viele Anlieger des Bergbaches wollten wissen, was wann wie getan wird, um die Straßen wieder herzurichten. Fotos: Anzeiger/Voss

Berchtesgaden – Die Anlieger des Bergbaches am Mieslötzweg und der Tanzebengasse sind sauer. Nicht genug, dass sie vom Jahrhundert-Hochwasser schwer getroffen wurden. Die Überreste der Zerstörung sind immer noch sichtbar und die Straßen schwer zu passieren. Nicht nur die Straßen müssten in Schuss gebracht, sondern auch ein verlässlicher Hochwasserschutz gebaut werden, fordern die Bürger. Darum hat Dieter Schweiger, Anlieger des Bergbaches, eine Interessengemeinschaft für die Anwohner gegründet. Für Dienstag hatte er zu einer Infoveranstaltung mit Diskussion ins Gasthaus »Reichenbach« geladen. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) war der Einladung nicht gefolgt.


Sand, Geröll, weggespülte Zufahrtsstraßen und Fußwege. Das sind nur wenige der Probleme, die den Untersalzbergern Kopfzerbrechen bereiten. Am Dienstag konnten sie beim Dialog mit Bürgermeister Franz Rasp ihre Forderungen äußern: Eine eindeutige Festlegung der Zuständigkeiten für den Bachverlauf, Sanierungsarbeiten möglichst von oben bis unten, eine Erneuerung der Straßen und einen Zeitplan wünsche sich die Bevölkerung, fasste Dieter Schweiger zusammen. »Jetzt ist die Zeit, etwas zu unternehmen, das Hand und Fuß hat.« Er zeigte einen kurzen Film, den ein Kurgast während der Hochwasserkatastrophe vom Mieslötzweg gemacht hatte: der Bach als reißender Fluss.

Bürgermeister Franz Rasp wurde gleich zu Beginn mit Fragen gelöchert: »Warum wird die Tanzebengasse nicht gerichtet?«, »Wir brauchen eine Zufahrt für unsere Gäste« oder: »Es muss eine Wendemöglichkeit für Lastwagen geben?« Rasps Statement: Eine Übergangslösung komme nicht infrage. Ein nachhaltiger Hochwasserschutz sei dringend nötig. Er habe bereits eine Zulassung vom WWA für den Bau eines größeren Rohres, damit sich keine Holzstücke mehr verkeilen und so eine Überflutung auslösen können. Eines der größten Probleme: Das Entlastungsrohr des Baches war viel zu klein, um die gewaltige Menge an Wasser fassen zu können. Das neue wird einen Durchmesser von 1,4 Meter haben, so Rasp.

Die Baustelle würde sechs Wochen dauern. Die Frage des Bürgermeisters an die Anwohner: »Soll das Rohr im Herbst oder erst nächstes Jahr zwischen Ostern und Pfingsten hergerichtet werden?« Bei einer Aufschiebung der Baustelle würde für 4 000 Euro asphaltiert werden und nächstes Jahr wieder alles aufgerissen. Bei der Abstimmung entschied sich die deutliche Mehrheit für den schnellstmöglichen Bau des Entlastungsrohres.

Bei der Diskussion äußerte die Anwohnerin Stefanie Murf ein entscheidendes Argument: »Wenn auf der kaputten Straße zurzeit noch nicht mal Lastwagen fahren können, wie soll dann im Ernstfall Krankenwagen oder die Feuerwehr zu uns kommen?« Auch die fehlenden Fußwege für Schulkinder seien eine dringende Frage. Das sah auch Rasp so und versprach Maßnahmen.

Beim Thema »Zuverlässiger Hochwasserschutz« fühlten sich die Anlieger vom Wasserwirtschaftsamt nicht ernst genommen. Selbst der Planer für das Rohr, Gerd Hutzler, war anwesend. Michael Koller war als Vertretung der Gemeinderäte mit dabei. Er äußerte seinen Unmut: »Ich finde es wirklich schade, dass trotz Einladung heute niemand vom Amt da ist. Es wäre wirklich wichtig gewesen, weil die Fragen zum Hochwasserschutz schnellstmöglich geklärt werden müssen.« Besonders die Bewohner des oberen Teils der Straßen, dort, wo der Bergbach auch schlimm gewütet hatte, fühlten sich übergangen. Koller betonte, dass der Bergbach von oben bis unten gegen Hochwasser gerüstet und gesichert sein sollte.

Das Ergebnis der Veranstaltung: Die Baustelle wird so bald wie möglich in Angriff genommen, um den Bergbach vor einer weiteren Naturkatastrophe zu schützen. Dieter Schweiger hofft auf ein gemeinsames Treffen mit dem Wasserwirtschaftsamt, um offenstehende Fragen klären zu können. Und Bürgermeister Franz Rasp verkündete zum Schluss noch eine gute Nachricht: »Die baulichen Maßnahmen sind nicht straßenausbaubeitragspflichtig.« Annabelle Voss