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»Es gab nur einen fachlichen Austausch zum Sport«

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Claudia Daxenberger, die Kreis- und Bezirksvorsitzende des BLSV: »Ich werde künftig in keine Veranstaltungen mehr gehen, bei denen der Sport nicht im Vordergrund steht und deutlich herausgehoben wird.« Foto: media-management@wacker.com

Traunstein – Die Politik sei außen vor geblieben, als sie die Klausurtagung der AfD-Bezirkstagsfraktion besucht habe, sagt Claudia Daxenberger, die Vorsitzende des Kreises Traunstein und des Bezirks Oberbayern des Bayerischen Landessportverbands (BLSV). Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt betont sie: »Es gab nur einen fachlichen Austausch zum Sport.« Daxenberger steht in der Kritik – auch und gerade in den eigenen Reihen. So hat sich das Präsidium des BLSV entschieden dagegen ausgesprochen, dass Vertreter des BLSV Veranstaltungen der AfD besuchen (wir berichteten).


Wie sehen Sie das Verhältnis von Sport und Politik?

Sport und Politik sind untrennbar miteinander verbunden. Dieses enge Verhältnis ist auf allen Ebenen sichtbar, beispielsweise wenn Sportvereine mit den Kommunen sprechen. Denn auf all diesen Ebenen werden auch Mittel der Politik für den Sport benötigt. Hinzu kommt die große Bedeutung des Sports für Politik und die Gesellschaft generell. Der Sport ist die größte Bürgerbewegung in Bayern, und mit dem Koalitionsvertrag der Bayerischen Staatsregierung wird auf den organisierten Sport eine große gesellschaftliche Verantwortung übertragen.

Haben Sie schon öfter Fraktionssitzungen besucht? Wenn ja, welche und warum?

Fraktionssitzungen habe ich bislang noch nicht besucht. Nachdem ich als Vertreterin des Sportbezirks beziehungsweise -kreises alle dort organisierten Vereine repräsentiere, erhalte ich die meisten Einladungen von Vereinen, bei denen ich auch auf Vertreter der Politik treffe. Einladungen von Politikern oder zu Veranstaltungen der Politik hatten bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich mit dem Sport zu tun. Die wenige Ausnahmen waren Einladungen, bei denen Repräsentanten mehrere Verbände von der Politik eingeladen waren.

Warum haben Sie sich an der Klausurtagung der AfD-Bezirkstagsfraktion beteiligt?

Aufgrund meiner unmittelbaren Wohnortnähe wurde ich telefonisch eingeladen, um neu gewählte Bezirksräte über die Mittel, die der BLSV Oberbayern mit seinen oberbayerischen Sportfachverbänden vom politischen Bezirk erhält, die Verwendung und die Antragstellung zu informieren. In meiner Funktion als Bezirksvorsitzende bin ich nun mal Ansprechpartnerin für Fragen, die mit dem Sport in Oberbayern zu tun haben. Bei der Klausurtagung mit der AfD gab es jedenfalls nur einen fachlichen Austausch zum Sport. Die gleiche Thematik wurde übrigens im Mai 2019 mit den drei Sportberichterstattern des politischen Bezirks Oberbayern, die dies auch in ihre Fraktionen tragen, besprochen. Dass ich selbst nicht politisch aktiv bin, erleichtert mir eine neutrale Haltung gegenüber der Politik, da wir laut Satzung frei von parteipolitischen Bindungen sind, aber auch frei von rassischen und religiösen Bindungen. Als Verbandsfunktionärin trete ich natürlich uneingeschränkt für die Werte des BLSV ein.

Wie gehen Sie mit der Kritik um, die von Seiten des BLSV-Präsidiums kommt?

Ich kann und konnte immer schon mit Kritik umgehen. Aufgrund meiner heutigen Funktion im Bezirk und durch meine langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Sport weiß ich, dass man natürlich immer damit rechnen muss, dass man kritisiert wird. Dies ist auch auf vielen anderen Ebenen des Sports sowie auch in der Gesellschaft der Fall, und ich übe durchaus auch selbst Kritik. Man ist nicht immer der gleichen Meinung, aber schlussendlich ist und war es für mich wichtig, dass man dann wieder zu einem gemeinsamen Konsens findet.

Welche Konsequenz ziehen Sie aus dem Vorfall?

Ich werde künftig in keine Veranstaltungen mehr gehen, bei denen der Sport nicht im Vordergrund steht und deutlich herausgehoben wird. Auch bei Bildern mit politischen Funktionsträgern werde ich künftig mit viel mehr Fingerspitzengefühl agieren. Es soll deutlich hervorgehoben sein, dass für mich der Sport und nicht die Politik im Vordergrund steht. Gerade die letzten Tage hat mich eine große Welle der Solidarität erreicht, die mir die Wertschätzung meiner Person und meines Engagements zeigen. Für mich war und bleiben jedenfalls immer die unmittelbare Unterstützung der Vereine sowie Sportfachverbände und die unverzichtbare Wertschätzung der Ehrenamtlichen, die dahinter stehen, am wichtigsten. Und dies wird auch weiterhin so bleiben.

Gernot Pültz