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»Es gibt immer gemeinsame Nenner«

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Bei der Erarbeitung der Gesänge (von links): Florian Friedrich, Lukas Abdirasak Osman, Christine Walter, Mahamed Abdulqadir Yahye und Peter Ebner. (Foto: Mergenthal)

»Stellt euch breitbeinig wie ein Cowboy hin«, sagt Bálint Walter. »Ja, jo, ju je – das kommt wie Schüsse aus den Hüften!« Der in Salzburg lebende Ungar, der in seiner ursprünglichen Heimat auch schon mit Theaterarbeit aktiv war, leitet heute das Aufwärmen. Im Markussaal in der Gstättengasse entwickelte eine interkulturelle, bunt gemischte Gruppe unter Leitung der Ainringer Regisseurin Angelika Bamer-Ebner und ihres Mannes Peter Ebner das mehrsprachige Theaterprojekt »Spielend einander verstehen« frei nach William Shakespeare.


Die Premiere ist am heutigen Samstag um 20 Uhr im »Kleinen Theater« an der Schallmooser Hauptstraße 50 in Salzburg. Weitere Aufführungen in Salzburg sind am 5., 11. und 12. März.

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Entwickelt wurde das inklusiv und kommunikativ angelegte Projekt auf der Basis von Shakespeares Verwechslungskomödie »Wie es euch gefällt«. Hier geht es um Flucht, Verbannung und Heimatlosigkeit einerseits und um Güte, Hoffnung und Großzügigkeit andererseits. Der Wald ist Rückzugsort für Vertriebene und Suchende, die dort eine alternative Lebensform erproben. Es gibt zwei heillos zerstrittene Brüderpaare, die sich am Ende versöhnen. Diverse Verwechslungen und Liebschaften beleben diesen Bühnenklassiker, in dem auch das berühmte Zitat »Die ganze Welt ist Bühne« vorkommt.

Ursprünglich wollten die Initiatoren auch in Bayern lebende Asylbewerber einbeziehen. Doch diese dürfen nicht nach Österreich einreisen. Da das Projekt vom »Zukunftslabor Salzburg 20.16« ausgezeichnet und gefördert wurde, sollten Proben und Aufführungen in Salzburg stattfinden.

Bereits bei der Probe spürt man die besondere Atmosphäre, die entsteht, wenn die aus diversen Kulturen stammenden Akteure, eine Mischung aus Profis und Laien, Älteren und Jüngeren, Wortfetzen in fremden Sprachen einstreuen – Ungarisch, Somali, Englisch, Italienisch oder auch Französisch. »Ich mag den afrikanischen Tanz in dem Stück«, verrät Lukas Abdirasak Osman. Wie Mahamed Abdulqadir Yahye ist er aus Somalia geflohen. Beide sind seit eineinhalb Jahren in Salzburg und helfen in der Flüchtlingsarbeit beim Übersetzen. Lukas studierte in Somalia Mathematik, Gesundheit und Soziales sowie Geschichte und will bis Sommer gut Deutsch können: »Deutsch ist sehr schwer, aber ich muss es lernen. In meiner Heimat ist Krieg.« Mahamed singt bei der Aufführung ein somalisches Liebeslied. Nach der Schule arbeitete er als Staplerfahrer. Derzeit sucht er ein Apartment, um bald seine Familie nachzuholen und ein neues Leben aufzubauen.

Der Syrer Bashir Khordahji war in Aleppo Schauspieler und Regisseur und wohnt nun in Kuchl. Seine Pantomine »Search for peace« wurde bereits an verschiedenen Orten, unter anderem im Sommer 2016 bei den Salzburger Festspielen, gezeigt. »Diese Gruppe ist sehr gut und komisch«, findet er. Er ist fasziniert von der neuen Idee, andere Sprachen einzubeziehen, und ein großer Shakespeare-Fan. »Dieses Projekt ist sehr bereichernd – für alle«, sagt Marina Razumovskaja aus Estland, die sonst vor allem Filmmusik schreibt. Sie hat für das Stück Mahameds somalisches Liebeslied für Klavier gesetzt – »das war eine neue Welt für mich« –, Shakespeare-Texte für ein Gesangsensemble vertont und untermalende Musik im Renaissance-Stil komponiert.

»Eines der Hauptziele des Projekts ist, sich gegenseitig trotz – oder auch gerade wegen – all der verschiedenen kulturellen Einflüsse und unterschiedlichen Ausgangssituationen auf spielerische Art zu verstehen«, erklärt die Regisseurin. Auch das Publikum solle sehen »und vor allem spüren können, dass es immer gemeinsame Nenner gibt, auf die man aufbauen kann«. Die Wahl sei auf Shakespeare gefallen, da hier problemlos Übersetzungen in allen Sprachen zu finden seien und da dieser klassische Stoff es ihr ermögliche, wie gewünscht »Altes mit Neuem sowie Vertrautes mit Unbekanntem zu verbinden«. Jeder der Akteure solle auch eigene Ideen einbringen können.

»Dass die Ensemblemitglieder so verschieden sind, macht die Arbeit sehr spannend, aber auch zu einer speziellen Herausforderung«, erzählt Angelika Bamer-Ebner. Viel Fingerspitzengefühl und vor allem auch Geduld seien nötig. »Aber umso erfreulicher sind dann die kleinen Etappenerfolge. Das Wichtigste ist die Begeisterung am kreativen Prozess und die Freude, dieses spannende Theaterprojekt wachsen zu sehen.«

Angesteckt von dieser Begeisterung wurde auch der Bad Reichenhaller Fotograf Christoph Strom, der selbst schon länger ein Fotoprojekt zur Flüchtlingsproblematik plante. »Es ist spontan der Wunsch entstanden, da mitzumachen – nachdem ich kein Schauspieler bin, halt mit der Kamera. Angelika und Peter waren von Anfang an sehr offen und so hat sich eine prima Zusammenarbeit ergeben.« Strom dokumentierte den Entstehungsprozess und das gemeinsame Arbeiten am Stück. »Später sollen dann noch richtige ,Theaterfotos’ folgen.« Die Fotos sollen die Aufführungen an die verschiedenen Spielorte im Rahmen von Ausstellungen begleiten. Weitere Infos gibt es online unter www.theater-brettspiel.at oder www.bamer-ebner.com. Veronika Mergenthal

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